Rund 100 mitgereiste Fans sorgen für besondere Atmosphäre im Erzgebirge
Das Team des TV Gelnhausen hat in seinem zweiten Aufstiegsrundenspiel zur 2. Handball-Bundesliga seine erste Niederlage hinnehmen müssen. Beim Meister der Nord-Ost-Staffel, dem EHV Aue, unterlagen die Barbarossastädter vor 1620 Zuschauern in der Erzgebirgshalle in Lößnitz mit 30:34 (14:15). Trotz der Niederlage bleibt in der Aufstiegsrundengruppe weiterhin alles offen. Alle drei Mannschaften stehen nach der Hinrunde bei 2:2 Punkten, lediglich aufgrund der schlechteren Tordifferenz rutscht der TVG zunächst auf den dritten Platz ab.
Dabei war für die Gelnhäuser an diesem Abend durchaus mehr drin. Zwar ging der Sieg für den EHV Aue in Ordnung, dennoch blieb bei Spielern und Verantwortlichen das Gefühl, dass mit einer besseren Leistung auch ein Auswärtssieg möglich gewesen wäre.
„Wir haben heute viel zu viele Fehler gemacht“, analysierte TVG-Cheftrainer Matthias Geiger nach dem Spiel. „Aue hat das sehr souverän genutzt, aber wir freuen uns schon auf das Rückspiel. Wenn wir da unsere Fehler minimieren, haben wir zuhause definitiv eine Chance.“
Die Vorzeichen waren erneut alles andere als optimal. Neben dem verletzten Jonas Dambach (Fußverletzung) fehlten auch weiterhin Akos Csaba (Kreuzbandriss) sowie kurzfristig krankheitsbedingt Rechtsaußen Dima Redkyn. Simon Belter stand nach seiner Verletzung zwar erstmals wieder im Kader, war aber noch nicht voll belastbar und konnte nur kurz aushelfen.
Somit war Benjamin Wörner der einzige fitte Linkshänder im Gelnhäuser Aufgebot und musste die meiste Zeit auf Rechtsaußen aushelfen. Dort zeigte der Halbrechte allerdings eine überragende Leistung, erzielte fünf Treffer und wurde später von den Gastgebern zum besten Gelnhäuser Spieler gewählt. „Benni Wörner hat die fehlenden Rechtsaußenspieler wunderbar ersetzt und ein ganz starkes Spiel gemacht“, lobte Geiger.
Die Partie begann zunächst ausgeglichen. Der TVG holte früh mehrere Siebenmeter heraus und Kapitän Jonathan Malolepszy verwandelte bereits in der 7. Minute seinen dritten Strafwurf zur 4:2-Führung. Insgesamt erzielte der Spielmacher an diesem Abend neun Treffer, davon sechs per Siebenmeter.
Doch aus dem Positionsangriff tat sich der TVG zunehmend schwer. Nach dem 7:5 in der 11. Minute durch Fynn Hilb, folgte eine schwierige Phase für die Gelnhäuser. Gegen die aggressive Auer Abwehr fanden die Rot-Weißen kaum Lösungen, leisteten sich mehrere technische Fehler und blieben zehn Minuten ohne eigenen Treffer. Der EHV nutzte dies mit einem 5:0-Lauf zur 10:7-Führung in der 21. Minute.
Trotzdem ließ sich der TVG nicht abschütteln. Vor allem die Defensive arbeitete weiterhin ordentlich und Malolepszy unterbrach schließlich mit einem weiteren Siebenmeter die Torlosserie. Anschließend fanden die Barbarossastädter zurück ins Spiel und Jannik Geisler verkürzte mit dem Halbzeitpfiff auf 14:15.
Nach dem Seitenwechsel blieb die Partie zunächst offen. Yannick Mocken glich in der 33. Minute zum 15:15 aus. Neben Wörner zeigte auch der Linksaußen eine starke Leistung und erzielte ebenfalls fünf Tore. Auch Rückraumspieler Hilb überzeugte offensiv mit fünf Treffern und setzte immer wieder wichtige Impulse im Gelnhäuser Angriff.
Bis zum 18:18 in der 37. Minute blieb das Spiel ausgeglichen. Doch erneut führten einige technische Fehler dazu, dass sich Aue etwas absetzen konnte. Paul Bones erhöhte in der 39. Minute auf 21:18 für die Gastgeber.
In der Folge warteten die Gelnhäuser Fans förmlich darauf, dass das Momentum auf die Seite des TVG kippen würde. Doch obwohl die Barbarossastädter nie aufgaben und immer wieder verkürzten, gelang es nicht mehr, das Spiel entscheidend zu drehen. Stattdessen erhöhte der EHV in der 51. Minute auf 29:24.
„Wir mussten aufgrund der Personalsituation viel rotieren und mit Rechtshändern im rechten Rückraum spielen. Das hat uns etwas den Spielfluss genommen“, erklärte Geiger.
In der Schlussphase warf der TVG noch einmal alles hinein, kam aber nicht mehr entscheidend näher heran. Francisco Pereira, mit zwölf Treffern bester Torschütze des Abends, traf in der Schlussminute zum 34:29, ehe Geisler wenige Sekunden vor dem Ende den 30:34-Endstand erzielte.
Trotz der Niederlage überwog bei den Gelnhäusern nach dem Spiel nicht die Enttäuschung, sondern vielmehr Zuversicht. Die Mannschaft zeigte auch gegen den zweiten Staffelmeister der Aufstiegsrunde, dass sie absolut konkurrenzfähig ist.
Für Begeisterung sorgten auch die rund 100 mitgereisten TVG-Fans, die die weite Strecke an einem Dienstagabend mitgefahren sind, um ihre Mannschaft zu unterstützten und über 60 Minuten deutlich zu hören waren. Nach dem Spiel kletterten die Spieler auf die Tribüne zu ihren Anhängern, um sich persönlich für die Unterstützung zu bedanken.
Überhaupt entwickelte sich die Partie in Lößnitz zu einem echten Handballfest. Beide Fanlager begegneten sich äußerst herzlich und respektvoll, die Gastgeber aus Aue empfingen die Gelnhäuser Anhänger sehr freundlich und sorgten gemeinsam mit den TVG-Fans für eine außergewöhnliche Atmosphäre.
„Dass uns so viele Fans an einem Dienstagabend den langen Weg gefolgt sind, um uns anzufeuern, ist überragend“, sagte Geiger. „Mit den heimischen Fans im Rücken kann das Ergebnis im Rückspiel ganz anders aussehen.”
Nun warten auf den TVG noch zwei weitere Aufstiegsrundenspiele. Am kommenden Sonntag gastieren die Barbarossastädter um 17 Uhr zum Rückspiel beim TV Emsdetten in der Ems-Halle. Das letzte und möglicherweise entscheidende Heimspiel der Aufstiegsrunde steigt schließlich am 6. Juni um 19.30 Uhr gegen den EHV Aue in der Rudi-Lechleidner-Halle. Für die Partie wurden bereits über 1.200 Tickets verkauft. Karten sind weiterhin online über die Homepage des TV Gelnhausen erhältlich.
Quelle: TV Gelnhausen-Handball

