Wie konkret betrifft Bundespolitik junge Menschen? Welche Bedeutung hat Kommunalpolitik für das demokratische Miteinander vor Ort? Und was steckt hinter den aktuellen Plänen zum neuen Wehrdienst? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler der Kopernikusschule Freigericht beim Besuch des örtlichen Bundestagsabgeordneten Johannes Wiegelmann.
Der 33-jährige Rechtsanwalt gehört seit 2025 dem Deutschen Bundestag an und vertritt als direkt gewählter Abgeordneter den Wahlkreis 174 Main-Kinzig – Wetterau II – Schotten. Zugleich ist Wiegelmann seit vielen Jahren kommunalpolitisch aktiv und Mitglied der Stadtverordnetenversammlung seiner Heimatgemeinde Bad Soden-Salmünster. Gerade diese Verbindung von Bundes- und Kommunalpolitik hob er in den Gesprächsrunden besonders hervor: Demokratie beginne nicht erst in Berlin, sondern vor Ort – in Städten, Gemeinden, Parlamenten und im Engagement der Bürgerinnen und Bürger.
An der Kopernikusschule kam Wiegelmann mit gleich mehreren Jahrgängen ins Gespräch. Den Auftakt bildete eine Schüler-Politiker-Runde mit der Abschlussklasse H9 des Hauptschulzweigs. Anschließend diskutierte er jeweils rund eineinhalb Stunden mit dem gesamten Jahrgang R10 des Realschulzweigs sowie mit den Jahrgängen 11 und 12 der gymnasialen Oberstufe.
Inhaltlich standen vor allem Wiegelmanns politische Arbeitsschwerpunkte im Mittelpunkt: Rechts- und Verteidigungspolitik. Als Mitglied im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz sowie als stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss konnte er den Schülerinnen und Schülern aus erster Hand erläutern, wie eng Fragen von Sicherheit, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und politischer Verantwortung miteinander verbunden sind.
Besonders intensiv wurde über das Thema Wehrdienst diskutiert. Wiegelmann erläuterte die aktuellen Pläne zum neuen Wehrdienst und ging dabei auch auf das vorgesehene Fragebogenverfahren ein. Demnach sollen junge Menschen im Alter von 18 Jahren Angaben zu ihrer Motivation und Eignung für einen möglichen Dienst bei der Bundeswehr machen; für junge Männer ist die Beantwortung verpflichtend, für junge Frauen freiwillig. In den Diskussionen wurde deutlich, dass dieses Thema viele Jugendliche unmittelbar berührt, weil es Fragen nach persönlicher Lebensplanung, gesellschaftlicher Verantwortung und der sicherheitspolitischen Lage in Europa aufwirft.
Auch aktuelle sicherheitspolitische Ereignisse wurden aufgegriffen. Wiegelmann ging unter anderem auf die Vorfälle am Flughafen Leipzig/Halle ein und erläuterte die von der Bundesregierung angekündigten Maßnahmen. Dabei wurde deutlich, wie schnell internationale Konflikte, hybride Bedrohungen und Fragen der inneren und äußeren Sicherheit zu Themen werden können, die auch im schulischen Politikunterricht eine hohe Aktualität besitzen.
Die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, kritisch nachzufragen und eigene Positionen einzubringen. Dabei entstanden lebendige und zugleich sachliche Gesprächsrunden, in denen unterschiedliche Sichtweisen Platz hatten. Gerade die Kombination aus konkreten politischen Informationen, persönlichen Einschätzungen und offenem Austausch machte den Besuch für viele Teilnehmende besonders gewinnbringend.
Für die Kopernikusschule war der Besuch ein wichtiger Beitrag zur politischen Bildung. Schülerinnen und Schüler erleben Demokratie nicht nur durch Lehrbücher, sondern vor allem dann, wenn sie mit politischen Entscheidungsträgern direkt ins Gespräch kommen, Fragen stellen und kontroverse Themen aus verschiedenen Perspektiven betrachten können.
Am Ende stand die Erkenntnis, dass Politik kein fernes Geschehen ist. Sie betrifft den Alltag, die Zukunftspläne und die Verantwortung jedes Einzelnen. Der Besuch von Johannes Wiegelmann zeigte eindrucksvoll, wie lebendig politische Bildung sein kann, wenn Schule zum Raum für Dialog, kritisches Denken und demokratische Teilhabe wird.

Quelle: Thorsten Weitzel

