Montag, Februar 16, 2026
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Hanau Helau! Objekt der Woche #307

Ein Faschingsbeleg aus dem Stadtarchiv erinnert an die Närrische Jahreszeit vor rund 120 Jahren: eine Eintrittskarte als Postkarte der Ersten Hanauer Carneval-Gesellschaft zur Großen Damensitzung am 1. Januar 1904. Die Frauen, die „heute Nacht Neujahr gefeiert haben“ und ab „6.03 Uhr“ (18:03 Uhr) wohl weiter mächtig Spaß hatten, berichteten ihren Verwandten in Dettelbach bei Würzburg von dem vergnüglichen Ausgang.

Ob der Vorstand – beziehungsweise das Ministerium – samt Prinz Carneval, Haus- und Ordensministern Zeremonienmeister wie Mundschenk mit ihren Kaiser-Wilhelm-Bärten den Verlauf der Sitzung genauso ernst wie auf dem Foto zu sehen verfolgten, wird wohl nicht mehr zu ergründen sein. Vielleicht wurde das Bild bereits nach dem Katerfrühstück zu Saisonbeginn am 11.11.1903 aufgenommen… Die beiden beschwipsten Putten mit Narrenkappen lassen grüßen. Als Motto ist zu lesen: „Kinder und Narren darüber ist Klarheit – sagen in Hanau immer die Wahrheit“.

Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen, fand im Hanauer Anzeiger vom 2. Januar 1904 folgenden Bericht zur Sitzung: „In dem prächtig von Künstlerhand geschmückten Saale zum Deutschen Haus (Hofbierbrauerei Hanau, Steinheimer Straße 2) schwang gestern Abend Prinz Carneval das Szepter. Die diesmaligen Darbietungen waren ganz vorzügliche und fanden dementsprechend Beifall und Anerkennung. In seiner Eröffnungsszene ´Der moderne Faust` wird der Narrheit zu Recht verholfen und am Schluß derselben präsentiert sich Prinz Carneval und sein Gefolge dem willig der Handlung gefolgten Auge. In der ihm eigenen sympathischen Weise begrüßte der beliebte 1. Vorsitzende der Gesellschaft (Zigarrenfabrikant Wilhelm Bein) die Närrinnen und Narren und nun folgte Nummer auf Nummer, Schlager auf Schlager. Wie man es von dem Protokoller nicht anders gewohnt ist, zog er auch diesmal wieder schonungslos zu Felde und manches bisher verdeckt gebliebene ´Verbrechen´ wurde an das ´elektrische Licht´ gezogen. Ohne auf die zahlreichen wohlgelungenen Einzelvorträge, Zwiegespräche näher einzugehen, können wir es uns nicht versagen, zwei Aufführungen zu gedenken, welche ganz besonderes Lob verdienen: ´Unsere Über-Jugend´ und ´Ein Faschingsspuk´. In der ersteren Nummer erscheinen 4 Kinder im Alter von 8 bis 10 Jahren und führen ein Überbrettl (ironische Anspielung auf Nietzsches Wort vom Übermenschen, Brettl als Bühne, Tingeltangel), wie man es von einer geschulten Gesellschaft nicht graziöser und präziser erwarten kann. Die ganz vorzügliche Ausführung seitens der kleinen Tänzerinnen und Tänzer rief denn einen wahren Sturm des Beifalls hervor und eine mehrmalige Wiederholung des Tanzes mußte erfolgen. In der von ´Hanovia´ (der Stadtpatronin) verfaßten Lokalszene läßt der Verfasser die Brüder Gebrüder (sic!) Grimm und den Grafen Philipp Ludwig von ihren Postamenten steigen und ein geistreiches Gespräch erstehen. Die flott geschriebene Szene fand eine prächtige Wiedergabe durch drei der besten Carnevalisten und trug diesen sowie ´Hanovia´ einen Orden ein. Mit einer wohl für den Herren-Abend bestimmten Nummer schloß das mit Vorträgen der Ulanenkapelle versehene Programm, um den Tanzlustigen zu ihrem Rechte zu verhelfen.“ Hanau Helau!

Die Erste Hanauer Carneval-Gesellschaft ging aus dem Hanauer Reitclub (!) hervor und wurde zum 1. Januar 1893 gegründet, im gleichen Jahr wie der 1. Hanauer Fußball-Cub FC `93. Die Karte wurde bei Lichtdruck C. F. Fay in Frankfurt am Main gefertigt. Der Fotograf und Verleger Carl Friedrich Fay (1853-1918) wurde vor allem durch seine Bände „Bilder aus dem alten Frankfurt“ bekannt, die ab 1896 erschienen.

Jeden Montag gibt es auf der Seite http://www.museen-hanau.de ein neues “Objekt der Woche”. Vorgestellt werden in Text und Bild Hanauer Besonderheiten.

Pressekontakt: Ute Wolf

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Quelle: Redaktion MKK Echo

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