MKK-Echo

Ein Holocaustüberlebender erzählt aus seinem Leben

– Zeitzeuge Mieczysław Grochowski „Mietek“ zu Gast im Kulturforum am Dienstag, 23. Januar

Einblicke in sein Leben und den Alltag im Internierungs- und Arbeitslager Lebrechtsdorf-Potulitz/Potulice und im KZ-Stutthof gibt Zeitzeuge Mieczysław Grochowski am Dienstag, 23. Januar, um 18.30 Uhr im Kulturforum Hanau am Freiheitsplatz. Der Holocaustüberlebende wird außerdem sein eigens komponiertes Lied „Die Tränen aus Potulitz“ sowie die Melodie des Auschwitzliedes auf der Trompete spielen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht nötig.

Anlass für die Veranstaltung ist der 27. Januar, der offizielle Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Mieczysław Grochowski – auch bekannt als ‚Mietek‘ – wurde am 25.3.1939 in Pommern in Nordpolen geboren. Er war das jüngste von acht Kindern. In Pommern wurde viel Deutsch gesprochen und es war das politische Ziel der NS-Politik das Land zu „germanisieren“. Dafür mussten sich die Menschen in eine sogenannte „Volksliste“ eintragen, damit sie Deutsche wurden. Im Jahr 1943 wurde Mieczysław Grochowski, für einen Zeitraum von insgesamt 14 Monaten in das Internierungs- und Arbeitslager Lebrechtsdorf-Potulitz/Potulice geschickt. Dies geschah, weil sein Vater und Großvater sich weigerten, ihre polnische Identität aufzugeben und gegen die Polen zu kämpfen. Die übrigen Familienmitglieder wurden in das Konzentrationslager Stutthof gebracht. Bereits im Alter von vier Jahren erlebte Mieczysław Grochowski menschenunwürdige Lebensbedingungen, Hunger, Krankheit und Angst vor Bestrafung.

Nach der Befreiung von Potulitz durch die Rote Armee kam Familie Grochowski wieder zusammen, nur der Vater überlebte nicht. Als Jugendlicher entdeckte Mietek die Trompete als ‚sein Instrument’. Er kam aus einer musikalischen Familie und so erlernte er sehr schnell das Spiel auf der Trompete. Während seiner Militärzeit wurde der 18jährige als Trompeter in das Marineorchester aufgenommen. Hier blieb er und spielte in diesem Orchester bis zu seiner Pensionierung. Heute ist Mietek mit einer deutschen Zirkusartistin verheiratet. Mit ihr lebt er abwechselnd in Berlin und Danzig.

Die Veranstaltung wird gefördert durch die Hessische Landeszentrale für Politische Bildung In Kooperation mit dem Auschwitz-Komitee-in-der-Bundesrepublik-e.V.

Über das KZ Stutthof

Das KZ-Stutthof ist in der deutschen Öffentlichkeit wenig bekannt, dabei ist es nach dem Stand aktueller Forschung der israelischen Historikerin Leni Yahil und der Zentralen-Stelle-zur-Aufklärung-der-NS-Verbrechen in Ludwigsburg als „NS-Vernichtungslager“ einzustufen, da es alle Kriterien im Sinne der organisierten Massentötung in der Zeit von Juli 1944 bis Kriegsende erfüllte. Das KZ-Stutthof wurde Monate vor Kriegsbeginn von der SS-Einheit „Wachsturmbann Eimann“ aufgebaut und gilt als das erste deutsche KZ außerhalb deutscher Grenzen. Bereits einen Tag nach dem Überfall auf Polen, bereits am 2. September 1939, wurden – lange geplant- 1.500 polnische Intellektuelle, Lehrer, Abgeordnete und Akademiker aus Danzig verhaftet; von diesen kamen 150-200 in das KZ-Stutthof. Das anfangs kleine Lager mit 12ha Fläche war für 3.500 Häftlinge ausgelegt. Es entwickelte sich aber zu einem großen KZ von 120ha mit 57.000 Häftlingen (1944) und 39 Außenlagern (z.B. Thorn/Torun´ und Elbin/ Elblag). Insgesamt waren im KZ-Stutthof etwa 110.000 Menschen inhaftiert gewesen, von denen 65.000 ermordet wurden; 40% davon starben allein in den letzten drei Monaten des Krieges. Das KZ wurde erst am Kriegsende von der Roten Armee befreit.

Ende 1944 bis 1945 stieg der Druck auf die westlich gelegenen Lager. In aller Eile räumte die SS die KZs im Baltikum (Riga, Kaunas, Schaulen), ebnete sie ein, vernichtete alle Beweise, um einer Befreiung durch die vorrückende Rote Armee zuvorzukommen. Zu Tausenden wurden die Häftlinge auf sog. „Todesmärsche“ in Richtung Westen getrieben. Auch Stutthof quoll jetzt über. Am 25. Januar 1945 wurde die Evakuierung angeordnet und ca.11.600 Häftlinge auf einen „Todesmarsch“ in Richtung Westen befohlen. Es waren aber immer noch 33.948 Menschen in Haft. Und es kamen neue hinzu

Über das Arbeitslager Lebrechtsdorf-Potuliz/Potulice

Das Arbeitslager Lebrechtsdorf-Potuliz/Potulice wurde ab 1943 Ostjugendverwahrlager u.a. für Kinder aus den eroberten sowjetischen Gebieten (auch UWZ – Lager Lebrechtsdorf). Die Bedingungen im Lager Potulitz waren mit denen eines Konzentrationslagers vergleichbar. Rund 25.000 Häftlinge sind durch dieses Lager gegangen, die meisten davon Polen. 1.291 Menschen verloren dabei ihr Leben, darunter 581 Kinder unter fünf Jahren. Nach dem Krieg richtete der polnische kommunistische Sicherheitsapparat in Potulice von 1945 bis 1950 auf dem Gelände des ehemaligen deutschen Lagers ein zentrales Arbeitslager ein, dem alle kleineren Lager in den nordöstlichen Woiwodschaften Polens untergeordnet waren. Häftlinge dieses Nachkriegslagers waren sowohl Deutsche (Volksdeutsche, eine kleine Gruppe von Kriegsgefangenen, Einwohner von Pommern) aber auch Polen. Die meisten waren Zivilisten. Wie schon zu NS-Zeiten gab es viele Kinder unter den Inhaftierten. Im April 1948 befanden sich 1.100 Kinder unter 12 Jahren dort.“ Heute ist Potulice ein polnisches Gefängnis

Diesen Beitrag teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

MKK-Echo-Main-Kinzig-Kreis-ZeitungG577_24-027_Trafo-Transport-UW-Grosskrotzenburg_V2-1-ed726e9e233e6c5c70830739564a0a0b
TenneT liefert zweiten Transformator ins Umspannwerk Großkrotzenburg
Polizei
Taschen aus Auto geklaut: Zeugen gesucht - Hanau
MKK-Echo-Main-Kinzig-Kreis-Zeitung001_Vorher_CAR_WASH_CENTER_HU - ohne Kfz KZ
Autowäsche: Wo ist das Putzen überhaupt erlaubt?
Hanau
Querung künftig auch wieder für den Radverkehr: Kinzigsteg an der Rühlstraße soll teilerneuert werden
Hanau
Vollsperrung des Milchwegs ab sofort
PHP Code Snippets Powered By : XYZScripts.com