Freitag, Februar 6, 2026
StartRegion 5Bad Soden-Salmünster
Bürgermeister Brasch diskutiert mit Elke Büdenbender und Hanna Steinmüller: Vereinbarkeit als Demokratiefrage...


Bürgermeister Brasch diskutiert mit Elke Büdenbender und Hanna Steinmüller: Vereinbarkeit als Demokratiefrage – Netzwerk Junge Bürgermeister*innen eröffnet Hauptstadtbüro

Dominik Brasch, Erster stellvertretender Bundesvorsitzender des Netzwerks Junge Bürgermeister*innen, hat beim Mercator-Talk in Berlin gemeinsam mit Elke Büdenbender und der Bundestagsabgeordneten Hanna Steinmüller (Bündnis 90/Die Grünen) über die Vereinbarkeit von politischem Amt, Familie und gesellschaftlichen Erwartungen diskutiert. Im Anschluss eröffnete das Netzwerk offiziell sein Hauptstadtbüro in Berlin – ein weiterer Meilenstein in der Professionalisierung und bundesweiten Präsenz des Netzwerks.

Mercator-Talk: Kommunale Realität auf dem Podium

Im Mittelpunkt des Mercator-Talks stand die Frage, wer sich politisches Engagement überhaupt leisten kann, wenn Sitzungskultur, Arbeitsrhythmen und Erwartungshaltungen vielerorts so gestaltet sind, als gäbe es keinen Berufsalltag, keine Kinder und keine Pflegeverantwortung. Brasch brachte dabei die Perspektive aus der kommunalen Praxis ein – und verband das Thema Vereinbarkeit mit der aktuellen Belastungssituation vieler Städte und Gemeinden.

„Kommunen stehen unter massivem Druck – finanziell, personell und organisatorisch. Und dieser Druck landet am Ende auch bei denjenigen, die Verantwortung tragen: Bürgermeisterinnen, Bürgermeister und kommunale Mandatsträger“, so Brasch. Vereinbarkeit sei deshalb nicht nur ein persönliches Organisationsthema, sondern eine strukturelle Frage: „Wenn wir ernsthaft wollen, dass sich mehr junge Menschen, mehr Frauen und insgesamt mehr Vielfalt in Verantwortung einbringen, dann müssen wir akzeptieren, dass diese Verantwortungsträger oft auch Eltern sind – oder pflegende Angehörige. Politik und Gesellschaft dürfen nicht so tun, als sei das eine Randnotiz.“

Brasch betonte, dass es neben individueller Unterstützung vor allem verlässliche Rahmenbedingungen brauche: planbarere Sitzungszeiten, moderne Arbeitsformen, hybride Teilnahme, klare Vertretungsregelungen sowie eine Kultur, die Familie und Sorgearbeit nicht als „Ausnahme“, sondern als Normalität begreift. „Vereinbarkeit ist am Ende eine Demokratiefrage“, sagte Brasch. „Denn wenn politisches Engagement nur für Menschen möglich ist, die sich maximale zeitliche Flexibilität leisten können, wird Politik automatisch weniger vielfältig – und verliert Anschluss an die Lebensrealität vieler.“

Büdenbender und Steinmüller: starke Signale für moderne Rollenbilder

Auf dem Podium unterstrich Elke Büdenbender die Bedeutung struktureller Veränderungen, damit politische Räume für unterschiedliche Lebensrealitäten offen sind. Hanna Steinmüller knüpfte an ihren bundesweit beachteten Moment an, als sie im Bundestag eine Rede mit ihrem Sohn im Tragetuch hielt – als sichtbares Zeichen dafür, dass Familie in politischen Räumen nicht Ausnahme, sondern Normalität sein sollte.

Brasch hob zudem die langjährige Unterstützung hervor, die das Netzwerk von Beginn an erfahren habe: „Es war spürbar, wie ernsthaft und aus Überzeugung Elke Büdenbender und ihr Mann, der Bundespräsident, unser Netzwerk seit Tag 1 unterstützt haben. Das ist nicht Protokoll – das ist Haltung.“

Impuls von Prof. Dr. Jutta Allmendinger: Gesellschaftliche Dimension klar benannt

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war der Impuls von Prof. Dr. Jutta Allmendinger. In einem ebenso klugen wie kurzweiligen Beitrag ordnete sie Vereinbarkeit und Rollenbilder gesellschaftlich ein und machte deutlich, dass moderne Erwerbs- und Familienrealitäten vielerorts weiter sind als institutionelle Strukturen – und dass die Modernisierung politischer Arbeitsformen zentral für die Zukunftsfähigkeit demokratischer Systeme ist.

Eröffnung des Hauptstadtbüros: Nächster Schritt für Wirkung und Sichtbarkeit

Unmittelbar an den Mercator-Talk schloss die offizielle Eröffnung des Hauptstadtbüros des Netzwerks Junge Bürgermeister*innen an. Für Brasch ist dies ein „Evolutionsschritt“: „Berlin ist nicht das Ziel. Aber es ist der Ort, an dem Weichen gestellt werden – bei Gesetzen, Standards und Förderlogiken. Und genau dort braucht es die kommunale Realität als dauerhafte Stimme.“

Mit dem Hauptstadtbüro will das Netzwerk seine Arbeit weiter professionalisieren, Ansprechpartner für Bundespolitik, Wissenschaft, Stiftungen und Verbände sein und kommunale Praxis stärker in bundespolitische Debatten einbringen – konstruktiv, lösungsorientiert und reformhungrig. Der nächste Entwicklungsschritt ist der Ausbau des hauptamtlichen Teams, um die wachsenden Aufgaben und Formate dauerhaft abzusichern.

Grußworte und Dank

Michael Salomo, Vorsitzender des Netzwerks und Oberbürgermeister der Stadt Heidenheim an der Brenz, würdigte in seinem Grußwort die Entwicklung der vergangenen Jahre und dankte den vielen Engagierten, die das Netzwerk aufgebaut und getragen haben. Lars Grotewold, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator, brachte die kommunale Perspektive und ihre Bedeutung für Vertrauen in Demokratie und staatliches Handeln prägnant auf den Punkt.

Ein besonderer Dank gilt der Stiftung Mercator für die Partnerschaft und die Unterstützung bei der Weiterentwicklung des Netzwerks. Ebenso dankt das Netzwerk seinen Partnern sowie den zahlreichen Gästen und Unterstützerinnen und Unterstützern, die zur Eröffnung des Hauptstadtbüros nach Berlin gekommen waren.

Hintergrund

Das Netzwerk Junge Bürgermeisterinnen wurde 2019 gegründet und ist heute eine bundesweit aktive Plattform für junge kommunale Verantwortungsträgerinnen. Ziel ist es, Erfahrungen aus der kommunalen Praxis zu bündeln, Reformimpulse zu setzen und die Handlungsfähigkeit der Städte und Gemeinden als Grundlage einer funktionierenden Demokratie zu stärken.

Dominik Brasch, Bürgermeister

06 f9b2eb8652f4787e6aa1eb458216b632 mkk
06 f9b2eb8652f4787e6aa1eb458216b632 mkk
03 8255fded0236ed75efdf81952dafa5f9 mkk
03 8255fded0236ed75efdf81952dafa5f9 mkk

Quelle: Redaktion MKK Echo

Ähnliche Artikel
- Werbung -
- Werbung -
- Werbung -
- Werbung -
- Werbung -
- Werbung -

Am beliebtesten