Der TV Gelnhausen hat eine herausragende Saison 2025/26 in der 3. Handball-Liga Süd-West mit einem weiteren Derbysieg abgeschlossen. Am letzten regulären Spieltag gewannen die Barbarossastädter am Freitagabend auswärts bei der HSG Rodgau Nieder-Roden mit 36:31 (16:16). Vor 552 Zuschauern in der RODAUSTROM Sportarena bestätigte der TVG einmal mehr seine starke Form und geht nun mit viel Selbstvertrauen in die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Für das kommende Spiel gegen den Top-Favoriten TV Emsdetten (Samstag, 19.30 Uhr, Rudi-Lechleidner-Halle) sind bereits über 1000 Tickets verkauft. Karten sind weiterhin über den Online-Ticketshop erhältlich.
Mit 51:9 Punkten beendet Gelnhausen die Hauptrunde wie bereits im Vorjahr auf dem zweiten Tabellenplatz. Dabei erzielte der TVG im Vergleich zur Vorsaison sogar 69 Tore mehr, kassierte allerdings auch 28 Gegentreffer zusätzlich und holte einen Zähler weniger. Während man in der Vorsaison allerdings weitestgehend vom Verletzungspech verschont wurde, musste Cheftrainer Matthias Geiger in dieser Spielzeit immer wieder massiv improvisieren. Umso größer ist die Wiederholung des letztjährigen Erfolgs einzuschätzen.
Denn auch dieses Mal war die personelle Lage beim TV Gelnhausen extrem angespannt. Neben Akos Csaba (Kreuzbandriss) und Finn Trinczek (Schienbeinprobleme) fehlte auch Simon Belter weiterhin. Der Rechtsaußen verletzte sich nach seiner Sprunggelenksverletzung im Aufbautraining zusätzlich am anderen Fuß und wird voraussichtlich auch die Aufstiegsrunde verpassen. Hinzu kam, dass Dima Redkyn zeitgleich für seinen Stammverein TV Großwallstadt im Einsatz war und Rückraumspieler Jonas Dambach unter der Woche berufsbedingt nicht trainieren konnte, weshalb er nur begrenzte Einsatzzeit erhielt.
Geiger stand somit erneut nur ein gelernter Linksaußen und kein etatmäßiger Rechtsaußen zur Verfügung. Umso erfreulicher war das Comeback von Kreisläufer Leon David, der nach langer Schulterverletzung erstmals wieder auflief und phasenweise auf Rechtsaußen aushalf.
Das Derby begann von Beginn an temporeich. Beide Mannschaften drückten aufs Tempo und suchten immer wieder den schnellen Abschluss. Zunächst konnte sich keine Mannschaft entscheidend absetzen. In der 11. Minute ging Nieder-Roden durch Sam Hoddersen erstmals mit zwei Toren in Führung (8:6), doch der TVG blieb dran. Auf beiden Seiten konnten sich die Torhüter immer wieder auszeichnen. Während Philipp Hoepffner mehrfach stark für die Gastgeber parierte, zeigte auch Alex Bechert im TVG-Tor starke Paraden.
Mitte der ersten Hälfte übernahm Gelnhausen dann kurzzeitig die Kontrolle. Jonathan Malolepszy traf in der 24. Minute zum 15:12 und brachte den TVG erstmals mit drei Toren in Führung. Doch auch die „Baggerseepiraten“ ließen sich nicht abschütteln und kämpften sich bis zur Pause wieder zurück. Mit dem 16:16-Halbzeitstand ging es leistungsgerecht in die Kabinen.
„Nieder-Roden hat wahnsinnig spritzig angefangen und war extrem aggressiv in den Zweikämpfen“, analysierte TVG-Coach Geiger später. „Wir hatten da zunächst öfter das Nachsehen, konnten aber trotzdem dranbleiben.“
Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie zunächst offen. Nach 40 Minuten stand es 21:21. Dann verschaffte sich der TVG jedoch langsam Vorteile. Vor allem die schnelle Mitte bereitete Nieder-Roden zunehmend Probleme. Immer wieder antworteten die Gelnhäuser direkt auf Gegentore und nutzten zusätzlich technische Fehler der Gastgeber konsequent aus. Zudem agierte die TVG-Abwehr immer kompakter.
„Wir konnten das Tempospiel von Nieder-Roden besser kontrollieren und haben keine einfachen Tore mehr bekommen. Das war extrem wichtig“, erklärte Geiger.
In der 46. Minute erhöhte Yannick Mocken auf 28:24 und sorgte damit erstmals für eine Vier-Tore-Führung. Kurz darauf hielt Daniel Drozdz mit einer Siebenmeterparade den Vorsprung fest. Nieder-Roden stemmte sich zwar weiterhin gegen die Niederlage, doch der TVG ließ sich die Kontrolle nicht mehr nehmen. Beim 33:29 vier Minuten vor Schluss deutete sich nicht mehr an, dass das Derby noch einmal kippen könnte. Malolepszy erhöhte eineinhalb Minuten vor Schluss sogar auf 36:30.
Die letzte Minute gehörte dann jedoch ganz Johannes von der Au. Der langjährige Führungsspieler der HSG Rodgau Nieder-Roden, der eine berufsbedingte Handballpause einlegen wird, wurde emotional verabschiedet. Während einer Auszeit eine Minute vor Schluss applaudierten ihm die Spieler und Fans beider Mannschaften. Dem 28-Jährigen war die Rührung deutlich anzusehen. Als das Spiel weiterging, ließ der TVG den Nieder-Rodener gewähren, sodass von der Au mit seinem letzten Treffer zum 36:31 noch einmal einen besonderen Schlusspunkt setzen konnte. Die Gelnhäuser präsentierten sich dabei als fairer Gast und unterstrichen damit auch die enge Verbindung und gute Zusammenarbeit beider Vereine, die in den letzten Jahren immer weiter gewachsen ist.
HSG-Trainer Christian Sommer sagte nach der Partie: „Das war ein tolles Spiel für die Zuschauer. Gelnhausen hat wirklich brutale Qualität. Sie können über 60 Minuten im Tempo bleiben.“
Auch Geiger zeigte sich nach dem Derby sehr zufrieden: „In der zweiten Hälfte waren wir noch einen Tick besser und haben uns den Sieg verdient. Trotz der vielen Ausfälle haben das alle Spieler wirklich toll gemacht.“
Neben Kapitän Malolepszy mit sieben Toren überzeugten offensiv vor allem Jannik Geisler und Fynn Hilb mit jeweils sechs Treffern. Auch Fynn Broßmann und Henrik Müller nutzten die Partie, um sich zu zeigen und Selbstvertrauen zu tanken. Beide trafen dreimal das Tor. Bei den Gastgebern waren Simon Brandt und Nils Hassler mit jeweils sieben Toren die erfolgreichsten Torschützen des Abends.
Nach dem Schlusspfiff feierten die rund 200 mitgereisten TVG-Fans ihre Mannschaft noch lange für eine starke Saison und die verdiente Vizemeisterschaft. Nun richtet sich der Fokus vollständig auf die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Dort trifft der TVG in Hin- und Rückspielen auf den TV Emsdetten sowie auf den EHV Aue oder den MTV Braunschweig.
Zum Auftakt der Aufstiegsrunde empfängt der TV Gelnhausen am kommenden Samstag um 19.30 Uhr den TV Emsdetten in der Rudi-Lechleidner-Halle. Karten sind weiterhin über den Online-Ticketshop erhältlich.
Quelle: TV Gelnhausen Handball

