Gerhard Schmidt-Daubertshäuser übt in Dörnigheim das Ehrenamt des Schiedsmanns aus
Was eine Thuja ist, weiß Gerhard Schmidt-Daubertshäuser mittlerweile sehr genau. Die immergrüne Heckenpflanze ist häufig Thema, wenn der Dörnigheimer als Schiedsmann tätig ist. Denn die wuchsfreudigen Zypressen sind häufig Auslöser für nachbarschaftliche Konflikte. Diese beizulegen, bevor sie eskalieren und vor Gericht landen, ist die Aufgabe von Schiedspersonen. Es ist ein Ehrenamt, das der 71-Jährige vor knapp vier Jahren übernommen hat.
Schiedsmänner und -frauen schlichten als vorgerichtliche Instanz private Konflikte. Es sind vor allem Nachbarschaftsstreitigkeiten, bei denen Schmidt-Daubertshäuser zu vermitteln versucht. „Im gemeinsamen Gespräch geht es darum, jede Seite zu Wort kommen zu lassen, um gemeinsam eine einvernehmliche Lösung zu finden“, erläutert er. Im besten Fall einigen sich die streitenden Parteien auf einen Kompromiss und schaffen damit wieder die Grundlage für ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis. Kommt keine Einigung zustande, stellt der Schiedsmann eine so genannte Erfolglosigkeitsbescheinigung aus. Diese ermöglicht den Parteien, den Konflikt in nächster Instanz juristisch klären zu lassen.
„Schiedspersonen sind keine Juristen. Wir bieten keine rechtliche Beratung und klären nicht die Schuldfrage“, betont Schmidt-Daubertshäuser. Weil dies eine häufige Fehlannahme ist, klärt er bereits im ersten telefonischen Kontakt darüber auf. „Ich erläutere das Verfahren und gebe dann einige Tage Bedenkzeit. Mir ist wichtig, dass es den Beteiligten ernst ist mit einem außergerichtlichen Schiedsverfahren“, berichtet er.
Wenn der Antragsteller sich für ein Schiedsverfahren entscheidet, organisiert der Schiedsmann einen gemeinsamen Termin mit allen Beteiligten. Auf neutralem Boden – in diesem Fall im Rathaus – findet das Treffen statt. Dann gelten klare Gesprächsregeln. „Beide Seiten dürfen ihre Sichtweise schildern. Jede Partei darf ausreden und es gilt eine respektvolle Gesprächsatmosphäre“, erklärt der Dörnigheimer.
Wenn es darum geht, zwischen gegensätzlichen Standpunkten zu vermitteln, hat Schmidt-Daubertshäuser während seiner knapp 30 Berufsjahre als Personalleiter in einem großen Frankfurter Krankenhaus reichlich Erfahrung gesammelt. „Ich habe zahlreiche Verfahren vor dem Arbeitsgericht begleitet. Man muss konzentriert sein, um die feinen Nuancen in einem Gespräch herauszuhören, die eine Wendung im Konflikt bedeuten können. Auch über die Gefühlsebene lässt sich Bewegung in einen festgefahrenen Streit bringen. In diesem Fall frage ich beispielsweise die Beteiligten, wie es ihnen mit der aktuellen Situation geht und erziele auf diese Weise oft die Bereitschaft für Kompromisse. Denn vor Gericht gibt es meist nur einen Gewinner. Bei einem Schiedsverfahren geht es darum, dass beide Seiten zufrieden sind“, erläutert er. Hinzu kommt, dass ein Schiedsverfahren gegenüber einem gerichtlichen Verfahren eine zeitnahe Lösung ermöglicht und deutlich günstiger ist. Es kostet in Maintal maximal 70 Euro, falls keine weiteren Kosten für einen amtlich bestellten Übersetzer hinzukommen.
Durchschnittlich bis zu vier Schiedsverfahren im Jahr begleitet Schmidt-Daubertshäuser. Hinzu kommen die so genannten Tür- und Angelfälle, bei denen ausschließlich ein telefonischer Austausch, aber kein Schiedsverfahren erfolgt. Damit ist der zeitliche Aufwand für das Ehrenamt überschaubar und lässt ihm viel Freiraum und Flexibilität. Gleichzeitig ermöglicht es dem Dörnigheimer, sich noch nicht ganz zur Ruhe zu setzen, sondern sich neuen Aufgaben und Herausforderungen zu stellen und dabei seine berufliche Expertise und sein Fachwissen als studierter Betriebswirtschaftler und Diplom-Pädagoge einfließen zu lassen. Das notwendige fachliche Wissen für das Schiedsamt selbst vermitteln Fortbildungen des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e.V.
In Maintal gibt es in jedem Stadtteil eine eigene Schiedsperson, die in dem jeweiligen Stadtteil wohnt. Wer Schiedsmann oder Schiedsfrau werden möchte, darf nicht vorbestraft sein, sollte Menschenkenntnis, Lebenserfahrung sowie die Bereitschaft, an Aus- und Fortbildungsveranstaltungen teilzunehmen, mitbringen. Gewählt werden Schiedspersonen durch die Stadtverordnetenversammlung, zunächst für die Dauer von fünf Jahren. Informationen und Kontakt zu den vier Maintaler Schiedsämtern gibt es auf der städtischen Webseite unter www.maintal.de/schiedsamt.
Schiedsmann Schmidt-Daubertshäuser
© Privat
Schiedsmann Schmidt-Daubertshäuser
Gerhard Schmidt-Daubertshäuser ist eine von vier Schiedspersonen, die sich ehrenamtlich dafür einsetzen, zivilrechtliche Konflikte zu lösen.
Quelle: Redaktion MKK Echo