Wie viel Europa braucht die Zukunft – und welche Regeln braucht die digitale Welt? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer großen Diskussionsrunde an der Kopernikusschule Freigericht: Im Rahmen der Europawoche stellte sich Christoph Degen, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, den Fragen des Jahrgangs 11 und 12.
Schulleiter Christian Leinweber begrüßte den Gast in der voll besetzten Aula. Moderiert wurde die Veranstaltung von vier Schülern aus dem Jahrgang 12 (Q2): Jan Weigand, Jens-Louis Geist, Fabian Stumpf und Finn Völker. In einem offenen Gespräch ging es um die Bedeutung europäischer Zusammenarbeit für Frieden und Wohlstand, aber auch um die Frage, welche politischen Entscheidungen besser national oder föderal geregelt bleiben sollten. Degen betonte, wie stark Hessen von der EU profitiere – etwa durch Reisefreiheit und freien Warenverkehr – und plädierte zugleich dafür, in Bereichen wie Außen- und Verteidigungspolitik europäisch handlungsfähiger zu werden. Das Einstimmigkeitsprinzip in der EU müsse in einzelnen Feldern überprüft werden; als mögliches Modell nannte er ein „Europa der zwei Geschwindigkeiten“. Beim Thema Bildung sprach sich Degen für die Beibehaltung des Bildungsföderalismus aus, unter anderem als Schutzmechanismus und wegen kurzer Entscheidungswege.
Besonders lebhaft wurde die Diskussion im zweiten Teil: Viele Schülerinnen und Schüler äußerten klare Erwartungen an die Politik beim Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Social Media. In einer spontanen Umfrage sprach sich eine Mehrheit in der Aula für stärkere Regulierungen aus. Mehrere Jugendliche wünschten sich zudem verlässliche, transparente Regeln, wie KI im Schulalltag sinnvoll genutzt werden kann. Auch die mentale Gesundheit rückte in den Fokus: Schulsprecherin Rebecca Kindler (Jahrgangsstufe 12) fragte, was Politik und Schule angesichts digitaler Dauerpräsenz tun können. Degen verwies auf Initiativen wie ein entstehendes Kompetenzzentrum zur Lehrergesundheit und unterstrich zugleich, dass eine „gesunde Schule“ auch die Schülerinnen und Schüler im Blick behalten müsse.
Diskutiert wurde dann auch über ein mögliches Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige: Während Degen ein generelles Verbot kritisch sah, stimmte eine große Mehrheit der anwesenden Jugendlichen für eine solche Regelung. Genau diese offenen Positionen machten den Vormittag aus: Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich informiert, meinungsstark und dialogbereit – und der Austausch machte deutlich, wie groß das Interesse ist, Europa und die digitale Zukunft aktiv mitzugestalten.
Die Kopernikusschule bedankt sich bei Staatssekretär Christoph Degen für den Besuch und bei den beteiligten Schülerinnen und Schülern für eine engagierte, respektvolle Debatte.

Quelle: Thorsten Weitzel

