Seit 20 Jahren begleitet „Toni“ (Anton) Hofmann ehrenamtlich Reisegruppen für den Auto Club Europa (ACE), wo er im Kreisvorstand Main-Kinzig & Wetterau sitzt und als Pressesprecher fungiert. Nun aber hat er seine letzte große Tour in dem Ehrenamt angetreten und setzt sich zur Ruhe. Der ausgebildete Lokomotivführer, der zuletzt als Geschäftsführer der Vermögensverwaltungsgesellschaft und Abteilungsleiter Finanzen und Controlling der ehemaligen Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED) – heute Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) – tätig war und schrieb unter anderem auch freiberuflich Fotoreportagen für alle Heimatzeitungen und Internetportale im Main-Kinzig-Kreis. Er war ständig „auf Achse“.
„Eigentlich habe ich bereits in meiner Jugend, zu meiner Lehrzeit und im Rahmen meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten begonnen, Reisen zu organisieren und zu begleiten“, erinnert sich Hofmann zurück. „Die ersten 30 Jahre habe ich mir dafür extra Urlaub genommen. Als ich dann in den Ruhestand ging, war das nicht mehr nötig“. Rein rechnerisch komme er daher auf 50 Jahre als ehrenamtlicher Reisebegleiter.
Die Excel-Liste der von ihm bereisten europäischen Länder, die er „spaßeshalber mal zusammengestellt hat“, kann sich sehen lassen: 29 der 46 Länder hat er bereits gesehen. Manche davon ein Vielfaches und ausgiebig – mit Bus, Schiff und selbstverständlich der Eisenbahn.
„Das ACE-Reisebüro legte den Reisebegleitern einen Katalog vor mit den Angeboten und wir konnten unsere Wünsche abgeben, welche Ziele wir gerne übernehmen wollen würden“, erklärt Hofmann. Bezahlt werde er nicht, einzig die Fahrtkosten werden ihm erstattet sowie Kost und Logis gezahlt. Für den ACE war er unter anderem bereits 30-mal in Berlin, hat insgesamt 15 Flusskreuzfahrten auf der Donau, dem Rhein, der Mosel, der Rhone sowie dem Main unternommen und eine Rundreise nach Island und Hurtigreisen begleitet. Auch die Schweizer Bergwelt hat es ihm angetan. Hier begleitete er in den letzten zehn Jahren insgesamt 26-mal verschiedene Reisegruppen, oftmals verbunden mit einer Fahrt mit der Dampfbahn. Hinzu kommen Busreisen in viele deutsche Urlaubsregionen, die Toskana und durch die baltischen Staaten.
Rote Oberbekleidung war sein Markenzeichen
„Die rote Oberbekleidung war mein Markenzeichen und hatte einen pragmatischen Hintergrund“, wie er erläutert. „Ich bin mit dem roten Oberteil wie das Rücklicht am Auto. Ich war immer der letzte Mann der Reisegruppe und mit der roten Farbe für den Reiseleiter immer gut zu erkennen. Sobald ich von hinten dann das Handzeichen gegeben habe, wusste die Stadtführer, dass mit der Führung losgelegt kann.“
Dass die Reisegäste von einem Reiseführer und einem zusätzlichen Reisebegleiter umsorgt wurden, sei seiner Ansicht nach eine sehr gute Sache. „Der Reiseführer kümmert sich um den Inhalt, der Busfahrer sorgt dafür, dass alle gut an das jeweilige Ziel kommen und der Reisebegleiter hat einen Überblick über das Programm und die Abläufe, kümmert sich um die Fahr- und Eintrittskarten und alle Belange, die Gäste auf den Reisen haben.“ Mit ein wenig Stolz in der Stimme fügt er hinzu: „Ich habe noch keinen Gast in all den Jahren verloren.“ Damit alles rund lief, besuchte Hofmann extra Fortbildungen in Kommunikationsstrategien und Erster-Hilfe. „Das Durchschnittsalter der Reisegäste lag bei 70 Jahren“, berichtet er. Da sei es mitunter wichtig, im Notfall bei Herzattacken oder Stürzen einschreiten zu können. „Da habe ich schon viele Dinge erlebt.“
Was ihn besonders zu freuen scheint, ist, dass „viele Wiederholungstäter immer dabei waren.“ Da hätten sich auch Freundschaften geknüpft und er habe interessante Menschen kennenlernen dürfen.
Besondere Bahnfahren waren Höhepunkte bei vielen Reisen
Neben Tagestouren, die auch einige Gäste in den Main-Kinzig-Kreis nach Gelnhausen oder Hanau führten, gab es aber für ihn persönlich das ein oder andere Highlight. Darunter fallen die Reisen mit dem Schwerpunkt im Mobilitätsbereich wie im Eisenbahnland Schweiz mit dem Glacier- und Bernina-Express. Auch die Schifffahrt nach Island „war sagenhaft und einmalig“. Zeitgleich betreute er für die Stiftungsfamilie BSW Bahnsozialwerk (BSW Touristik) einige Mal die Eisenbahn-Spezialtouren. „In Schottland und Polen sind wir mit Dampfloks gefahren und in England, in York, ist das erstbeste Eisenbahnmuseum der Welt“, kommt Hofmann ein wenig ins Schwärmen und gibt als persönlichen Höhepunkt die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn an, mit der er insgesamt dreimal unterwegs war – von Moskau bis zum Baikalsee – sowie die Fahrt mit dem Eröffnungszug durch den neuen Gotthard-Basistunnel.
„Am Ende haben die Reisenden von mir eine kleine Bildcollage bekommen. Das ist immer gut angekommen.“ Hofmann schrieb aber auch unzählige Reiseberichte und Tipps für Gruppenreisen und berichtet in einem Interview auf Youtube über die Aufgaben eines Reiseleiters.
Doch mit seiner Lieblingstour durch die Schweizer Bergwelt beendete er seine ehrenamtliche Tätigkeit für das Reisebüro des ACE. Mehrere Nachfolger hat er in den vergangenen Monaten bereits eingearbeitet. „Ich habe die mehr als 400 Gruppenreisen mit mehreren Tausend Gästen mit Herzblut durchgeführt. Die ein oder andere Tagesreise werde ich aber auch in Zukunft noch begleiten und im Januar werde ich in Stuttgart auf der CMT, der Messe für Tourismus und Freizeit, einen Vortrag über Gruppenreisen halten“, gibt Hofmann abschließend noch einen Ausblick.
Weitere Informationen
Wer mehr über die Tätigkeiten eines Reisebegleiters erfahren will, kann sich das Interview „Betreutes Reisen – mit Anton Hofmann“ auf Youtube im Kanal von „Walk-Män-Podcast – Gesund leben in Bewegung“ anschauen.


Quelle: Anton Hofmann

