StartRegion 2Gemeinschaftsunterkunft Underwood geht eine Woche früher in Betrieb

Gemeinschaftsunterkunft Underwood geht eine Woche früher in Betrieb

In den nächsten Tagen und damit eine Woche früher als ursprünglich vorgesehen werden die ersten Geflüchteten in der Underwood Notunterkunft einziehen können. Beide Leichtbauhallen sowie die dazugehörige Infrastruktur sind gerade fertig aufgestellt und eingerichtet worden, als die Nachricht von einer überraschend großen, unerwarteten Zuweisung von ukrainischen Geflüchteten an den Main-Kinzig-Kreis eingetroffen ist.

Damit beschleunigte sich die Inbetriebnahme durch den Main-Kinzig-Kreis, damit dieser umgehend über die Unterbringungsmöglichkeiten für rund 340 Menschen verfügen kann. Die offizielle Übergabe nutzten Landrat Thorsten Stolz, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Oberbürgermeister Claus Kaminsky, um im Rahmen einer Pressekonferenz das erfolgreiche Kooperations-Projekt von Kreis und Stadt zu präsentieren, das für spürbare Entspannung in der Frage der Flüchtlingsunterbringung sorgen soll.

„Es ist nur dem hochengagierten Einsatz aller Beteiligten zu verdanken, dass wir dieses ambitionierte Projekt in diesem Tempo realisieren konnte“, erinnert Oberbürgermeister Claus Kaminsky, dass erst vor rund zwei Monaten die Rahmenbedingungen geschaffen waren, um dieses Vorhaben angehen zu können. In konstruktiven Gesprächen zwischen der Stadt Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis war im Dezember die Lösung erarbeitet worden, auf der Freifläche des Kasernengeländes von Underwood durch die Stadt Gemeinschaftsunterkünfte in Form von Leichtbauhallen zu errichten, die durch den Main-Kinzig-Kreis angemietet und belegt werden sollten.

Mit Hochdruck liefen unter der Federführung der städtischen BAUprojekt GmbH sofort die umfangreichen Vorarbeiten an. Angefangen bei umfassenden Schadstofftests und die notwendige Kampfmittelsuche über Kanal- und Elektroarbeiten bis hin zur Beseitigung von Büschen und Sträuchern galt es, die Infrastruktur des Areals wieder nutzbar zu machen und Platz zu schaffen für die Leichtbauzelte, aber auch für Container, die künftig durch den Cateringbetrieb, den Sicherheitsdienst und das Team des Betreibers genutzt werden. „Das vorgelegte Tempo zahlt sich jetzt doppelt aus, denn damit sind wir einmal mehr vor der Lage“, kommentiert Hanaus OB die „tolle Mannschaftsleistung“, die eine so frühzeitige Fertigstellung ermöglich hat.

Landrat Thorsten Stolz erneuert seinen Dank an den Magistrat, die Beschäftigten der Hanauer Stadtverwaltung und die beteiligten Firmen, „die gemeinsam mit dem Main-Kinzig-Kreis einen tollen Job machen“, mit einer klaren Botschaft: „Für den Main-Kinzig-Kreis insgesamt und natürlich auch für die Stadt Hanau im Besonderen sind die Leichtbauhallen in Underwood bedeutsam. Denn die große Zahl an Plätzen für die Erstversorgung, die wir hier schaffen, kompensiert die wegfallenden Plätze beim Rückbau der belegten Turn- und Mehrzweckhallen, etwa in Hanau-Mittelbuchen.“

„Die Geflüchteten, die derzeit noch in der Mehrzweckhalle in Mittelbuchen untergebracht sind, werden in den kommenden Wochen in die neue Gemeinschaftsunterkunft in Großauheim umziehen“, freut sich Hanaus OB, dass die für das Stadtteilleben so wichtige Halle in naher Zukunft wieder vollumfänglich zur Verfügung stehen wird. Dabei bittet er jedoch um ein wenig Geduld, da die notwendigen Rückbau- und Renovierungsarbeiten noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden.

Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler betont als verantwortliche Dezernentin die Bedeutung der neuen Unterkunft für die Kriegsflüchtlinge und Asylsuchende. „Wir müssen davon ausgehen, dass auch in den kommenden Monaten weitere Menschen aus Krisengebieten zu uns kommen, um Schutz und Sicherheit zu finden.“ Auch das verheerende Erdbeben im Grenzgebiet von der Türkei und Syrien habe die Lage zusätzlich verschärft. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind rund fünf Millionen Menschen aufgrund der Naturkatastrophe obdachlos geworden. Vor diesem Hintergrund ist sie „froh, dass wir mit der Firma Musleh GmbH einen erfahren und engagierten Betreiber für die Unterkunft in Großauheim gefunden haben“. Mit Blick auf die enorme Belastung des Teams Asylunterbringung des Main-Kinzig-Kreises dankt sie den Beschäftigten für die ausdauernde und verantwortungsvolle Arbeit der vergangenen Monate (siehe Hintergrund).

