Dienstag, Januar 20, 2026
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Umstellung schafft Probleme

Dr. Piesold widerspricht Hanauer Kritik – Kolja Saß mahnt Folgen für Gelnhausen und den Kreis an

Der frühere Hanauer Stadtrat Dr. Ralf-Rainer Piesold weist die Kritik des Hanauer Bürgermeisters und Sozialdezernenten Dr. Maximilian Bieri am Kommunalen Center für Arbeit (KCA) des Main-Kinzig-Kreises als verkürzt und in Teilen unzutreffend zurück. Unterstützung erhält er von Kolja Saß, Spitzenkandidat der Liberalen Bürgerliste Gelnhausen (LBGN), der insbesondere auf die Auswirkungen der aktuellen Entwicklung für den Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Gelnhausen hinweist.

Richtig sei, so Piesold, dass das KCA bis zum 1. Januar 2026 für die Betreuung der SGB-II-Leistungsberechtigten aus Hanau zuständig gewesen sei. Gerade in einer Großstadt mit sozialen Brennpunkten habe dies überdurchschnittlich komplexe Fallkonstellationen mit sich gebracht. Das KCA habe damit über viele Jahre einen wesentlichen Beitrag zur regionalen Sozialpolitik geleistet. Mit der Auskreisung Hanaus werde diese Aufgabe künftig von der Bundesagentur für Arbeit übernommen.

Die zuletzt öffentlich kritisierten Probleme – insbesondere eingeschränkte Erreichbarkeit sowie verzögerte Auszahlungen – seien vom Main-Kinzig-Kreis nicht bestritten worden. Als Ursachen seien sowohl externe Belastungen, etwa durch die zusätzliche Betreuung ukrainischer Geflüchteter, als auch interne Faktoren wie IT-Umstellungen und organisatorische Veränderungen benannt worden. Diese Entwicklungen nun als Beleg für die Notwendigkeit der Kreisfreiheit Hanaus heranzuziehen, greife jedoch zu kurz. Vielmehr spreche vieles dafür, dass gerade die Auskreisung selbst und die damit verbundenen Umstellungsprozesse bestehende Strukturen zusätzlich über die Belastungsgrenze hinaus beansprucht hätten.

Kolja Saß betont, dass diese Entwicklung auch für Gelnhausen nicht folgenlos bleibe: „Gelnhausen als Hauptsitz des KCAs war über Jahre ein zentraler Standort der Arbeitsmarkt- und Qualifizierungsarbeit im Main-Kinzig-Kreis. Wenn funktionierende Strukturen an Bedeutung und Einfluss verlieren, trifft das nicht nur den Wirtschaftsstandort Main-Kinzig, sondern ganz konkret auch unsere Kreisstadt Gelnhausen.”

Während die Stadt Hanau aktuell vor der Aufgabe stehe, rund 120 neue Stellen für ein eigenes Jobcenter aufzubauen, sei zugleich die parallele Umorganisation einer vergleichbaren Zahl von Stellen beim Main-Kinzig-Kreis mit erheblichen Belastungen verbunden. Die Verunsicherung bei den Mitarbeitenden von KCA und AQA sei deutlich spürbar. Effizienzverluste sowie zusätzliche Kosten durch entstehende Doppelstrukturen seien absehbar und müssten letztlich von den Kommunen getragen werden.

Dr. Piesold erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass das KCA seinerzeit gegen erheblichen Widerstand durchgesetzt worden sei – unter anderem durch den damaligen Sozialdezernenten und späteren Landrat Erich Pipa (SPD), den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) sowie den früheren Sozialdezernenten des Main-Taunus-Kreises, Hans Jürgen Hielscher (FDP). Selbst der damalige Bundesarbeits- und Sozialminister und spätere Bundeskanzler Olaf Scholz habe dem Modell kritisch gegenübergestanden.

Piesold und Saß heben zudem hervor, dass KCA und AQA über viele Jahre hinweg nicht nur sozialpolitisch, sondern auch wirtschaftlich eine tragende Rolle im Main-Kinzig-Kreis gespielt hätten. Als regional verankerte Einrichtungen hätten sie Unternehmen – vom Handwerk über den Mittelstand bis hin zu großen, im Kreis ansässigen Betrieben – gezielt bei der Besetzung von Ausbildungs-, Fach- und Arbeitsstellen unterstützt. Viele der qualifizierten Menschen seien passgenau für den regionalen Arbeitsmarkt ausgebildet und erfolgreich vermittelt worden.

Die Leistungsbilanz unterstreiche diese Bedeutung eindrucksvoll: Rund 29.000 betreute Leistungsbeziehende, etwa 88.000 Vermittlungen in Beschäftigung sowie über 160.000 Eingliederungsleistungen in rund 20 Jahren. Der enge regionale Bezug sei dabei stets ein zentraler Erfolgsfaktor gewesen.

„Gerade für Städte wie Gelnhausen ist es entscheidend, dass funktionierende, wirtschaftsnahe Strukturen erhalten bleiben”, so Saß abschließend. „Die Auskreisung Hanaus darf nicht dazu führen, dass bewährte Systeme geschwächt, Kosten erhöht und die Kommunen im Main-Kinzig-Kreis insgesamt zusätzlich belastet werden.”

 

Quelle: Redaktion MKK Echo

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