Der Hanauer Hans Erwin Steinbach trat erst in den letzten Jahren in das Blickfeld der hiesigen Kunstforschung. Er kam am 15. Februar 1896, vor 130 Jahren, in der Kastanienallee 27 in Kesselstadt zur Welt. Vater Heinrich stammte aus der Nähe von Gießen und wirkte als Ingenieur beim Sielbau unter William Heerlein Lindley in Hanau mit (siehe #147 – Museen Hanau), Mutter Pauline wurde in Darmstadt geboren.
Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen, berichtet über seinen Werdegang: Kurz nach Beginn des Studiums an der Kunstgewerbeschule in Dresden wurde Steinbach 1915 zum Ersten Weltkrieg eingezogen. Nach Einsätzen an der Ost- und Westfront kehrte er 1920 aus französischer Gefangenschaft zurück. In den folgenden zwei Jahren studierte er an der Städelschule in Frankfurt am Main sowie an der Kunstakademie München. Ohne große Aussichten auf eine Existenz ließ sich Steinbach 1923 in Gießen als freischaffender Landschafts- und Porträtmaler nieder. Er spürte bald, dass ihn die Jahre des Krieges und der Gefangenschaft verändert hatten, liebte die Stille, machte Wanderungen oder Ausflüge in die Berge. Zusammen mit seiner späteren Frau Maria Kübel entwarf er Tanzaufführungen. 1933 zogen beide ins Allgäu, betrieben eine Gästepension und konnten eine Familie gründen. Um zum Lebensunterhalt beizutragen, hielt sich der Künstler zwischendurch zum Malen an der Nordsee auf. Nach 1945 wandte sich Steinbach der lyrischen Abstraktion und Grafik zu. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen präsentiert und finden sich in öffentlichen Sammlungen – auch in Hanau. Er wurde mit mehreren Kunstpreisen der Stadt Kempten ausgezeichnet und erhielt die Ehrenmitgliedschaft der Hans-Thoma-Gesellschaft Reutlingen.
Steinbach starb am 13. November 1971 in Seeg / Allgäu. Seine Witwe ordnete Briefe und Tagebuchaufzeichnungen, aus denen Tochter Hinrika und Schwiegersohn Horst Lex kürzlich ein 92seitiges Buch mit Titel „Überleben mit Kunst“ zusammenstellten (ISBN 978-3-00-084083-8, 17,50 Euro). Darin wird deutlich, dass „HES“ keine Mühen scheute, Kunstmaler zu werden. Mit viel Glück überstand er Krieg und Gefangenschaft. Die Natur machte aus ihm wieder einen fühlenden Menschen. Oft hatte er das Verlangen, sich über alle Lebensbereiche Gedanken zu machen und sie niederzuschreiben. So entstanden zahlreiche Gedichte und Epigramme, wie: “Hör ich das Mondlicht singen und bin doch nur Maler. Wie muss es dem Musiker klingen.”
Jeden Montag gibt es auf der Seite http://www.museen-hanau.de ein neues “Objekt der Woche”. Vorgestellt werden in Text und Bild Hanauer Besonderheiten.
Pressekontakt: Ute Wolf
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Quelle: Redaktion MKK Echo

