Wenn wir erfolgreiche Frauen in Führungspositionen sehen, denken viele von uns zuerst an Stärke, an Organisationstalent und natürlich an die Karriere.
Was man aber oft nicht sieht, ist der tägliche Spagat dahinter.
Die berufliche Verantwortung.
Die Familie.
Die Freunde.
Die Partnerschaft und die Kinder.
Und die eigene Gesundheit.
Und irgendwo mittendrin auch noch der Versuch, vielleicht ein bisschen Zeit für sich selbst zu finden.
Gerade in den letzten Jahren habe ich mich oft mit Freundinnen unterhalten, die in Führungspositionen arbeiten – sei es in Unternehmen, im Gesundheitswesen, im Vertrieb oder in leitenden Funktionen.
Und ganz ehrlich: Mich beeindruckt nicht nur ihre fachliche Kompetenz, sondern vor allem das, was sie jeden einzelnen Tag mental leisten. Viele von ihnen organisieren nicht nur Teams und Projekte, sondern gleichzeitig auch den Familienalltag, die Termine und die emotionale Verantwortung.
Dafür gibt es mittlerweile einen Begriff: “Mental Load”. Gemeint ist damit die permanente, unsichtbare Organisationslast im Hintergrund. Es geht dabei nicht nur um die Aufgaben an sich, sondern um das ständige Mitdenken. Und Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass Frauen diese Vereinbarkeit von Karriere und Familie oft als eine besondere Doppelbelastung erleben.
Hinzu kommt, dass viele weibliche Führungskräfte davon berichten, einen zusätzlichen Druck zu spüren. Sie sollen gleichzeitig durchsetzungsstark, empathisch und organisiert sein – und am besten noch “perfekt” wirken. Und trotzdem gehen sie ihren Weg weiter. Mit enormer Disziplin, mit Verantwortung und mit viel innerer Stärke.
Deshalb finde ich: Weibliche Führung verdient Anerkennung. Nicht nur am Weltfrauentag oder in Hochglanzkampagnen, sondern echten Respekt im Alltag.
Mir ist aber auch wichtig zu sagen: Führung ist nichts, womit man geboren wird. Man kann sie lernen. Kommunikation, Selbstvertrauen, Grenzen setzen, emotionale Stabilität, Konfliktfähigkeit und Präsenz – all das lässt sich trainieren.
Und moderne Führung bedeutet heute ohnehin immer weniger reine Kontrolle und immer mehr, Menschen zu verstehen.
Vielleicht brauchen wir deshalb in Zukunft weniger “perfekte Führungskräfte” und dafür mehr authentische Menschen mit Haltung, Empathie und Klarheit. Denn genau diese Eigenschaften machen Teams langfristig stark.
Und vielleicht sollten wir gesellschaftlich endlich anfangen zu akzeptieren: Dass Stärke nicht bedeutet, alles alleine schaffen zu müssen.
Quelle: Gastbeitrag: Phil Studebaker

