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Ein Zeichen für Menschenrechte und Religionsfreiheit

Am 24. Juni 2026 wurde das Mahnmal für die im NS-Regime verfolgten Zeugen im Berliner Tiergarten seiner Bestimmung übergeben. Es erinnert an die Tausende Zeugen Jehovas, die von den Nationalsozialisten wegen ihrer Weigerung, das NS-Regime zu unterstützen, in Gefängnisse und Konzentrationslager verbannt wurden.

Das Mahnmal wurde auf einstimmigen Beschluss des Deutschen Bundestages vom 22. Juni 2023 an einem historischen Ort im Großen Tiergarten in Berlin, in unmittelbarer Nähe des Goldfischteichs errichtet. Dort befand sich auch ein Stuhlverleih, der dem Zeugen Jehovas Ernst Varduhn gehörte. Er nutzte sein Geschäft in den 1930er Jahren als konspirative Tarnung um verfolgten Glaubensbrüdern (damals als “Bibelforscher” bekannt) geheime Treffen zu ermöglichen und Untergrundinformationen auszutauschen.

Der Standort ist historisch bedeutsam, da dort am 22. August 1936 eine Verhaftungsaktion der Gestapo gegen führende Mitglieder der Glaubensgemeinschaft stattfand. Im Zuge einer Verhaftungswelle 1936 wurden führende Zeugen Jehovas in ganz Deutschland inhaftiert. Mindestens 17 der dabei Verhafteten starben an den Folgen von Folter.

Julia Klöckner, Präsidentin des Deutschen Bundestages sowie Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien, wiesen auf den Mut und auf die Standhaftigkeit der Zeugen Jehovas hin, sich nicht von den Nationalsozialisten vereinnahmen zu lassen.

Die Bundestagpräsidentin wies in Ihrem Referat auf folgendes hin: „Mehr als 13.000 Zeugen Jehovas aus Deutschland und den besetzten Ländern Europas gerieten in das Visier der Nationalsozialisten. Mindestens 1.700 von ihnen überlebten die Verfolgung nicht. Sie wurden als Kriegsdienstverweigerer hingerichtet oder kamen unter den unmenschlichen Bedingungen von Haft und Lager um. Insassen der Konzentrationslager erinnern sich oft sehr eindrücklich an ihre Mithäftlinge mit dem lila Winkel. Denn auch in den Lagern blieben sie sich treu – und unbeugsam. Aber in der Not der Lager waren es oft sie, die ihr karges Brot mit anderen teilten. Das Denkmal für die Zeugen Jehovas ist eine Verbeugung vor den Opfern des Nationalsozialismus.“

Staatsminister Wolfram Weimer betonte in seiner Ansprache: „Wir schließen eine Lücke in unserer Erinnerungskultur.“ „Mit diesem Mahnmal erhält eine lange Zeit weniger bekannte Opfergruppe des Nationalsozialismus einen sichtbaren Ort des Erinnerns und Gedenkens. Damit setzen wir ein Zeichen für religiöse Toleranz und erinnern an Menschen, die sich in den 1930er Jahren – mit als Erste – dem totalitären Anspruch der Nationalsozialisten widersetzt haben. Menschen, die für ihren Glauben und ihre Überzeugung gelitten haben, die verfolgt und gejagt wurden, die Folter und Konzentrationslager erlitten, umgebracht haben“. Er wies auch auf die 282 Zeugen Jehovas hin, die wegen Kriegsdienstverweigerung hingerichtet wurden.

Das Mahnmal wurde von dem Künstler Matthias Leeck entworfen. Es entstand in Form eines 5 Meter hohen Baumes, der auf die Standhaftigkeit der verfolgten Zeugen Jehovas hinweist. Im Gegensatz zu den etablierten Kirchen waren Jehovas Zeugen die einzige Religionsgemeinschaft die den Nationalsozialisten geschlossen Widerstand entgegenbrachten. Diese wurden durch einen lila Winkel auf ihrer Häftlingskleidung stigmatisiert.

Maßgeblich an der Umsetzung beteiligt waren auch Mitglieder der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas sowie der Arnold-Liebster-Stiftung, aber auch die Abgeordneten des Deutschen Bundestages die in ihren Reden zur Debatte über das Mahnmal Zeichen gesetzt haben.

Das Berliner Mahnmal erinnert auch an die Standhaftigkeit und Verfolgung von Bibelforschern aus der Region. Hierzu gehörten Ernst Schwalm aus Bad Soden-Salmünster, Nikolaus Kuprian aus Hutten sowie Friedrich Melchior Lins ebenfalls aus Hutten.

Näheres erschien in einem Aufsatz von Hans-Joachim Schalies im MKK Mitteilungsblatt – Zentrum für Regionalgeschichte 49. Jahrgang 2024 auf den Seiten 64 bis 66 unter dem Titel: „Auch Bibelforscher aus der Region gerieten ins Visier der Nazis“.

Quelle: Hans-Joachim Schalies

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