Stadt gedenkt ihres ersten frei gewählten Oberbürgermeisters nach 1945
Hanau. Am Dienstag, 3. März, jährt sich der Todestag von Karl Rehbein zum 70. Mal. Die Stadt Hanau wird aus diesem Anlass ein Gedenkgesteck an seiner Ehrengrabstätte auf dem Hanauer Hauptfriedhof niederlegen und damit das Andenken an ihren ersten nach der Zeit der NS-Diktatur wieder frei gewählten Oberbürgermeister würdigen.
Oberbürgermeister Claus Kaminsky ehrt seinen Vorgänger mit den Worten: „Karl Rehbein steht wie kaum ein anderer für den demokratischen Neubeginn unserer Stadt nach der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Trotz Verfolgung, Haft und persönlicher Entbehrungen hat er nie aufgehört, für Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit einzutreten. Als erster frei gewählter Oberbürgermeister nach 1945 hat er mit Mut, Weitsicht und unermüdlichem Einsatz den Wiederaufbau Hanaus vorangetrieben. Sein Wirken bleibt uns Verpflichtung und Auftrag zugleich.“
Karl Heinrich Ferdinand Rehbein wurde am 14. Oktober 1885 in Hanau geboren. Der gelernte Goldschmied besuchte die Volksschule in seiner Heimatstadt und trat bereits früh gewerkschaftlich und politisch in Erscheinung. 1902 wurde er Mitglied im Deutschen Metallarbeiter-Verband, 1905 trat er in die SPD ein. Nach seinem Militärdienst von 1907 bis 1909 und dem Einsatz als Sanitätsunteroffizier im Ersten Weltkrieg engagierte sich Rehbein weiter politisch und gewerkschaftlich. 1910 heiratete er Klara Schunck (1886–1967).
In der bewegten Zeit der Weimarer Republik war Rehbein von 1920 bis 1933 Stadtverordneter in Hanau – zunächst für die USPD, ab 1921 für die KPD und ab 1929 wieder für die SPD. Zudem gehörte er dem Kurhessischen Kommunallandtag sowie dem Provinziallandtag der preußischen Provinz Hessen-Nassau an und war von 1928 bis 1933 Mitglied des Preußischen Landtags. Nach innerparteilichen Auseinandersetzungen – unter anderem im Zusammenhang mit der sogenannten Wittorf-Affäre – wurde er aus der KPD ausgeschlossen und nahm sein Mandat ab 1929 für die SPD wahr, für die er 1932 erneut gewählt wurde.
Unter dem NS-Regime war Rehbein erheblichen Repressalien ausgesetzt. Von 1933 bis 1936 lebte seine fünfköpfige Familie von Arbeitslosenunterstützung. 1936 wurde er verhaftet und bis 1940 ins das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er erneut festgenommen und bis Ende April 1945 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert.
Nach dem Zusammenbruch des sogenannten „Dritten Reichs“ und der Befreiung durch die US-Armee übernahm Rehbein Verantwortung beim demokratischen Neuanfang. Er wurde Vorsitzender des antifaschistischen Bürgerausschusses in Hanau und am 1. April 1945 von der Militärkommandantur als Polizeidirektor eingesetzt. Vom 26. Februar bis 14. Juli 1946 war er Mitglied des Beratenden Landesausschusses Groß-Hessen, der die Verfassung des Landes vorbereitete.
Nach den Kommunalwahlen im Frühjahr 1946 wurde Rehbein zum Oberbürgermeister der Stadt Hanau gewählt. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tod am 3. März 1956 aus. In den Jahren des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg prägte er maßgeblich die Entwicklung der Stadt. Weithin als „Vater der Stadt“ geachtet, kümmerte er sich um nahezu alle zentralen Fragen des Wiederaufbaus und des gesellschaftlichen Neubeginns. 1955 wurde ihm das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Seine Ehrengrabstätte befindet sich auf dem Hanauer Hauptfriedhof; die Karl-Rehbein-Schule trägt seinen Namen.
Weitere Informationen zu Leben und Wirken Karl Rehbeins finden Interessierte unter anderem in der Hessischen Biografie (LAGIS) sowie in der Hessischen Parlamentarismusgeschichte, in der auch seine Redebeiträge im Hessischen Landtag dokumentiert sind.
Pressekontakt:
Stadt Hanau, Ute Wolf
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Quelle: Redaktion MKK Echo

