Dienstag, August 4, 2026
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Sicherheit und Pietät geben den Ausschlag

Neun geschädigte Eschen müssen auf dem jüdischen Friedhof gefällt werden – Spezialfirma beauftragt

Neun alte Eschen auf dem jüdischen Friedhof in Gelnhausen sind so stark geschädigt, dass sie aus Gründen der Verkehrssicherheit am 6. und 7. August gefällt werden müssen. Der schlechte Zustand der Bäume wurde im Vorfeld durch einen Sachverständigen untersucht und bestätigt. Die Maßnahme ist mit der Unteren und der Oberen Naturschutzbehörde, der Jüdischen Gemeinde Frankfurt sowie dem Regierungspräsidium Darmstadt abgestimmt.

Der jüdische Friedhof stellt als historische Begräbnisstätte mit zahlreichen denkmalgeschützten Grabmalen besondere Anforderungen an die Planung und Durchführung der Arbeiten. Deshalb setzt die beauftragte Spezialfirma aus Frankfurt unter anderem zwei Kräne ein, um die Bäume Stück für Stück von außerhalb des Friedhofs abzutragen und Eingriffe in die historische Anlage auf das unvermeidbare Maß zu beschränken. Die Verbindungsstraße zwischen den Parkplätzen „Escher“ und „Bleiche“ und ein Teilbereich des Parkplatzes Bleiche, der an den jüdischen Friedhof angrenzt, müssen für den Kraftfahrzeugverkehr und Fußgänger gesperrt werden.

Verantwortlich für den kritischen Zustand der etwa 100 Jahre alten Eschen ist zum einen die Schwächung der Bäume durch Fäulnisschäden im Wurzelbereich infolge eines hohen Grundwasserstands in Kinzignähe und wiederkehrender Hochwasserereignisse. Hinzu kommt das „Eschentriebsterben“, eine schwere Baumkrankheit, die durch Pilze verursacht wird. Zwei Eschen sind bereits umgestürzt; Personen kamen dabei glücklicherweise nicht zu Schaden. „Der hinzugezogene Sachverständige kommt in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass die betroffenen Bäume nicht mehr standsicher sind”, erläutert der städtische Umweltberater Jürgen Koch. Um Gefahren für Besucherinnen und Besucher des Friedhofs, für Verkehrsteilnehmer sowie für Anwohnende auszuschließen, sei die Entfernung der betroffenen Eschen unumgänglich. Bürgermeister Christian Litzinger bedauert die notwendige Maßnahme ausdrücklich: „Die Fällung alter Bäume ist immer schmerzlich – erst recht an einem Ort von so großer historischer und kultureller Bedeutung wie dem jüdischen Friedhof. Gerade aus Respekt vor dieser Ruhestätte dürfen wir jedoch keine Gefährdung von Menschen oder der wertvollen Grabmale in Kauf nehmen. Deshalb erfolgt die Maßnahme nun nach sorgfältiger fachlicher Prüfung und mit größtmöglicher Pietät.”

Bei der Ausführung der Arbeiten spielt daher der Kulturschutz eine wichtige Rolle. Umsturzgefährdete Bäume könnten Grabmäler beschädigen. Diejenigen Eschen, die nahe an der Friedhofsmauer wachsen und im Laufe der Jahrzehnte erheblich an Umfang zunahmen, haben bereits Schäden an der Mauer verursacht. Um Beeinträchtigungen der historischen Anlage zu vermeiden, werden die Bäume deshalb mit Hilfe zweier Kräne abschnittsweise abgetragen. Die Kräne stehen dabei außerhalb des Friedhofsgeländes. Die mit Efeu bewachsenen unteren Stammabschnitte bleiben auf einer Höhe von etwa 2,5 bis 3,5 Metern erhalten. Dadurch wird verhindert, dass eingewachsene Grabmale bei der Entfernung der Bäume beschädigt werden. Gleichzeitig dient diese Vorgehensweise dem Artenschutz. In den Wurzeln der bereits umgestürzten Eschen wurden Larven des streng geschützten Hirschkäfers nachgewiesen. Durch den Erhalt der Stammreste und Wurzelbereiche bleibt die „Käferwiege“ erhalten.

Die Fällung erfolgt mit Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde und nach Absuchung der Bäume auf Nester oder Höhlen am Ende der Brut- und Setzzeit, um auch den Belangen des Artenschutzes Rechnung zu tragen.

Am 6. August ist ab 7 Uhr mit den Sperrungen des Verbindungsweges und Teilen des Parkplatzes „Bleiche“ zu rechnen. Das Regierungspräsidium Darmstadt stellt die finanziellen Mittel für die Maßnahme bereit, während die Stadt Gelnhausen die Durchführung organisiert. Eine Ersatzpflanzung auf dem Friedhof ist aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht möglich. Nach Einschätzung der Fachleute handelt es sich bei den zu entfernenden Eschen überwiegend um Bäume, die sich im Laufe der Jahrzehnte auf natürliche Weise selbst angesamt haben. Die jüngeren Eschen im östlichen Bereich des Friedhofs bleiben erhalten.

Quelle: Stadt Gelnhausen

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