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Die Strukturen im eigenen Unternehmen widerstandsfähiger machen

Gelungene Premiere des Unternehmenstags Bevölkerungsschutz

Wenn Strom oder Kommunikation ausfallen, Verkehrswege beeinträchtigt sind oder wichtige Beschäftigte nicht zur Verfügung stehen, wird Bevölkerungsschutz schnell zum Thema für Unternehmen. Rund 30 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Verwaltung haben sich beim ersten Unternehmenstag Bevölkerungsschutz im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen damit beschäftigt, wie sich Betriebe auf Krisen vorbereiten und zu deren Bewältigung beitragen können. Eingeladen hatten der Main-Kinzig-Kreis, die IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern sowie die Kreishandwerkerschaften Hanau und Gelnhausen-Schlüchtern unter dem Motto „Krise und Verteidigungsfall. Betriff das auch unsren Betrieb?“.

„Diese Veranstaltung ist eine Premiere“, sagte Dr. Wolfgang Lenz, Leiter des Amtes für Gesundheit und Gefahrenabwehr, der auch die Grüße von Landrat Thorsten Stolz überbrachte. Mit dem jährlichen Bevölkerungsschutztag richtet sich der Main-Kinzig-Kreis mit seinen Städten und Gemeinden bereits an die Bürgerinnen und Bürger. Dabei geht es um Sensibilisierung, Vorsorge und Selbsthilfe, beispielsweise durch Bevorratung für Situationen, in denen die gewohnte Versorgung nicht funktioniert. Dass der Bevölkerungsschutztag in diesem Juni bei großer Hitze weniger Menschen erreichte, sei kein Grund, das Format infrage zu stellen, betonte Wolfgang Lenz. Gerade die damalige Hitze zeige, wie wichtig die Auseinandersetzung mit Ausnahmesituationen sei.

„Die Aufgaben der Gefahrenabwehr haben sich verändert. Neben Naturereignissen, Unfällen oder Pandemien müssten mögliche Folgen kriegerischer Auseinandersetzungen und hybrider Bedrohungen berücksichtigt werden“, so Wolfgang Lenz. Das erfordere eine neue Perspektive auf die Gefahrenabwehrplanung, auch mit den kreisangehörigen Kommunen.

Unternehmen können selbst betroffen sein, etwa durch Schäden an Gebäuden oder Infrastruktur. Je nach Betrieb können Schäden zugleich Auswirkungen auf die Umgebung haben. Bei Naturkatastrophen hätten Unternehmen aber auch gezeigt, dass sie zur Bewältigung schwieriger Situationen beitragen können. Für die Gefahrenabwehr sei zunächst zweitrangig, wodurch ein Ereignis ausgelöst werde. „Wenn der Wald brennt, geht es nicht darum, wer es gemacht hat, sondern darum, ihn zu löschen“, sagte Dr. Wolfgang Lenz.

Was eine verschärfte sicherheitspolitische Lage für die Wirtschaft bedeuten könnte, erläuterte Dr. Gunther Quidde, Hauptgeschäftsführer der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern und Oberst der Reserve in einem Impulsreferat.

Am Beispiel des Operationsplans Deutschland zeigte er mögliche Auswirkungen des Bündnisfalls auf. Deutschland würde eine wichtige Rolle bei der Verlegung und Versorgung von NATO-Kräften übernehmen. Das würde Verkehrswege und logistische Kapazitäten beanspruchen und könnte Folgen für zivile Unternehmen haben. Werden Speditionen und Fahrer benötigt, stehen sie möglicherweise nicht für zivile Aufträge zur Verfügung. Zugleich könnten Beschäftigte, die sich bei Feuerwehr, Rettungsdiensten oder anderen Organisationen der Gefahrenabwehr engagieren, im Krisenfall dort gebraucht werden. Betriebe müssten sich deshalb rechtzeitig mit der Frage beschäftigen, wie sie den zeitweisen Ausfall von Menschen in Schlüsselfunktionen auffangen. Einen besonderen Blick richtete Quidde auf hybride Bedrohungen.

Anett Kuykendall, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Gelnhausen-Schlüchtern, lenkte den Blick auf das Handwerk, aus dessen Perspektive Krisenprävention bislang selten gedacht werde. Dabei werde dessen Bedeutung sichtbar, wenn die Heizung ausfällt, der Strom weg ist oder Gebäude beschädigt sind. Dann würden Handwerkerinnen und Handwerker gebraucht.

Zugleich komme es darauf an, in außergewöhnlichen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Gesellschaft und Wirtschaft seien stark reguliert, situative Entscheidungen würden dagegen selten als Möglichkeit betrachtet oder wertgeschätzt. „Wir müssen wieder lernen, kritisch zu hinterfragen und mitzudenken, aber auch zu schauen: Sind Vorgaben und Regularien in Krisensituationen überhaupt umsetzbar?“, sagte Anett Kuykendall. Im Ernstfall müsse geklärt werden, was getan werden könne und wer Verantwortung übernehme. Diesen Gedanken griff Wolfgang Lenz auf: Es sei sinnvoll, pragmatisch zu bleiben und dafür zu sorgen, „dass der Laden läuft“.

Anschließend vertieften die Teilnehmenden die Themen in drei Workshops, angeregt von weiteren Impulsvorträgen und dem bereits Gehörten. Im Mittelpunkt standen Energieversorgung und mögliche Ausfälle, der Krisenmodus der öffentlichen Verwaltung und die Personalverfügbarkeit sowie hybride Bedrohungen und mögliche Reaktionen von Unternehmen. Die Ergebnisse wurden zusammengetragen und rege diskutiert.

Dieser Austausch war für die Veranstalter ein wesentliches Ziel des Unternehmenstags, die Wirtschaft, das Handwerk und die Verwaltung miteinander ins Gespräch zu bringen. Nach der Premiere soll der Dialog weitergehen. Der erste Unternehmenstag Bevölkerungsschutz, soll, auch aus Perspektive der Teilnehmenden, nicht die letzte Veranstaltung dieser Art bleiben.

Der abschließende Dank galt den beteiligten Kooperationspartnern und dem Organisationsteam um Kristine Martel, Manuela Möller und Geeta Chatterjee, das die Veranstaltung vorbereitet und organisiert hatte.

Quelle: Main-Kinzig-Kreis

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