Dienstag, Juni 16, 2026
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Vom Klassenzimmer in die Makerspace

Stadtbücherei Gelnhausen schafft 3D-Drucker an und arbeitet mit jungen Technik-Experten der Elisabeth-Strupp-Schule zusammen

Gabel-Stapler und Baustellenfahrzeug fahren gut beleuchtet zwischen bunten Pylonen, Absperrungen, Paletten, Lesezeichen im pinkfarbenen Reißverschluss-Design oder als Büroklammer mit Gelnhausen-Logo, Buchstützen, Stempeln, Schachfiguren und einem royal-blauen Römer mit erhobenem Schild auf dem großen Tisch hin und her. Gesteuert und aufmerksam beobachtet von jungen Experten, die ihr schöpferisches Wissen auf ihrem Spezialgebiet weitergeben wollen: Die Schülerinnen und Schüler der 3D-Drucktechnik AG der Elisabeth-Strupp-Schule in Gelnhausen werden künftig interessierte Mitglieder der Stadtbücherei Gelnhausen fit machen fürs digitale Modellieren und die Nutzung der nagelneuen 3D-Drucker, die im Workshop-Raum der Bücherei bereitstehen. Die drei Geräte wurden kürzlich von Bürgermeister Christian Litzinger, dem Kreisbeigeordneten Jannik Marquart, dem Bücherei-Team, Michael Neeb, Schulleiter der Elisabeth-Strupp-Schule (ESS), und dem Service Supporting Team der Schüler-AG offiziell in Betrieb genommen.

Das digitale Modellieren hat nun Einzug in die Makerspace der Stadtbücherei Gelnhausen gehalten. Gefördert wurde die Anschaffung der 3D-Drucker vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK). Die Finanzierung ist eine Sache, doch welche Drucker eignen sich für den Gebrauch in einer öffentlichen Bücherei, welche Firma vertreibt die idealen Einsteigergeräte? Diese Fragen stellte sich das Bücherei-Team um Leiterin Claudia Beck und wandte sich an Experten der „Digital-Native-Generation“ von der ESS. Der Tipp kam von Frederik Zinn, selbst Mitglied der Stadtbücherei und Leiter der 3D-Drucktechnik AG. Die AG mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 6 bis 10 ist vor vier Jahren im Rahmen der Nachmittagsbetreuung an der Gelnhäuser Realschule entstanden. In einer kleinen Ecke wagten sich einige technikaffine Schülerinnen und Schüler an die dreidimensionale Drucktechnik heran. Mittlerweile verfügt die etwa 30-köpfige Gruppe über einen eigenen Raum und entsprechendes Equipment. „Das sind Experten“, sagt Frederik Zinn über „seine“ AG. Die nehmen einen Drucker bis auf die letzte Schraube auseinander – und setzen ihn auch wieder zusammen.“ Zinn leitet die AG gemeinsam mit Nils Schwalb, ebenfalls Lehrer an der ESS. Beiden ist die Begeisterung für ihre Arbeitsgemeinschaft deutlich anzumerken. Und die Schülerinnen und Schüler brennen ebenso für die faszinierenden Möglichkeiten der 3D-Drucktechnik, für kreatives Tüfteln und das Teilen von Wissen. Sie konnten dem Team der Stadtbücherei anwendungsfreundliche, mehrfarbige 3D-Drucker empfehlen, die inzwischen einen festen Platz im Workshopraum der Bücherei haben. Darüber hinaus arbeiteten die jungen Expertinnen und Experten die Mitarbeitenden der Bücherei in die Grundlagen der Technik ein. Nach der Sommerpause sind in regelmäßigen Abständen Werkstätten geplant, in denen interessierte Mitglieder der Bücherei eine Art „Führerschein“ für digitales Modellieren und die Nutzung der 3D-Drucker absolvieren können. Nach dem Einführungskurs dürfen sie während der Öffnungszeiten eigene Projekte an den Druckern realisieren. Das Erstellen oder Herunterladen von digitalen Vorlagen für die Erstellung von 3D-Objekten soll möglichst zu Hause erfolgen. Neben dieser Vorbereitung ist ein gültiger Bibliotheksausweis Voraussetzung für die Nutzung der Geräte. Für den Materialverbrauch wird eine geringe Gebühr erhoben.

„Wir sind sehr glücklich über die Kooperation mit der Schüler-AG der Elisabeth-Strupp-Schule und können so innovative Technik mit dem Buch verbinden. Generationenübergreifend “, beschrieb Bücherei-Leiterin Claudia Beck das gemeinsame Projekt. Dafür haben die jungen Leute die Rolle der Lernenden und Konsumenten mit der Rolle geduldiger Mentoren getauscht und ihr großes Fachwissen auf diesem Gebiet in gut nachvollziehbare Schritte zerlegt. Beck lobte in diesem Zusammenhang nicht nur den Einsatz ihrer Mitarbeiterinnen, sondern auch das Engagement der FOS-Jahrespraktikantin Johanna Scharwath. „Alle haben sich richtig reingekniet.“

Bürgermeister Christian Litzinger hob das Projekt als besonders innovativ hervor und freute sich über die gelungene Kooperation zwischen Stadt und Schule, die auf Dauer angelegt sei. „Mit den 3D-Druckern fördern wir digitale und gesellschaftliche Teilhabe. Menschen aller Altersklassen können nach einer Einführung ohne große Vorkenntnisse schnell eigene Projekte umsetzen.“ Die Stadtbücherei entwickele sich stets weiter und sei ein Ort des Lernens, des Begegnens und Ausprobierens. „Mit dem neuen Angebot schaffen wir einen niedrigschwelligen Zugang zu Zukunftstechnologien und ermöglichen vielen Menschen, digitale Kompetenzen zu erwerben und zu erweitern“. Der Rathauschef zeigte sich zudem beeindruckt vom Engagement der Schülerinnen und Schüler, die ihr Fachwissen an andere Generationen weitergeben.

Jannik Marquart, dessen Schwerpunkte als Kreisbeigeordneter unter anderem in der Schulpolitik und Jugendförderung sowie der Wirtschaft und Digitalisierung liegen, zeigte sich ebenfalls begeistert von den ersten Ergebnissen der Zusammenarbeit zwischen Bücherei und Schule sowie dem Engagement der Beteiligten. „Das Projekt ist für beide Seiten ein Gewinn.“

Die schulische Ausbildung in den so genannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sei in Zeiten der Digitalisierung wichtiger als je zuvor und gehöre zu den zentralen Zielen der Elisabeth-Strupp-Schule, verdeutlichte Schulleiter Michael Neeb. Die Kooperation mit der Stadtbibliothek bezeichnete er als „sozial genial“, sie passe perfekt in das Konzept der Öffnung von Schule, mit dem die Isolation des Klassenzimmers aufgebrochen werde und sich der Lernort stärker mit dem Leben in der Kommune vernetze. „Ich freue mich, dass die Zusammenarbeit so gut klappt.“

Anschließend tauschten sich alle Anwesenden noch rege über das Thema 3D-Druck aus.

Die erste Einführungsveranstaltung findet am 5. September in der Stadtbücherei statt. Informationen gibt es in der Bücherei zu den Öffnungszeiten oder unter Telefon 06051 830-250 oder direkt bei der Schüler AG unter E-Mail 3d.technik@elisabeth-strupp.schule

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lesezeichen und produkte aus dem 3d-drucker. fotos: stadt gelnhausen
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Quelle: Stadt Gelnhausen

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