Ab dem 1. Juli 2026 entfällt die bisherige Zollfreigrenze für Pakete aus Nicht-EU-Ländern. Was viele Schnäppchenjäger*innen bisher nicht auf dem Schirm hatten: Auf Bestellungen aus China, den USA oder Großbritannien kommen künftig zusätzliche Abgaben zu – und die summieren sich schneller, als der Kaufpreis vermuten lässt. Trusted Shops erklärt, was die Gesetzesänderung konkret bedeutet und worauf beim Einkauf im internationalen Onlinehandel zu achten ist.
Was sich ab Juli ändert
Bisher blieben Pakete mit einem Warenwert unter 150 Euro beim Zoll abgabenfrei. Diese Regelung läuft zum 1. Juli 2026 aus. Danach fällt auf jede Sendung aus einem Nicht-EU-Land eine pauschale Zollgebühr von 3 Euro pro Warenkategorie an – zusätzlich zur Einfuhrumsatzsteuer von 7 oder 19 Prozent, abhängig vom Produkttyp. Für Sendungen mit einem Warenwert über 150 Euro kommen reguläre Zollsätze hinzu, die je nach Kategorie erheblich ausfallen können: etwa rund 12 Prozent auf Kleidung oder bis zu 14 Prozent auf Monitore.
Der versteckte Aufpreis
Was beim Berechnen des Endpreises leicht übersehen wird: Viele Paketdienste erheben zusätzlich eine Servicepauschale für die Zollabwicklung. Die Deutsche Post berechnet dafür aktuell 7,50 Euro pro Sendung. Was das in der Praxis bedeutet, zeigt ein Rechenbeispiel: Ein T-Shirt für 12 Euro aus einem chinesischen Onlineshop kostet nach Zollpauschale (3 Euro), Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent (2,28 Euro) und Servicepauschale des Paketdienstes (7,50 Euro) am Ende 24,78 Euro – mehr als doppelt so viel wie der ursprüngliche Kaufpreis.
„Wer künftig bei internationalen Plattformen bestellt, sollte den angezeigten Preis nie als Endpreis verstehen. Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und die Servicepauschale des Paketdienstes können die tatsächlichen Kosten deutlich in die Höhe treiben – besonders bei Kleinstbeträgen. Ein kurzer Check vor der Bestellung lohnt sich”, sagt Dr. Carsten Föhlisch, Rechtsexperte bei Trusted Shops.
So behalten Käufer*innen die Kosten im Griff
Vor der Bestellung prüfen, aus welchem Land die Ware versandt wird. Entscheidend ist der Standort des Versandlagers, nicht der Firmensitz des Händlers. Wer innerhalb der EU bestellt, zahlt keine Einfuhrabgaben.
Bei Plattformen wie Temu oder Shein lohnt ein Blick auf die Versandangaben: Kommt die Ware aus einem EU-Lager, entfallen Zoll und Einfuhrsteuer. Bei Direktversand aus China gelten ab Juli die neuen Regeln.
Manche Händler und Marktplätze sind im sogenannten Import-One-Stop-Shop-Verfahren (IOSS) registriert und führen die Einfuhrumsatzsteuer bereits vorab ab. In diesem Fall ist der angezeigte Preis der tatsächliche Endpreis. Sofern es sich um eine gültige IOSS-Registriernummer handelt, werden keine Abgaben durch die Zollstelle erhoben.
Wer die Servicepauschale des Paketdienstes vermeiden möchte, kann die Sendung alternativ selbst beim Zollamt abholen und verzollen. Zur Kostenschätzung vorab bietet der Deutsche Zoll einen kostenlosen Abgabenrechner an: zoll.de
Vorsicht vor Fälschungen aus dem Ausland
Niedrige Preise aus Drittländern gehen nicht selten mit weiteren Risiken einher. Produktfälschungen, fehlende CE-Kennzeichnungen und mangelhafte Sicherheitsstandards sind im internationalen Onlinehandel ein bekanntes Problem. Bei Markenartikeln zu ungewöhnlich günstigen Konditionen ist besondere Vorsicht geboten – Reklamationen über weite Distanzen sind aufwendig, ein verlässlicher Käuferschutz häufig nicht vorhanden.
Quelle: Trusted Shops

