Hanau erhält 2,08 Millionen Euro zur Einrichtung eines KI-gestützten Blaulicht-Navigationssystems
Hanau. In Hanau sollen künftig Einsatzkräfte durch ein KI-gestütztes Blaulicht-Navigationssystem schneller zu den Einsatzorten gelangen. Möglich wird das Projekt „Smart Rescue: KI-Routing Hanau“ durch die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat den Bescheid über 2,08 Millionen Euro heute während ihrer Sommerreise an Stadträtin Isabelle Hemsley überreicht.
„Digitalisierung kann Leben retten. Mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz, intelligenter Sensorik und vernetzter Verkehrssteuerung zeigt Hanau, wie moderne Technologien ganz konkret dazu beitragen können, Rettungskräfte schneller und sicherer an ihren Einsatzort zu bringen. Solche innovativen Lösungen verbessern nicht nur die Leistungsfähigkeit unserer Städte, sondern erhöhen vor allem die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger. Deshalb unterstützen wir dieses zukunftsweisende Projekt sehr gerne“, sagte die Ministerin.
In urbanen Gebieten wie Hanau stellen Verkehrsdichte, komplexe Straßennetze und unvorhersehbare Verkehrssituationen große Herausforderungen für Einsatzkräfte dar. Die aktuelle Verkehrslage wird von bestehenden Navigationslösungen nur unzureichend erfasst und die Sonderrechte von Einsatzfahrzeugen nicht berücksichtigt. Rettungsfahrzeuge fahren daher ohne ausreichende Echtzeitinformationen zu Staus und Behinderungen. Mit dem Projekt will Hanau ein integriertes System aus intelligenter Sensorik, Künstlicher Intelligenz und automatisierter Verkehrslenkung aufbauen. Dazu soll ein Netzwerk aus Sensoren an strategischen Kreuzungspunkten in der Stadt die aktuelle Verkehrslage erfassen. Diese Daten werden kontinuierlich von einer Künstlichen Intelligenz ausgewertet, die daraufhin die optimale Anfahrtsroute mit minimalen Verzögerungen berechnet. Das Herzstück des Systems ist die intelligente Ampelschaltung mit automatisierter „Grüner Welle“. Das System aktiviert automatisiert Lichtsignalanlagen auf der berechneten Einsatzroute. Die KI koordiniert die Ampeln dabei so, dass Rettungsfahrzeuge eine kontinuierliche „Grüne Welle” erhalten. Ampeln schalten sich automatisch vor Ankunft des Fahrzeugs um, ohne den Gesamtverkehrsfluss zu beeinträchtigen. Dabei berücksichtigt das System auch die rechtlichen Sonderrechte von Einsatzfahrzeugen und schlägt optimierte Fahrtrouten vor, die Busspuren, Gegenrichtungsfahrten und intelligente Abbiegungen intelligent nutzen. Die nahtlose Integration mit der Leitstelle vervollständigt das System. Der Einsatzort wird automatisch von der Leitstelle an das Navigationssystem übermittelt. Die optimierte Route mit „Grüne-Welle“-Steuerung wird sofort und in Echtzeit an den Einsatzwagen übertragen und kontinuierlich an sich ändernde Verkehrsbedingungen angepasst.
Hanau hat auch schon im vergangenen Jahr in die Optimierung der Verkehrslage für Rettungsfahrzeuge und Müllabfuhr investiert. Unter dem Titel „Kreuzung frei – Sensoren sichern Rettungswege“ sollen Sensoren an kritischen Punkten widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge erkennen, damit zugeparkte Straßen oder Kreuzungen schneller erkannt werden. Die gesammelten Daten werden in Echtzeit und datenschutzkonform über ein LoRaWAN-Netz an das Ordnungsamt übermittelt, so dass schneller ordnungsrechtliche Maßnahmen eingeleitet werden können. Das Projekt wird ebenfalls durch das Hessische Digitalministerium mit rund 730.000 Euro gefördert.
„Wenn es um Sekunden geht, darf der Verkehr unsere Rettungskräfte nicht ausbremsen. Mit der intelligenten ‚Grünen Welle‘ sorgen wir dafür, dass Einsatzfahrzeuge ohne riskante Verzögerungen genau dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Das ist digitale Infrastruktur, die im Ernstfall ganz konkret Leben schützt. Das Projekt zeigt, wie effizient wir als Stadt Hanau gemeinsam mit dem Land Hessen die Digitalisierung für die Belange der Bürgerinnen und Bürger anpacken. Es ist ein weiterer, zentraler Mosaikstein unseres Smart-City-Leitbildes ‚Stadtwandel.digital‘“, freut sich Stadträtin und Digitaldezernentin Isabelle Hemsley über die Förderzusage.
Hintergrund Förderprogramm „STarke Heimat Hessen“
Mit dem Programm „Starke Heimat Hessen“ werden die Kommunen bei wichtigen Zukunftsprojekten unterstützt. Über die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“ stellt das Land seit 2021 rund 15,5 Millionen Euro jährlich für kommunale Digitalisierungsvorhaben bereit. Bisher wurden beziehungsweise werden 149 Vorhaben mit einer Gesamtfördersumme von rund 110 Millionen Euro bewilligt. Seit 2025 ergänzt eine neue Förderlinie das Programm: Sie unterstützt die Nachnutzung erprobter, datenplattformbasierter Lösungen. Seit 2026 können Kommunen im neuen Förderprogramm „kommunal.digital.hessen“ eine Förderung von Basistechnologien zur Verwaltungsdigitalisierung aus Mitteln des Programms „Starke Heimat Hessen“ beantragen.
Um die Kommunen zu unterstützen, Austausch und Vernetzung zu ermöglichen, hat die Hessische Landesregierung im Frühjahr 2020 die Geschäftsstelle Smarte Regionen im Haus der Digitalministerin eingerichtet. Durch die Formate des Wissenstransfers der Geschäftsstelle Smarte Region, etwa durch die Best-Practice-Datenbank oder Erfahrungskreise, profitieren auch nicht geförderte Kommunen von der Förderung.
Quelle: Stadt Hanau

