Montag, Februar 2, 2026
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Auch Bibelforscher aus der Region gerieten ins Visier der Nazis

Am 27. Januar 2026 wurde anlässlich eines Gedenktages wieder der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Zu diesen Opfern gehörten auch Jehovas Zeugen, damals noch als Bibelforscher bekannt. Auch Angehörige aus der Region gerieten ins Visier der Nazis.

Als Adolf Hitler in Deutschland an die Macht kam wurde das Land von einem patriotischen Fieber erfasst. Man machte patriotische Handlungen gewissermaßen zur Pflicht. Sogar der deutsche Gruß wurde eingeführt und „Heil Hitler!“ war an der Tagesordnung. Wenn jemand nur mit „Guten Tag“ grüßte machte er sich schon verdächtig und der Staatsapparat geriet in Bewegung. Jehovas Zeugen lehnten es strikt ab, Hitler als Retter zu preisen und ihre Hoffnungen auf seine Führerschaft zu setzen.

Wo stichhaltige Argumente fehlen setzt man stets auf Verfolgung um den vermeintlichen Gegner mundtot zu machen. Dieser Versuch scheiterte aber an der Loyalität der Zeugen Jehovas ihrem Gott Jehova gegenüber.

Es kam zu Verhaftungen und brutaler Behandlung. Verbote wurden verhängt, Gefängnis und Konzentrationslager drohten, Eltern wurden die Kinder weggenommen und in systemtreue Familien eingegliedert, Arbeitsstellen wurden gekündigt und Renten gekürzt. Aber Jehovas Zeugen blieben standhaft. Von den 25.000 Bibelforschern im Jahr 1933 gerieten 10.700 unmittelbar in die Fänge der Nationalsozialisten und rund 8.800 wurden inhaftiert. Davon kamen 2.800 in die Konzentrationslager und 1.000 Deutsche verloren ihr Leben, etwa 300 durch Hinrich-tung, weil sie den Kriegsdienst verweigerten.

Auch vor den Zeugen Jehovas aus dem heutigen Main-Kinzig-Kreis machte die Verfolgung nicht halt. Hier zwei Fallbeispiele aus dem ehemaligen Kreis Schlüchtern.

Nikolaus Kuprian aus Hutten

Nikolaus Kuprian wurde am 4. Juni 1889 in Hutten geboren. Als Adresse wurde die Rückertserstr. 12 angegeben. Am 21. Februar 1919 heiratete er in Gundhelm (einem Ort nahe Schlüchtern) seine Frau Gertraude (Rufname Gertrud). Sie hatten einen Sohn namens Heinrich. Von Beruf war Nikolaus Landwirt und später Straßenarbeiter.

Kuprian wurde am 22. Dezember 1936 wegen seiner Mitgliedschaft bei der Internationalen Bibelforschervereinigung in „Schutzhaft“ genommen. und in das Polizeigefängnis Hanau eingeliefert. Mit der „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28. Februar 1933 wurde das Repressionsinstrument der so genannten „Schutzhaft“ eingerichtet. Damit war die gesetzliche Grundlage gegeben, Gegner des NS-Regimes ohne richterliche Kontrolle und Verurteilung zu verhaften und auf unbestimmte Zeit zu inhaftieren. Danach kam er am 5. März 1937 als Häftling Nr. 788 ins Konzentrationslager Buchenwald und danach bis zum 31. Juli 1937 ins Außenlager KZ Lichtenburg. 1943 wurde er zu einem dreimaligen Arbeitseinsatz im Arbeitskommando Klinkerwerk Berlstedt bei Weimar gezwungen. Am 14. März 1942 wurde er ins KZ Ravensbrück überführt, wo er am 26. September 1942 ermordet wurde. Im Totenschein wurde seine Religion als „glaubenslos“ und als Todesursache „Herzmuskelinsuffizienz“ angegeben.

Friedrich Melchior Lins aus Hutten

Auch Friedrich Melchior Lins (Rufname: Friedrich) aus Hutten geriet in die Fänge der Nationalsozialisten. Friedrich Lins wurde am 22. Juni 1912 in Hutten geboren. Verheiratet war er mit Mathilde Mack aus Veitstein-bach. Mit ihr hatte er drei Kinder. Als sein Beruf war Schreiner und Landwirt angegeben. Seit 1930 war er als Bibelforscher bekannt.

Seine Inschutzhaftnahme in das Polizeigefängnis Hanau wurde am 15. Dezember 1936 vorgenommen. Von dort aus wurde er am 31. Juli 1937 ins Konzentrationslager Weimar-Buchenwald transportiert. Dort hatte er die Häftlingsnummer 340. Auf Anordnung der Gestapa Berlin wurde er am 18. April 1939 nach Hutten mit der Auflage entlassen, sich an jedem dritten Werktag bei der zuständigen Ortspolizeibehörde zu melden.

Die Standhaftigkeit der Bibelforscher (Zeugen Jehovas) wurde auch vermehrt von der Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen. Am 11. Mai 2023 gab es in der 103. Sitzung des Deutschen Bundestages eine Beratung des Antrages auf die Errichtung eines Mahnmals für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas. Diese kam aufgrund der Fraktionen der SPD, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und der FDP zustande. Der Antrag wurde von allen Fraktionen begrüßt, auch von den anderen im Bundestag vertretenen Parteien. Das Mahnmal soll am 24. Juni 2026 am Goldfischteich im Berliner Tiergarten eröffnet werden.

Quelle: Hans-Joachim Schalies

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