Hanau. Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit – auch im Einzelhandel und der Gastronomie. Um dieser Herausforderung entgegenzuwirken, braucht es neue Konzepte, innovative Ansätze und neue Denkweisen. Ein gemeinsames Pilotprojekt der Hanau Marketing GmbH (HMG), der BAUprojekt Hanau GmbH, des Kommunalen Centers für Arbeit (KCA) und der Bundesagentur für Arbeit (BA), zielt darauf ab, den Einstieg in die Arbeitswelt mit niedrigschwelligen Angeboten zu erleichtern.
Initiator des Programms „Hanau Service Academy“ ist der freiberufliche Berater Ralph Bellet, der sich mit der Idee einer „Gastgeber-Schulung“ im Herbst 2024 bei der Hanau Marketing GmbH meldete. Diese zielt darauf ab, den Einstieg in die Arbeitswelt mit niedrigschwelligen Angeboten zu erleichtern und richtet sich an alle, die Interesse an einer Karriere in den Bereichen Service, Einzelhandel und Gastronomie haben. Auch Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchtete, die einen Einstieg in den hiesigen Arbeitsmarkt suchen, werden gezielt angesprochen. Ziel ist es, die Beschäftigungsmöglichkeiten in diesen Branchen zu verbessern und gleichzeitig den Mangel an Fachkräften zu beheben. Die Akademie legt einen besonderen Fokus auf die Vermittlung von praktischen Fähigkeiten, die sofort im Arbeitsalltag angewendet werden können. „Das Problem Fachkräftemangel hören wir von Handel und Gastronomie immer wieder, deshalb ist Ralph Bellet bei uns auf offene Ohren gestoßen“, blickt HMG-Geschäftsführer Daniel Freimuth zurück. Auch das Kommunale Center für Arbeit (KCA) und die Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigten sich offen für die Idee – und so wurde kurzerhand ein Test-Projekt vereinbart, das den Mietern des Stadthof Hanau die Personalsuche erleichtern sollte.
Im Rahmen des Programms hatte die Bundesagentur für Arbeit Arbeitslose angeschrieben und zu einer Infoveranstaltung in den Stadthof eingeladen. „Mehr als 70 Menschen sind damals gekommen. Alle waren freiwillig und aus eigenem Interesse vor Ort. Ein außergewöhnlicher Erfolg“, freut sich Freimuth. Mit anschließenden Kurzbewerbungsgesprächen wurde eine kompakte Kurs-Gruppe gebildet.
Anschließend wurden zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Bellet über einen Zeitraum von sechs Wochen intensiv, jeweils vier Stunden an vier Tagen pro Woche, geschult. Der Kurs setzte dabei auf praxisorientiertes Lernen und bestand aus verschiedenen Rollenspielen sowie der Vermittlung grundlegender Handelskenntnisse, unter anderem Service-Orientierung und gute Produkt-Präsentation. „Vor allem aber sollten sie lernen, die Bedürfnisse der Kundschaft zu erkennen und dafür zu sorgen, dass sie zufrieden ist“, so Bellet. Freimuth ergänzt: „Die Anforderungen an den stationären Handel haben sich verändert.“ Das Verkaufspersonal arbeite mittlerweile im Sinne von Entertainment gepaart mit kompetenter Beratung.
Das Ergebnis dieses Gemeinschaftsprojekts: Zwei Absolventinnen des Kurses wurden von Ladenbetreibenden des Stadthofs eingestellt. „Und auch wir von der HMG haben jemanden für unser Team übernommen“, erzählt Freimuth und ergänzt: „Drei von zehn – das ist eine sehr gute Übernahmequote. Zumal weitere Anstellungen im Raum stehen.“
Stadt will mit gutem Beispiel vorangehen
„Es freut uns als Stadt, dass wir hier einen wichtigen Schritt in der Qualifizierung von Arbeitslosen und Flüchtlingen gegangen sind. Genau solche motivierten und gut ausgebildeten Menschen suchen und brauchen wir in Hanau“, betont auch Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri, der die Projektgruppe im ehemaligen Service-Center in der Nürnberger Straße persönlich besuchte. „Der Zuspruch, die Bereitschaft und die Unterstützung durch das Kommunale Center für Arbeit und die Bundesagentur für Arbeit waren hervorragend – ohne diese Zusammenarbeit wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen.“ Vor allem mit Blick auf die Kreisfreiheit soll das Pilotprojekt weiter aufgesetzt und ausgebaut werden, erklärt Bieri.
Räumlichkeiten dafür gäbe es im neu eröffneten Stadthof genügend, so Freimuth: „Der Stadthof wäre eine Art Experimentierfeld, auf dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowohl theoretisches Wissen als auch praktische Erfahrungen in einem realen Arbeitsumfeld sammeln könnten. Und wir könnten dort Menschen schulen, die dann dabei helfen können, die Personalprobleme im gesamten Hanauer Handel zu lösen.“ Ohnehin biete der Stadthof viele Möglichkeiten, sich einzubringen und Jobs zu schaffen. So unterstützten unter anderem auch zwei Flüchtlinge aus der Sportsfield-Einrichtung im operativen Bereich die Stadthof-Eröffnungstage.
„Als Stadt müssen wir als großer Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen und auch als Vorbild für privatwirtschaftliche Unternehmen fungieren“, sagt Erika Schulte. Die ehemalige Geschäftsführerin der Hanauer Wirtschaftsförderung arbeitet aktuell mit Bürgermeister Dr. Bieri mit Blick auf die Kreisfreiheit im kommenden Jahr an einer künftigen Arbeitsmarktstrategie für Hanau. Das neue Fortbildungs-Programm sei ein herausragendes Beispiel dafür, wie öffentlich-private Partnerschaften funktionieren können und wie gemeinsam ein wichtiger Beitrag zur Integration und beruflichen Weiterbildung leistbar sei, so Schulte.
© Stadt Hanau / Moritz Göbel
Gastgeber-Schulung Absolventinnen
Freuen sich auf ihre neuen Aufgaben. Zoya K. und Mariella S. gehören zu den ersten Absolventinnen der innovativen „Gastgeber-Schulung“ der Hanau Marketing GmbH (HMG), der BAUprojekt Hanau GmbH, des Kommunalen Centers für Arbeit (KCA) und der Bundesagentur für Arbeit (BA).
Quelle: Redaktion MKK Echo