Johannes Wiegelmann im Austausch mit dem DRK-Kreisverband Kinzigtal
Wenn der Rettungswagen ausrückt, zählt jede Minute. Doch damit Hilfe schnell ankommt, braucht es verlässliche Strukturen – und die geraten zunehmend unter Druck. Über die aktuelle Situation im Rettungsdienst und notwendige politische Weichenstellungen hat sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Wiegelmann bei einem Besuch des DRK-Kreisverbands Kinzigtal in Gelnhausen mit Fabian Gastine, Leiter des Rettungsdienstes und Mitglied des Vorstands, sowie Benjamin Möller (Rettungsdienstleitung) ausgetauscht.
Ein Thema des Gesprächs waren die Auswirkungen des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes auf die Arbeit der Rettungsdienste. Besonders deutlich werden diese derzeit beim geplanten Neubau der Rettungswache in Salmünster. Hintergrund ist, dass die AOK in Hessen vorerst sämtliche in Planung befindlichen Neubauprojekte gestoppt hat. Bereits vor einigen Wochen hatten sich Wiegelmann und Gastine vor Ort über die Situation ausgetauscht.
Auch wenn die finanziellen Spielräume des Bundes stark eingeschränkt und Reformen notwendig seien, dürfe eine moderne und leistungsfähige Rettungsinfrastruktur nicht an bürokratischen oder finanziellen Hürden scheitern, waren sich alle Gesprächspartner einig. Gemeinsam soll darum an einer tragfähigen Lösung für den Standort Salmünster gearbeitet werden.
Ein weiteres Thema war die Reform der Notfallversorgung, die der Deutsche Bundestag in seiner letzten Sitzungswoche vor der Sommerpause in erster Lesung beraten hat. Ziel der Reform ist es, Patienten künftig besser durch das Gesundheitssystem zu steuern und die Notaufnahmen zu entlasten. Dafür sollen unter anderem sogenannte integrierte Notfallzentren als zentrale Anlaufstellen geschaffen werden. Auch für den Rettungsdienst sind im Zuge der Reform verschiedene Neuregelungen vorgesehen.
“Es ist wichtig, dass Menschen im Notfall schnell die richtige Versorgung erhalten und Rettungsdienste dort eingesetzt werden können, wo sie wirklich gebraucht werden. Die Reform kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten, wenn sie praxistauglich ausgestaltet wird”, sagte Wiegelmann.
Großen Raum nahm auch der Fachkräftemangel ein. Nach Angaben des DRK werden vor allen Dingen in der Pflege dringend neue Mitarbeiter gesucht. Der Einsatz von Zeitarbeitskräften habe sich dabei in der Praxis nicht bewährt.
Die Auswirkungen der jüngsten Hitzewellen beschäftigen die Einsatzkräfte ebenfalls zunehmend. Zum einen führten krankheitsbedingte Ausfälle innerhalb der Belegschaft zu zusätzlichen Belastungen, zum anderen sei die Zahl der Einsätze bei hohen Temperaturen deutlich gestiegen. Perspektivisch sollen deshalb die Rettungswachen besser auf extreme Wetterlagen vorbereitet werden. Vorgesehen ist unter anderem, mindestens einen klimatisierten Raum pro Wache einzurichten, um den Beschäftigten auch unter schwierigen Bedingungen angemessene Arbeitsbedingungen bieten zu können.
“Der Klimawandel stellt auch den Bevölkerungsschutz vor neue Herausforderungen. Wir müssen unsere Infrastruktur entsprechend anpassen. Gleichzeitig braucht es aber auch ein gesellschaftliches Umdenken. Bei extremer Hitze muss man sich künftig fragen, ob jede Veranstaltung stattfinden muss, wenn dadurch zusätzlich Einsatzkräfte gebunden werden”, so Gastine.
Auf Nachfrage des Bundestagsabgeordneten berichtete Fabian Gastine, dass die Einführung des freiwilligen Wehrdienstes bislang noch keine spürbaren Auswirkungen auf die Nachfrage nach Freiwilligendiensten beim DRK habe. Mit Blick auf die sicherheitspolitische Debatte verwies Wiegelmann jedoch darauf, dass bei einer möglichen Wiedereinführung einer allgemeinen Wehrpflicht – sofern sich nicht genügend Freiwillige für den vorgesehenen Personalaufwuchs der Bundeswehr finden – auch die Frage eines Ersatzdienstes erneut diskutiert werden müsse. “Ein möglicher Ersatzdienst hätte selbstverständlich auch Auswirkungen auf Bereiche wie den Rettungsdienst oder die Pflege. Diese Zusammenhänge müssen wir bei allen sicherheitspolitischen Entscheidungen mitdenken”, erklärte Wiegelmann.
Er dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des DRK-Kreisverbands Kinzigtal für ihren täglichen Einsatz. “Unser Gespräch hat erneut gezeigt, wo in der Praxis der Schuh drückt. Dieser enge Austausch ist für meine Arbeit in Berlin unverzichtbar”, betonte Wiegelmann.
Quelle: Team Wiegelmann

