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Der Dschungel vor der Haustür

Spessartbund veranstaltete Fachtagung für Naturschutz an der „Schifflache bei Großauheim“

Spessart (sg). „Wer an einem heißen Sommertag auf einem der schmalen Pfade in den Dschungel des Bruchwaldes eindringt, umschwirrt von Tausenden blutdurstigen Stechmücken, […] vorbei an Baumgalerien, die wie Mangroven mit Stelzwurzeln im unsicheren Untergrund nach Halt suchen, der glaubt sich in einen subtropischen Urwald versetzt“, schrieb Spessartkenner Rudolf Malkmus im Jahr 2008 in der Zeitschrift „Spessart“. In diesen „Urwald“ wagten sich nun rund 40 Mitglieder des Spessartbunds, um sich im Bereich Naturschutz weiterzubilden.

Vor gerade einmal vier Jahren rief der Spessartbund zum ersten Naturschutzstammtisch auf. Seitdem treffen sich regelmäßig Interessierte, diskutieren aktuelle Themen und erkunden gemeinsam ihre Heimat. Bei der „Fachtagung Naturschutz“ Ende April machten sich die Naturfreunde auf in das NATURA 2000-Gebiet „Schifflache bei Großauheim“ – unter fachkundiger Begleitung von Alexandra Mohler, die sich seit Jahren als Gebietsbetreuerin um den verlandeten und vermoorten Altlauf des Mains kümmert.

Bevor es in das Biotop ging, informierte Mohler anhand einzigartiger Fotos über die Schifflache mit ihren prägenden Erlenbruchwäldern und den durchsonnten Stillgewässern als eines der bedeutendsten Amphibien-Laichgebiete in der Untermainebene. Im Wanderheim der Spessartbund-Ortsgruppe „Wanderfreunde Edelweiss“ am Großkrotzenburger See bevölkerten plötzlich Krabbenspinnen, Laubfrösche, Neuntöter, Schlüsselblumen, Erdkröten, Pilze, Siebenschläfer, Wildbienen und immer wieder Libellenarten die Leinwand. „Manchmal ist es richtig märchenhaft“, schilderte die Naturschutzbeauftragte der Gemeinde Großkrotzenburg ihre Eindrücke.

Nun waren alle neugierig geworden.

Tatsächlich säumten grüne Tümpel und knorzige Bäume den schmalen Pfad durch den noch lichten Frühlingswald. Zwar waren um die Mittagszeit nicht allzu viele Vogelstimmen zu hören, Spuren an den zahlreichen Baumhöhlen und Nisthilfen zeugten jedoch von ihrer Anwesenheit – Mauersegler und das Storchenpaar begrüßten die Wanderer dann doch noch persönlich. Alsdann versammelten sich alle um Alexandra Mohler, denn die Naturschutzexpertin hatte etwas mitgebracht. Aus einer kleinen Box schüttelte sie Exuvien auf ihre Hand: „Ich bin gern mit Kindern unterwegs und zeige ihnen, dass ihr Wasser zu Hause nicht einfach aus dem Wasserhahn kommt, sondern auch hier in der Gegend 27 Brunnen existieren, die die Ortschaften mit Trinkwasser versorgen. Dabei nehme ich diese abgestreiften Libellenhäute gern als Anschauungsobjekt für das vielfältige Leben am und im Wasser hier an der Schifflache mit.“

Der NABU-Bundesverband informiert dazu: „Libellen sind sehr ursprünglich gebliebene Insekten. Im Aussehen und Bau ähneln sie den zur Blütezeit der Dinosaurier vor rund 150 Millionen Jahren lebenden Arten. Doch so erfolgreich die Libellen in den letzten Millionen Jahren auch waren: Bei uns in Mitteleuropa sind viele der 80 heimischen Libellenarten selten geworden. Zwei Drittel sind gefährdet, ein Fünftel ist sogar vom Aussterben bedroht. Ursache ist wie so oft die Veränderung und Zerstörung der libellentypischen Lebensräume. Moore und andere Feuchtbiotope werden trockengelegt, Flüsse begradigt.“

Zurück im Wanderheim dankte Burkhard Staab, Mitglied des vierköpfigen Naturschutzgremiums des Spessartbunds, abschließend der Referentin sowie der Ortsgruppe und wies auf die neue „Naturschutzleitlinie 2026“ hin, die auf der Seite von HessenForst zum Download bereitstehe; dort seien auch Maßnahmen für die Schifflache aufgeführt.

Auch Alexandra Mohler hatte noch einen Hinweis: Sollte sich eine Spessartbund-Ortsgruppe für diesen besonderen „Dschungel vor der Haustür“ interessieren, stehe sie gern für eine Führung bereit, Kontakt: diemohlers@t-online.de.

Quelle: Spessartbund – Sabine Graf

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