StartMitten im LebenEin Streifzug durch die Geschichte der Heimat

Ein Streifzug durch die Geschichte der Heimat

78. Bergwinkel-Bote vorgestellt / Landrat Stolz: Ehrenamtliche Autorinnen und Autoren bewahren regionales Wissen und machen Geschichte lebendig

Seit Jahrzehnten begleitet der Bergwinkel-Bote die Menschen in der Region durch ihre Heimatgeschichte. Nun ist die 78. Ausgabe des traditionsreichen Heimatkalenders für das Jahr 2027 erschienen. Bei der Vorstellung in Schlüchtern erhielten die Gäste einen Einblick in die vielfältigen Themen der neuen Ausgabe, die von weltgeschichtlichen Ereignissen über regionale Handwerkstraditionen bis hin zu persönlichen Schicksalen reicht.

Für Landrat Thorsten Stolz ist der Bergwinkel-Bote ein wichtiges Stück regionaler Identität und Erinnerungskultur. Sein besonderer Dank galt den ehrenamtlichen Autorinnen und Autoren, die mit ihren Recherchen und Beiträgen Jahr für Jahr das Erscheinen des Heimatkalenders ermöglichen. „Ohne das große Engagement der Autorinnen und Autoren wäre ein solcher Jahreskalender nicht denkbar. Sie investieren viel Zeit, Wissen und Herzblut, um Geschichte zu erforschen und für andere zugänglich zu machen. Dafür gebührt ihnen unser ausdrücklicher Dank“, betonte der Landrat.

Besonders wertvoll sei dabei der Blick auf die kleinen Geschichten und die Menschen hinter den großen historischen Ereignissen. „Unsere ehrenamtlichen Heimatforscherinnen und Heimatforscher leisten eine wichtige Arbeit. Sie richten den Blick auf die Lebensgeschichten einzelner Menschen, auf das Alltagsleben, auf Traditionen und Entwicklungen in unseren Städten und Gemeinden. Gerade diese kleinen Geschichten machen die große Geschichte begreifbar und geben ihr ein Gesicht. Dieses Wissen ist ein wertvoller Schatz, den wir bewahren und an die kommenden Generationen weitergeben müssen. Es darf nicht in Vergessenheit geraten“, so Landrat Thorsten Stolz.

Auch die aktuelle Ausgabe des Bergwinkel-Boten zeigt, wie eng die Geschichte der Region mit den großen Entwicklungen der Welt verbunden ist. Das Schwerpunktthema widmet sich dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg vor 250 Jahren. Schriftleiter Dr. Bernd Giesemann beleuchtet in seinem Leitartikel die Beteiligung Hanauer Truppen an den Auseinandersetzungen aufseiten der britischen Krone. Dabei geht es nicht nur um politische und militärische Hintergründe, sondern auch um die Schicksale der Soldaten aus der Region, von denen manche nach Kriegsende 1783 in Amerika blieben und sich dort ein neues Leben aufbauten.

Wie vielfältig die regionale Geschichtsforschung ist, zeigen die weiteren Beiträge: Horst Kunz beschäftigt sich mit dem Testament des 1767 verstorbenen Pfarrers Johann Michael Schaupp aus Ulmbach und eröffnet damit einen anschaulichen Einblick in den Alltag eines Pfarrhaushalts im 18. Jahrhundert. Dr. Benedikt Mario Röder untersucht die Geschichte des ländlichen Gesundheitswesens im fuldischen Amt Uerzell bis 1806. Gerd Euler widmet sich gleich zwei regionalen Handwerkstraditionen: den Steinauer Krugbäckern und der Wiederbelebung der sogenannten „Dabbemacher“ in Sterbfritz.

Weitere Beiträge führen durch unterschiedliche Epochen der Sozial- und Zeitgeschichte. Gerhard Lauer zeichnet die Entwicklung des Armen- und Fürsorgewesens bis hin zum heutigen Jugendhilfezentrum der Salesianer Don Boscos in Sannerz nach. Karlheinz Schaldach beleuchtet anhand historischer Dokumente das Schicksal der letzten in Schlüchtern lebenden Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus. In einem weiteren Beitrag setzt er sich kritisch mit dem Heimatforscher und NSDAP-Funktionär Hermann Hüniche auseinander.

Oliver Thron erzählt die Lebensgeschichte des jungen Lurupers Gerd Gembacki, während Hermann Tilp die Erfahrungen von Menschen am Ende des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit in den Blick nimmt. Ulrich Schwind erinnert mit seinem Beitrag „Druschel schließt seine Pforten“ an ein Stück regionaler Unternehmensgeschichte. Ergänzt wird die Ausgabe unter anderem durch einen Nachruf auf Dr. Jürgen Ackermann und den traditionellen „Jahresablauf im Bergwinkel“ von Norbert Griebel.

Dr. Bernd Giesemann, der als Schriftleiter die aktuelle Ausgabe verantwortet hat, unterstreicht die Bedeutung dieser thematischen Vielfalt: Regionale Geschichte lebe von den vielen unterschiedlichen Perspektiven. Oft seien es gerade die persönlichen Schicksale, alte Dokumente oder scheinbar unscheinbare Ereignisse, die einen ganz neuen Zugang zur Vergangenheit eröffnen. Der Bergwinkel-Bote wolle diese Geschichten sichtbar machen und zeigen, wie viel es in unserer Heimat noch zu entdecken gebe.

Der Bergwinkel-Bote für den Altkreis Schlüchtern ist auch in seiner 78. Ausgabe das Ergebnis umfangreicher Recherchen, sorgfältiger Quellenarbeit und vieler ehrenamtlich geleisteter Stunden. Neben den Autorinnen und Autoren gilt der Dank daher allen, die an Gestaltung, Herstellung und Verbreitung beteiligt sind. Auch die Anzeigenkunden leisten einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung des Heimatkalenders. Nicht zuletzt sichert der Kauf des Bergwinkel-Boten seinen Fortbestand. Der Kalender hat 180 Seiten, kostet 9,90 Euro und wurde im Rhein Main Medienhaus gedruckt. Er ist an folgenden Orten erhältlich: Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen, Buchhandlung „Dichtung & Wahrheit“ in Wächtersbach, Stadtverwaltung in Bad Soden-Salmünster, Verkehrsbüro in Steinau, Gemeindeverwaltung und Elektro Melk in Sterbfritz, Kinzigtal Nachrichten, „Karmann’s Schöne Seiten“ und die Tourist-Info in Schlüchtern.

Quelle: Main-Kinzig-Kreis

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