Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat begonnen. Mit voraussichtlich 65.000 Engagierten ist das bislang größte Volunteering-Programm für eine FIFA-Veranstaltung gestartet. Passend dazu analysiert eine Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, gefördert von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE), die oft übersehene Ressource des organisierten Sports in Deutschland: Die Freiwilligen hinter den Veranstaltungen.
Freiwilliges Engagement bildet das Fundament des organisierten Sports. Viele Sportvereine berichten allerdings von rückläufigem Engagement. Gleichzeitig mobilisieren Sportgroßveranstaltungen regelmäßig Tausende Freiwillige. Als sogenannte Volunteers unterstützen sie unter anderem die Organisation vor Ort, betreuen Gäste und Teams oder sorgen dafür, dass Veranstaltungen reibungslos ablaufen. Ob aus dieser kurzfristigen Begeisterung dauerhaftes Ehrenamt entstehen kann, hat die Studie „Sport-Event-Volunteering: Potenziale, Herausforderungen und Perspektiven für langfristiges Engagement” untersucht.
Befragt wurden 1.446 Volunteers von fünf internationalen Sportgroßveranstaltungen in Deutschland, darunter die UEFA EURO 2024, die Handball-Europameisterschaft 2024 und die FISU World University Games 2025. Ergänzt wurde die Untersuchung durch eine Befragung von Volunteers einer außersportlichen Großveranstaltung sowie durch Interviews mit Volunteer-Koordinatorinnen und -Koordinatoren.
Ein zentraler Befund: 7,7 Prozent der Befragten wurden durch ihren Einsatz als Volunteer neu oder erneut für ein langfristiges freiwilliges Engagement aktiviert. Zugleich waren 58 Prozent bereits vor der Veranstaltung engagiert und blieben es danach. Da nur 2,0 Prozent ihr Engagement aufgaben, zeigt sich: Event-Volunteering verdrängt bestehendes Ehrenamt nicht, sondern kann es ergänzen und punktuell neue Menschen hinzugewinnen.
Als besonders attraktiv erleben Volunteers die Einmaligkeit des Events und den klar begrenzten Einsatzzeitraum. Den Einstieg ins Volunteering tragen vor allem wertebezogene Motive, die Sportbegeisterung und das Gemeinschaftserleben. Materielle Anreize spielen eine untergeordnete Rolle. Der Übergang in dauerhaftes Engagement gelingt allerdings nicht automatisch: Als zentrale Hürden benennen die Koordinatorinnen und Koordinatoren fehlende Zeit sowie mangelnde Transparenz darüber, wo und wie ein weiteres Engagement möglich ist.
Prof. Dr. Holger Preuß, Studienleiter an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz: „Sportgroßveranstaltungen wie die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 motivieren Tausende Menschen, sich freiwillig einzubringen. Unsere Ergebnisse zeigen: Entscheidend ist nicht nur, Menschen für einen Event-Einsatz zu gewinnen, sondern ihnen auch Perspektiven für weiteres Engagement aufzuzeigen. Event-Volunteering endet nicht mit dem Schlusspfiff. Es kann ein wichtiger Ausgangspunkt für langfristiges Ehrenamt sein, wenn die entsprechenden Strukturen und Anschlussmöglichkeiten geschaffen werden”.
Jan Holze, Vorstand der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt: „Sportgroßveranstaltungen zeigen eindrucksvoll, wie viele Menschen bereit sind, Zeit, Energie und Fähigkeiten für ein gemeinsames Ziel einzubringen. Dieses Engagement ist ein wertvoller Schatz für unsere Gesellschaft. Die Studie macht deutlich, welches Potenzial in den Volunteers steckt. Für Vereine, Initiativen und Kommunen bietet sich die Chance, Menschen genau in diesem Moment der Begeisterung anzusprechen und für dauerhaftes Engagement zu gewinnen. So können aus einmaligen Einsätzen langfristige Verbindungen entstehen”.
Der Volunteer-Weg: Vom Kurzeinsatz zum dauerhaften Engagement
Um aus einem kurzfristigen Einsatz ein dauerhaftes Engagement werden zu lassen, wurde im Rahmen der Studie der „Volunteer-Weg” entwickelt. Das Praxismodell macht die Etappen vom ersten Event-Einsatz bis zum langfristigen Ehrenamt sichtbar. Wirksam wird der Volunteer-Weg nur im Zusammenspiel aller Beteiligten: Politik, Eventorganisatorinnen und -organisatoren, Vereine und Verbände, engagementfördernde Einrichtungen und Wissenschaft. Zentrale Ansatzpunkte sind Qualifizierungsangebote, verlässliche Kommunikationswege, sichtbare Anerkennung und eine engere Vernetzung vor Ort. Mit ihrem kostenfreien Lernportal stellt die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt bereits heute praxisnahe Qualifizierungsangebote für Engagierte, Vereine und Organisationen bereit und unterstützt damit den Aufbau nachhaltiger Engagementstrukturen.
Quelle: Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt

