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Mit Mut und Pioniergeist

30 Jahre Waldkindergarten in Gelnhausen – Rückblick und Feier im Blockhaus – Litzinger: „Perle der Gelnhäuser Bildungslandschaft“

Wald. Ein Wort, das romantische Bilder aus dem Kopf abruft. Bunt bemalte Tiere aus Wurzeln, lachende, mit Erde verschmierte Kindergesichter, geflochtene Gänseblümchenkränze in lockigen Haaren, Mandalas aus Rinde, Mais und Blättern, Kuchen aus Matsch geformt, Sonnenstrahlen, die durchs Blätterdach scheinen. Märchen und Mythen, Kindheitserinnerungen an verwunschene Orte. Und genau hier, mitten im Wald, hat ein besonderes pädagogisches Konzept sein Zuhause: Vor 30 Jahren eröffnete Berit Zeber einen Waldkindergarten in Gelnhausen – einen der ersten in Deutschland überhaupt. Dieses Jubiläum wurde kürzlich auf dem Blockhaus und im nahen Waldkindergarten gefeiert. Im Zentrum der anerkennenden Worte stand der Mut einer Frau, die mit Hartnäckigkeit und Herzblut an einem Konzept festhielt, das heute aus der Kinderbetreuung in Gelnhausen und Linsengericht nicht mehr wegzudenken ist.

Zu den Gratulanten gehörten neben Landrat Thorsten Stolz und Gelnhausens Bürgermeister Christian Litzinger zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft, vor allem aber Unterstützer und Weggefährten. Max Zeber verdeutlichte in seinem Rückblick, dass die Erfolgsgeschichte der Waldkindergärten in Gelnhausen auch eine Geschichte von Mut und Risiko, von Leidenschaft, dem unerschütterlichen Glauben an ein visionäres Konzept und dem berühmten Quäntchen Glück ist.

Bürgermeister Christian Litzinger verglich das 30-jährige Bestehen des Waldkindergartens symbolhaft mit der „Perlenhochzeit“. Sie stehe für 30 Ehejahre, die wie Perlen an einer Kette kostbar aneinandergereiht seien. „Eine Perle ist das Ergebnis von Zeit, Geduld und der schützenden Hülle der Natur. Ihr seid die Perle in unserer Gelnhäuser Bildungslandschaft und kümmert euch um unsere Kinder, die selbst wie kleine Perlen sind.“ Was vor drei Jahrzehnten als visionäres Projekt begonnen habe, sei heute ein Aushängeschild der Stadt. Als Zeichen der Verbundenheit überreichte der Rathauschef ein Wandrelief mit dem Abbild des Gelnhäuser „Schubkärrnscherchers“. Das Symbol für Fleiß, Hartnäckigkeit und tiefe Verbundenheit mit der Region soll die Wände in der Geschäftsstelle des Waldkindergartens in der Langgasse zieren. Damit adelte der Bürgermeister den Waldkindergarten zudem offiziell als Teil der Stadtgeschichte.

Der Waldkindergarten sei eine feste Größe in der Kinderbetreuung in Gelnhausen, ein Vorzeigeprojekt, das den Grundstein für die heutigen 500 Waldkita-Plätze im Main-Kinzig-Kreis gelegt habe. „Ihr habt Erfolgsgeschichte geschrieben und vieles richtig gemacht“, attestierte Landrat Thorsten Stolz dem Team um die Gründerin. Während Berit Zeber selbst einmal sagte „Mit dem Geld war es immer schwierig“, sprach Stolz in seinem Grußwort im Blockhaus von einem „betriebswirtschaftlichen Wunder“. Mit aus heutiger Sicht sehr geringen Finanzmitteln hielt Berit Zeber den Betrieb des Waldkindergartens jahrelang am Laufen. Nachdem die Betreuung von Kindern unter drei Jahren hinzukam, stand die Einrichtung durch die geänderte Betreuungssituation und höhere Fachkraftstunden allerdings finanziell vor dem Aus. Thorsten Stolz, damals Bürgermeister in Gelnhausen, setzte sich für eine höhere Förderung ein und der Betrieb konnte weitergehen. 2015 vermachte die Gelnhäuser Familie Manns den vorderen Teil der Blockhauswiese dem Waldkindergarten. Inzwischen genießt das Betreuungskonzept parallel zum Regelkindergarten große Akzeptanz und schafft zusätzliche Betreuungsplätze. Aufgrund der starken Nachfrage, eröffnete Berit Zeber eine zweite Einrichtung in der Nähe des ehemaligen Waldschwimmbads in Roth, eine dritte am Stempelberg in Höchst. Und mittlerweile gibt es einen vierten Waldkindergarten im Linsengerichter Ortsteil Eidengesäß. An den vier Standorten betreuen 38 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zu 170 Kinder.
Auch Linsengerichts Bürgermeister Albert Ungermann richtete einige Worte des Dankes an Berit Zeber und lobte sie und ihr Team für ihr impulsgebendes Engagement.

Vier eigene Kinder hat Berit Zeber großgezogen – überflüssig zu erwähnen, dass alle den Waldkindergarten besucht haben. Sohn Max ist in die Geschäftsführung des Waldkindergartens eingestiegen, dessen Trägerschaft 2020 von einem Elternverein auf eine gemeinnützige gGmbH überging. Bei der Jubiläumsfeier erweckte er in Wort und Bild nicht nur die Geschichte des Waldkindergartens zum Leben, sondern charakterisierte seine Mutter liebevoll als mutige Wegbereiterin und Pionierin der Waldpädagogik. Er bescheinigte ihr einen „unerschütterlichen Willen“, Humor, Herz und immer ein Ziel vor Augen: Kindern den bestmöglichen Start ins Leben zu bieten. „Du hast Unglaubliches geleistet.“ Beachtlich las sich auch die von Max Zeber mit einem Schmunzeln präsentierte Statistik: 1000plus Kinder betreut, 1500 Tipis gebaut, 5 Bürgermeister erlebt, 2 Tonnen Steinpulver produziert und 754 Tagen Tonscherben gesucht…

Berit Zeber zeigte sich sichtlich gerührt von dieser besonderen Chronik. „Ich bin dankbar für so viele tolle Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben,“ sagte sie unter Tränen. Unter anderem erwähnte sie namentlich Heike Schmidt, Abteilungsleiterin Kinder- und Jugendbetreuung der Stadt Gelnhausen. Berit Zeber dankte ihr für den verlässlichen Rückhalt und die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Ein weiteres Glanzlicht setzte Ole Schön, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Gelnhausen, der neben wertschätzenden Worten auch einen Scheck über 1000 Euro im Gepäck hatte.

Im Anschluss wandelten die Gäste auf einem „Pfad der Erinnerung“ zum Waldkindergarten, gesäumt von Fotos, Zeitungsberichten und Kinderzeichnungen. Und im überdimensionalen Bilderrahmen entstanden aktuelle Fotos für das nächste Jubiläumsfest der Betreuungseinrichtung unterm Blätterdach.

Quelle: Stadt Gelnhausen

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