Ausstellung der Frankfurter Künstlergesellschaft vom 16. August bis 4. Oktober 2026 im Museum Brüder Grimm-Haus in Steinau an der Straße
„Brüderchen und Schwesterchen“ heißt das für das diesjährige Programm des Museums Brüder Grimm – Haus in Steinau an der Straße ausgewählte Märchen aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.
Es geht also – wie häufig in den Märchen der Brüder Grimm – um Familienbeziehungen. Da treffen wir z.B. neidische Schwestern, verwunschene Brüder, hinterhältige Stiefmütter und Eltern, die ihre Kinder im Wald aussetzen. Und nicht zu vergessen der Frosch, der sich bei artgerechter Haltung gern mal in einen strahlenden Prinzen und vorbildlichen Ehemann verwandelt. Im wahren Leben ist das ja bisweilen umgekehrt.
Nun können wir uns unsere Verwandtschaft bekanntlich nicht aussuchen. Das ist uns allen schicksalhaft gegeben.
Anders verhält sich das auf dem Gebiet der Kunst. Künstlerinnen und Künstler können sich ihre Zugehörigkeit zu einer Kunstrichtung, einer künstlerischen Disziplin und Auffassung sehr wohl aussuchen. Sie alle entscheiden im Lauf ihres Künstlerlebens, zu welcher Kunstgattung sie sich zugehörig und welcher Ausdrucksform sie sich am ehesten verwandt fühlen.
Eine Art Wahlverwandtschaft also.
Nun haben wir von der Frankfurter Künstlergesellschaft uns – zugegeben – bei dem Titel unserer aktuellen Ausstellung in der Galerie des Museums Brüder Grimm – Haus (der 14.übrigens) beim alten Goethe und seinem Roman „Die Wahlverwandtschaften“ bedient. Dabei ist der Begriff auch dem Weimarer Dichterfürsten nicht aus der Feder geflossen. Das Wort stammte vielmehr aus der Naturwissenschaft des 18. Jahrhunderts, genauer gesagt der Chemie und beschrieb – nach damaligem Stand der Wissenschaft – die Eigenschaft von Stoffen, jeweils aktiv neue, sinnvollere Verbindungen einzugehen.
In seinem berühmten Roman überträgt Goethe das Prinzip auf menschliche Beziehungen. Wie wir wissen, nimmt im Roman das Experiment kein gutes Ende.
Bei der Frankfurter Künstlergesellschaft indes stimmt die Chemie.
Hier kommen die unterschiedlichsten künstlerischen Elemente, Stile, Techniken, Temperamente und Sichtweisen zu einem funktionierenden Ganzen zusammen. Mit immer neuen, überraschenden Ergebnissen.
Das zeigen die zahlreichen Ausstellungen der FKG in der Vergangenheit und aktuell hier im Brüder Grimm Haus immer wieder aufs Neue. Das zeigt auch die lange Geschichte der FKG, deren Gründung sich im kommenden Jahr zum 170. Mal jährt.
Nicht jede Familie kann das von sich behaupten.
Quelle: Klaus Puth

