Zukunft der Herde auf Hanauer Gelände Campo Pond im Fokus / Naturschutz weiterhin sichern
Auf dem ehemaligen US-Truppenübungsgelände Campo Pond im Hanauer Stadtteil Großauheim weiden seit rund 17 Jahren Przewalski-Pferde. In den vergangenen Wochen ist es hier zu bedauerlichen Vorfällen gekommen: Zwei Tiere mussten aufgrund von schweren Verletzungen erlöst werden.
Der erste Unglücksfall ereignete sich bereits Mitte Februar: Przewalski-Wallach Pavel hatte sich aus bislang unbekannten Gründen einen Beinbruch zugezogen. „Leider war der Bruch schwerwiegend, sodass wir die Entscheidung treffen mussten, ihn zu erlösen und einzuschläfern“, erklären die betreuenden Tierärztinnen aus dem Frankfurter Zoo.
„Wir bedauern sehr, unseren Wallach Pavel zu verlieren, der 2014 auf Campo Pond geboren wurde und seitdem ein fester Bestandteil der Herde war“, so Stephanie Pollmeier, Projektverantwortliche des Bundesforsts.
Ein Beinbruch ist bei Pferden eine besonders schwere Verletzung und lässt sich selten gut behandeln. Aufgrund ihres hohen Körpergewichts und der dazu vergleichsweise schlanken Beinknochen sind die Belastungen auf ein verletztes Bein enorm. Gleichzeitig können die Tiere ein gebrochenes Bein kaum dauerhaft entlasten, da sie zum Fressen, für die Verdauung und den Kreislauf auf das Stehen angewiesen sind. Hinzu kommt das Risiko schwerer Folgeerkrankungen wie der für das Tier schmerzhaften sogenannten Hufrehe, wenn andere Beine dauerhaft überlastet werden. Wenn die Aussicht auf eine vollständige und schmerzfreie Genesung sehr gering ist, entscheiden Tierärztinnen und Tierärzte daher aus Gründen des Tierschutzes häufig, das betroffene Tier einzuschläfern.
Huferkrankung und Augenverletzung bei Stute Kati
Kurze Zeit später mussten die Projektverantwortlichen erneut eine schwerwiegende Entscheidung treffen. Stute Kati, die erst vergangenes Jahr nach Campo Pond kam, hatte eine unheilbare Huferkrankung. Die aufgenommenen Röntgenbilder zeigten, dass sich diese in den vergangenen Monaten noch verschlechtert hat und so weit vorangeschritten war, dass es keine Chance mehr auf eine Heilung gab. Eine kürzlich hinzugezogene Verletzung am Auge machte dem Tier zusätzlich Probleme, so dass auch hier die Entscheidung getroffen wurde, es zu erlösen.
„Die Behandlung der Augenerkrankung wäre nur mit wiederholten Narkosen möglich gewesen. Da die fortgeschrittene Huferkrankung nicht mehr therapierbar und ein erneuter schmerzhafter Schub abzusehen war, mussten wir auch hier leider eine Entscheidung im Sinne des Tieres treffen“, so die Tierärztinnen.
Neue Przewalski-Pferde für Campo Pond
Nach dem Tod von Pavel und Kati leben aktuell noch sechs Wildpferde auf dem Campo-Pond-Gelände, dessen Koppel für die Tiere etwa 50 Hektar groß ist. Um den notwendigen Beweidungsdruck für die Erhaltung des seltenen Sand-Lebensraums aufrecht zu erhalten, sollen zukünftig neue Pferde die Herde wieder vergrößern – den Artenschutz auf dem Areal im Blick. „Wir hoffen, dass es im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes (EEP) geeignete Pferde gibt, die demnächst zu uns gebracht werden können, um unsere Herde wieder zu verstärken“, blickt Stephanie Pollmeier hoffnungsvoll in die Zukunft.
Hintergrund: Das Projekt „Przewalski-Pferde“ in Hanau
Bei dem ursprünglich in den zentralasiatischen Steppen lebenden Przewalski-Pferd handelt es sich um die letzte Wildpferdeart, die in freier Natur seit mehr als 50 Jahren ausgestorben ist. Nur durch das Erhaltungszuchtprogramm der Zoologischen Gärten konnte die Art erhalten und in verschiedenen Auswilderungsprojekten wieder in der ursprünglichen Heimat angesiedelt werden. In Europa werden die Przewalski-Pferde mittlerweile in verschieden Beweidungsprojekten zur Landschaftspflege eingesetzt.
2009 wurden deshalb auch in Hanau mehrere dieser Tiere als Landschaftspfleger auf Campo Pond angesiedelt. Das Gelände diente mehr als sechs Jahrzehnte als militärisches Trainingsgelände für die US-Armee in Hanau. Durch die regelmäßige Befahrung mit schweren Fahrzeugen ist dort ein einzigartiges Biotop entstanden. Unterschiedliche Lebensräume, wie Sand-Magerrasen, Steppenvegetation und nicht forstwirtschaftlich genutzte Wälder, bieten inzwischen unterschiedlichsten Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause. Die Przewalski-Pferde tragen zur naturschutzfachlichen Pflege des Fauna-Flora-Habitats bei, indem sie durch die Beweidung den Aufwuchs von Gehölzen verhindern und damit zur Offenhaltung des ökologisch wertvollen Sand-Magerrasens beitragen.
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben/Sparte Bundesforst ist als Grundstückseigentümer und Tierhalter sowohl für das Gelände Campo Pond als auch für das Wohlergehen der Przewalski-Pferde verantwortlich und finanziert, unter anderem mit Unterstützung der Deutschen Bahn, durch Ökopunkte im Rahmen von naturschutzrechtlicher Kompensation die Koppeln der Tiere. Der Zoo Frankfurt gewährleistet dabei die tierärztliche Versorgung. Die Stadt Hanau unterstützt von Beginn an das Projekt, unter anderem über die Finanzierung der Betreuung der Wildpferde. Das Umweltzentrum Hanau bietet regelmäßig Führungen zu den Przewalski-Pferden an.
Pressekontakt:
Stadt Hanau, Julia Oppenländer
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Quelle: Stadt Hanau

