Bislang befindet sich das Projekt im Planungsstatus: Vier Windräder zwischen Erbstadt und Eichen sollen durch bis zu vier modernere, leisere und leistungsfähigere Anlagen ersetzt werden. Die im Zuge dieses sog. „Repowerings“ entstehenden neuen Anlagen könnten laut Betreiber bis zu 20-mal mehr Strom produzieren als die bestehenden.
Mit einer Infoveranstaltung am 24. März 2025 sowie in der jüngsten Ausgabe der Bürgerpost (auf www.nidderau.de abrufbar) wurde das Projekt detailliert vorgestellt. Das Unternehmen European Energy, das das Vorhaben bis 2029 umsetzen will, informiert unter de.europeanenergy.com/repowering-windpark-eichen detailliert und beantwortet über ein Kontaktformular die Fragen der Bürger.
Wenig aufschlussreich dagegen aus Sicht der Nidderauer Magistratsspitze ein Flyer der CDU Nidderau mit dem vielsagenden Titel „STOPP dem Windrad-Monster in Eichen“.
„In Wirklichkeit kämpft die CDU nur für das Mischgebiet jenseits der B521, was grundsätzlich legitim ist. Dafür ist sich die Partei jedoch nicht zu schade, Windräder als Drohkulisse für irreversible Umweltschäden aufzubauen und sogar den absurden Vorwurf des Entzugs von Bürgerrechten zu erheben“, erklärt Nidderaus Bürgermeister Andreas Bär. Richtig ist, dass das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt noch unter der früheren schwarz-grünen Landesregierung nach rein fachlicher Abwägung das sogenannte „Sprunggebiet“ aus dem Entwurf des neuen Regionalplans Südhessen, der wiederum Einfluss den Regionalen Flächennutzungsplan (RegFNP) hat, entfernt hat, unabhängig von allen etwaigen Überlegungen zu möglichen Windkraftanlagen.
Der vermeintliche Faktencheck der CDU hält laut Erstem Stadtrat Rainer Vogel einer näheren Betrachtung nicht stand. „Der Bund und das Land setzen die gesetzlichen Vorgaben in puncto Abstand, Umwelt- und Naturschutz. Zwei der vier möglichen Windräder erfüllen bereits jetzt alle planungsrechtlichen Vorrausetzungen und können somit ohne Rücksprache und Einverständnis mit der Stadt Nidderau gebaut werden“, erklärt der Umweltdezernent. Und: „Moderne Anlagen sind nicht nur effizienter, sie machen im Vergleich zu alten Anlagen auch weniger Lärm. Zudem bieten sie die Möglichkeit, das Kommunen und Bürgerinnen und Bürger wirtschaftlich stärker davon profitieren“, ergänzt Vogel. Der Betreiber erwarte, dass über das Erneuerbare-Energien-Gesetz bei vier neugebauten Anlagen jährlich ein Betrag von ca. 78.000 € pro Jahr an die Gemeinde Nidderau ausgezahlt werden kann. Dazu käme ein noch durch den Betreiber zu gründender, Projekte vor Ort unterstützender Förderverein.
Aus diesem Grund sei auch die CDU-Forderung „Nutzung der Bestandsanlagen statt vorschneller Abriss“ wirtschaftlicher Unfug, erklärt Vogel: „Dann könne man auch gleich dem Handwerker sagen, er soll auf die Bohrmaschine verzichten, weil der alte Drillbohrer auch noch funktioniert“. Die vier neuen Windräder könnten bis zu 20.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgen, also ganz Nidderau und Bruchköbel. Selbst die hessische Landesregierung setze richtigerweise konsequent auf den Ausbau von Wind- und Solarenergie.
Mit dem Nein zum Repowering gehe die CDU Nidderau in eine Fundamentalopposition zu einer klimaneutralen und sicheren Energieversorgung in Nidderau. Damit positioniert sie sich auch gegen die CDU im Bund, die sich im Koalitionsvertrag klar zur Energiewende und auch zur Nutzung der Windenergie bekennt.
Als geradezu unredlich bezeichnet Bär den Vorwurf der mangelnden Transparenz: „Anfang 2024 informierte das Regierungspräsidium die Öffentlichkeit über den neuen Planentwurf, unter anderem die FAZ berichtete am 30. Januar ganzseitig. Es wurde also nicht – wie die CDU behauptet – nur die Nidderauer Verwaltung in Kenntnis gesetzt. Seit etwa diesem Zeitpunkt waren auch die konkreten Planunterlagen öffentlich einsehbar“, so Bär weiter. „Und als im Rahmen der Diskussion um ein mögliches Repowering die Frage nach Auswirkungen auf das Sprunggebiet aufkam, hat die Verwaltung weit vor der erst Ende September beginnenden Ersten Offenlage die geplante Herausnahme der Fläche aus dem Regionalplan Südhessen den Nidderauer Bürgern und Gremien bereits detailliert dargelegt.“
Aufgrund der vielen Unschärfen im Flyer der CDU sei es schwer, auf jeden Punkt einzugehen. „Wenn als Kritikpunkte Bodenversiegelung und Naturzerstörung aufgelistet werden und gleichzeitig für ein mehrere Hektar großes Mischgebiet geworben wird, durch das ein Vielfaches an Fläche zubetoniert wird als bei den vier Windrädern zusammen, dann fällt die inhaltliche Auseinandersetzung nicht leicht“, so Bär. Exemplarisch für die mangelnde Faktentreue im CDU-Flyer sei die falsche Schreibweise des Eiffelturms und dass der Kölner Dom um 28 Meter höher gemacht wird, so Vogel abschließend, die zudem beide, im Gegensatz zu den geplanten Windrädern mitten im Stadtgebiet stehen und nicht in mindestens 1 Kilometer Entfernung.
Quelle: Redaktion MKK Echo