Freitag, Juni 5, 2026
Bericht einreichen
Werbung schalten
StartRegion 4JossgrundWanderung als Mahnmal

Wanderung als Mahnmal

Spessartbund lud zu Schauplätzen des 1. und 2. Weltkriegs ein

Es begann mit einer alten Feldpostkarte aus dem Ersten Weltkrieg. Ein Soldat informiert seine Lieben, dass er keinen Urlaub bekommt, weil er schlecht geschossen hat. Sein Stationierungsort: Lettgenbrunn im Spessart. Sein Urenkel: Tobias Picard, Vorsitzender des Geschichtsvereins Jossgrund. Dieser begab sich gemeinsam mit dem Spessartbund nun auf Spurensuche in das kleine Spessartdorf.

„Hier in der ganzen Umgebung sind kaum Bäume zu sehen, die älter als 100 Jahre alt sind“, informierte Holger Heinemann während der knapp zweieinhalbstündigen Wanderung rund um den geschichtsträchtigen Ort. Der Lettgenbrunner führt seit Jahren regelmäßig Schulklassen und historisch Interessierte unter dem Titel „Bunker, Bahntrasse und Bombenhügel“ zu den Schauplätzen beider Weltkriege.

Diesmal waren fast 90 Personen der Einladung des Spessartbunds gefolgt. Gleich zu Beginn erfuhren sie, wie die abgelegene Gegend sich am Vorabend des Ersten Weltkriegs zu einem der größten Truppenübungsplätze des deutschen Heeres wandelte. „Lettgenbrunn ist mehr als 700 Jahre alt und war damals ein ganz normales Spessartörtchen“, erzählte Heinemann. Dann kam der kaiserliche Erlass – wer nicht freiwillig ging, wurde enteignet.

Anfang des Jahres 1913 hatten alle Einwohner ihre Heimat verlassen und die Militärs bezogen die entvölkerten Häuser. Überall in den nahe gelegenen Tälern und auf den Hügeln seien Kriegsszenarien aufgebaut worden; man könne sich das wie eine Art Baukastenprinzip vor-stellen, so Heinemann. Noch heute verliefen zahlreiche Waldwege auf ehemaligen Bahntrassen und Namen wie „Minenwerfergrund“ oder „Bombenhügel“ zeugten von der damaligen Verwendung.

Ergreifendstes Beispiel ist jedoch ein in sich zusammengesunkener Bunker, der mitten auf der heutigen Golfanlage bei Lettgenbrunn steht. „Es handelt sich hierbei um einen so genannten ´Aussichtsbunker´ aus dem Zweiten Weltkrieg“, deutet Holger Heinemann auf den mehr als fünf Meter hohen Turm. Lettgenbrunn war zwar nach dem Ersten Weltkrieg wieder besiedelt worden, bereits 1935 wurde der Ort allerdings erneut geräumt.

„Doch jetzt kamen die Bomber“, so der 44-Jährige und vermutet: „Die Nationalsozialisten haben wohl damals gedacht: ´Ach, das hat doch im Ersten Weltkrieg auch gut funktioniert´“. Somit mussten Lettgenbrunn und Umgebung erneut für militärische Übungen herhalten. Das ganze Gelände diente nun als riesiger Bombenabwurfplatz. Wieder blieb kein Stein auf dem anderen.

Zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden wieder Grundsteine für neue Häuser gelegt. Diesmal waren es Heimatvertriebene und Flüchtlinge, die sich in dem völlig zerstörten Gebiet ansiedeln sollten. Viele der Familien leben bis heute dort. Wie war diesen Menschen damals zu Mute und wie konnten sie zueinander finden? Zu dieser Frage hat Holger Heinemann die geführte Tour „Was ist Heimat?“ entwickelt.

Diese bietet er gemeinsam mit dem Spessartbund am Samstag, den 3. Oktober, an. Treffpunkt zu der kostenfreien, rund 90-minütigen Wanderung ist am Parkplatz der Kirche, Sudetenstraße 34, Jossgrund-Lettgenbrunn.

„Meine Führungen sollen immer auch ein Mahnmal sein“, insistierte Heinemann. „Ein Mahnmal gegen Vertreibung und gegen Krieg. Wir müssen immer daran denken, wie krass schnell der Kipppunkt kommen kann und stets vorsichtig sein. Deshalb ist es so wichtig.“

2a c8f290711efafe4e5776126377837c6d mkk
“hier findet man immer mal wieder noch teile von alten bomben”, erzählte der lettgenbrunner.
3 2 3808b5c68925bc177c52755fe8c4f2e0 mkk
fast 90 wanderer waren der einladung des geschichtsvereins jossgrund im namen des spessartbunds gefolgt.

Quelle: Spessartbund Hessen

Ähnliche Artikel
- Werbung -
- Werbung -
- Werbung -
- Werbung -
- Werbung -
- Werbung -

Am beliebtesten