MKK-Echo

Hanau: Gestohlene Erinnerungen an die Familien zurückgeben

Beeindruckende Ausstellung “stolen memories” auf dem Hanauer Freiheitsplatz

Wenn Moritz Daniel Oppenheims Statue auf dem Freiheitsplatz sich umdrehen könnte, wäre er erstaunt: Ein bunter und augenfälliger Ausstellungscontainer steht hinter ihm. Mitten im Herzen der Stadt geht es um „stolen memories“, gestohlene Erinnerungen. Die Ausstellung der renommierten Arolsen Archives ist Teil des Hanauer Programms der Internationalen Wochen gegen Rassismus und ist bis 29. März jeweils montags bis samstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet.

Die beiden Schirmherren der Hanauer Veranstaltungsreihe anlässlich der Wochen gegen Rassismus, Oberbürgermeister Claus Kaminsky und John Kannamkulam, waren vor Ort, um quasi die „inoffizielle Eröffnung“ vorzunehmen. Beide hoffen, dass der ungewöhnliche Ort und die ungewöhnliche Präsentation viele Neugierige anlockt: „Wir wollen hier auch Menschen abholen, die sonst vielleicht nicht in eine Galerie oder einen unserer bekannten Ausstellungsorte kommen würden.“

Die persönlichen Gegenstände in der Ausstellung – sogenannte Effekten – gehören NS-Verfolgten aus über 30 Ländern, überwiegend aus Polen, Deutschland und der damaligen Sowjetunion. Die meisten persönlichen Gegenstände kommen aus dem KZ Neuengamme in Hamburg, eine geringere Anzahl auch aus dem KZ Dachau. Denn Uhr und Schmuck, Ehering und Dokumente, Briefe und Fotos: In den Konzentrationslagern nahmen die Nationalsozialisten den Menschen ihre persönlichen Gegenstände ab. Die Arolsen Archives bewahren noch rund 2.500 persönliche Besitzstücke ehemaliger KZ-Häftlinge auf.

Die Ausstellung hat zum Ziel, geraubte Erinnerungsstücke an Familien zurück zu geben an die Hinterbliebenen. Durch die 2016 gestartete Kampagne #StolenMemory konnten schon mehr als 700 Familien gefunden werden, oft mit Hilfe von Freiwilligen, die in verschiedenen Ländern recherchieren. Für die Familien sind die Gegenstände von unschätzbarem Wert. Sie machen die Erinnerung und das Andenken greifbar, denn oft sind sie die letzte Spur zu den NS-Opfern. Wie und wo sie starben ist nur selten bekannt. Aber auch für Angehörige von Überlebenden sind die Besitzstücke wichtig, vor allem, wenn die Menschen nicht über ihre KZ-Erfahrung sprechen konnten oder wollten.

Ziel der Kampagne #StolenMemory ist die Rückgabe möglichst vieler dieser geraubten Erinnerungsstücke. Dazu laden die Arolsen Archives Freiwillige ein, sich an der Suche nach den Familien zu beteiligen. Durch Social Media und die Onlinestellung von Archivbeständen bieten sich heute bei der aktiven Suche viel mehr Möglichkeiten. Freiwillige aus vielen Ländern, darunter Polen, die Niederlande, Neuseeland, Frankreich und Spanien unterstützen die Arolsen Archives – teilweise mit hilfreichen Tipps bis hin zu aufwändigen Suchen vor Ort. #StolenMemories weckt Interesse beim Publikum und war schon in vielen europäischen Städten wie Paris, Warschau, Moskau, Barcelona oder Venedig zu Gast.

Die Sammlungen in Bad Arolsen gehören zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus werden seit 1995 begangen – in Erinnerung an das Massaker von Sharpeville in Südafrika am 21. März 1960. Das Motto lautet dieses Jahr „Misch dich ein“. Dies tut man in der Brüder-Grimm-Stadt seit nunmehr 15 Jahren. Aus anfangs drei engagierten Gruppen sind inzwischen mehr als 50 Organisationen, Vereine, Verbände und Privatpersonen geworden. Kaminsky und Kannamkulam fordern auf: „Unterstützen wir sie und mischen uns ein!“

Das Motto der diesjährigen Wochen gegen Rassismus sei für Hanau wie gemacht, sind beide überzeugt.  Denn Ziel der gesellschaftlichen Arbeit sei es stets auch, zu animieren und zu aktivieren. „Demokratie braucht aktive Mitarbeit und Demokratie muss wehrhaft sein. Wir müssen uns einmischen. Bei uns in Hanau sind die Wege kurz – gehen wir sie zusammen!“ heißt es deshalb auch im Vorwort der Programmbroschüre für dieses Jahr.

An Main und Kinzig beginnt man bereits vor offiziellen Start des Veranstaltungsreigens, der am 20. März in Schwerin stattfindet – und endet auch nicht mit dem eigentlichen Schlusstag am 2. April. Hanau startet in Absprache mit der Stiftung stets nach den Veranstaltungen zum 19. Februar. Und der Koordinationsrat hat vor Jahren entschieden, den Kampf gegen Rassismus zum dauerhaften Thema in unserer Stadt zu machen – deshalb werden aus dem Kreis des Koordinationsrates das ganze Jahr über Veranstaltungen organisiert.

Eine Übersicht finden Interessierte im Netz unter www.wgr-hanau.de.

Quelle: Stadt Hanau

 

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