„Es ist eine andere Nutzung als wir noch vor einem halben Jahr für das Areal im Sinn hatten“, so der OB mit Blick auf den angedachten Ankauf des Geländes, um es als Gewerbegebiet zu entwickeln. Doch wie er weiter ausführt, ist die jetzt realisierte Planung mindestens ebenso zu zukunftsweisend. „Mit der Errichtung der Leichtbauhallen ist der erste Schritt auf einem Weg getan, den wir mit der Sanierung und Ertüchtigung der Mannschaftsunterkünfte zur Unterbringung der uns zugewiesenen Geflüchteten fortsetzen werden.“

Voraussichtlich bis zum Jahresende sollen auch die Mannschaftsunterkünfte der 1985 errichteten Kaserne mit einigem Aufwand bezugsfähig gemacht und baulich angepasst werden, so Kaminsky. Die Vorbereitungen der Gebäude für ein dauerhaftes Wohnen von Geflüchteten sind bereits angelaufen. Die Voraussetzungen sind nach den Worten des Hanauer Oberbürgermeisters hervorragend, da einerseits die Gebäudesubstanz der aus 1985 stammenden Kasernenteile deutlich besser als auf Sportsfield ist und andererseits die Raumaufteilung auch die Einrichtung von Klassenzimmern und Räumen zur Kinderbetreuung ermöglicht.

 

HINTERGRUND:

Der Weg für Geflüchtete und Asylsuchende im Main-Kinzig-Kreis

Ohne auf die vielfältigen Einzelschicksale und Lebensumstände der Menschen eingehen zu können, soll hier in vereinfachter und verkürzter Darstellung der weitere Weg für Geflüchtete und Asylsuchende im Main-Kinzig-Kreis dargestellt werden.

Nach Zuweisung durch das Land Hessen kommen derzeit wöchentlich etwa 90 Geflüchtete, Vertriebene und Asylsuchende in den Main-Kinzig-Kreis. Im vergangenen Jahr lagen die Zahlen deutlich höher und zahlreiche Menschen aus der Ukraine sind direkt in den Main-Kinzig-Kreis gekommen. Insgesamt waren es 2022 etwa 9.200 Menschen, die hier Zuflucht gesucht haben. Darunter etwa zwei Drittel Betroffene des Krieges in der Ukraine.

Jeweils donnerstags werden die Busse aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen an zentraler Stelle von dem Team Asylunterbringung des MKK erwartet. In der Regel haben die Beschäftigten kurz zuvor eine entsprechende Namensliste mit den wesentlichen Fakten erhalten. Diese Daten müssen bei Ankunft zunächst abgeglichen werden. Einige „Personen mit guter Bleibeperspektive“ wurde in der Erstunterkunft in Gießen bereits für entsprechende Integrationskurse vorgesehen. eingestuft.

Nach den Formalien und einer kurzen Begrüßung und Einweisung geht es für die Menschen dann weiter in die Notunterkünfte des Main-Kinzig-Kreises oder zum Teil auch direkt in die Kommunen. Dort beginnt bei entsprechenden Voraussetzungen dann die Integration mit Sprachkurse, Beschäftigungsmaßnahmen und der Vorbereitung auf eine mögliche Beschäftigung. In der Notunterkunft sorgt das Betreiberteam für die Alltagsbetreuung, vermittelt Informationen zur Erstorientierung unter dem Motto „was erledige ich wo“, aber auch gemeinnützige Tätigkeiten auf freiwilliger Basis.

Ein großes Problem bleibt häufig die Unsicherheit über den weiteren Weg. Hier hilft die „Rückkehrberatung“ , die den Menschen ohne Perspektive auf ein Bleiberecht zur Seite steht. Parallel arbeitet das Team Asylunterbringung daran, für die Bewohner der Notunterkünfte eine längerfristige Unterkunft zu organisieren. Abhängig von den Rahmenbedingungen, der Größe der Familie und anderen Faktoren gelingt das nach wenigen Tagen oder auch erst nach mehreren Monaten.

Quelle: Dominik Kuhn

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