Am Samstag nach Aschermittwoch waren die Kandidaten der Grünen Liste am Vormittag am Lindenplatz und am Nachmittag am Globusparkplatz präsent. Bei leicht regnerischem, typischem Februarwetter suchten sie mit Informationsmaterial, Gesprächen und einem Glücksrad den direkten Austausch zu Themen wie Stadtentwicklung, Klimaanpassung, Haushaltspolitik und sozialer Verantwortung.
„Es kam zu wenigen längeren Gesprächen. Ein Autofahrer beschimpfte uns im Vorbeifahren, einzelne Zurufe waren abwertend. In sozialen Medien werden Kandidierende als unfähig oder gefährlich dargestellt. Diese Form des Umgangs erleben wir inzwischen häufiger“, berichtet Stadtverordnete Katja Hix. Gleichzeitig seien die Grünen Wächtersbach sichtbar und ansprechbar gewesen. „Unsere Themen waren im öffentlichen Raum. Einige positive Gespräche und Rückmeldungen zeigen, dass Interesse da ist. Politische Gespräche im öffentlichen Raum kosten Überwindung. Gerade deshalb ist es wichtig, greifbar zu bleiben“, ergänzt sie.
Doch politische Arbeit beginne nicht am Infostand, betonen die Grünen.
„Kommunalpolitik bedeutet Ausschusssitzungen, Aktenstudium und Vorlagen mit mehreren hundert Seiten. Sie bedeutet, Haushaltspläne im Detail zu prüfen, langfristige finanzielle Bindungen zu verstehen und Verträge sorgfältig zu durchdringen. Ein Beispiel dafür war die intensive Auseinandersetzung mit einem umfangreichen Lichtliefervertrag. Gerade bei solchen Themen entscheidet sich, ob eine Stadt langfristig handlungsfähig bleibt“, stellt Fraktionsvorsitzende Eva Bonin klar und betont: „Opposition heißt für uns Verantwortung ohne eigene Mehrheit. Sie heißt, genau hinzusehen, Fragen zu stellen, Alternativen vorzulegen und Prozesse anzustoßen“.
Ein Beispiel dafür ist das Klimaschutzmanagement.
„2021 haben die Grünen Wächtersbach die Einrichtung einer solchen Stelle beantragt. Der Antrag wurde beschlossen und die Struktur geschaffen. Im vergangenen Jahr wurde die Stelle besetzt. Die Klimaschutzmanagerin arbeitet sehr stringent und wird in diesem Jahr konkrete Maßnahmen vorstellen“, erklärt Volker Laubenthal von den Grünen. Und führt weiter aus: „Wie wichtig diese Detailarbeit ist, zeigt die aktuelle Debatte um den Dietrichsberg. Wenn eine Fläche als ‚Filetstück‘ bezeichnet wird, geht es um mehr als Baugrund. Es geht um Infrastrukturkosten, um Straßenbau, um Entwässerung, um langfristige Verpflichtungen im Haushalt und um Klimaanpassung. Es geht auch um die Frage, welche Funktion Flächen bei Starkregenereignissen übernehmen und welche Bedeutung sie für Retention und Wasserabfluss haben. Für uns ist diese Fläche kein Bauland. Sie ist Teil eines sensiblen Naturraums. Angesichts zunehmender Extremwetterlagen ist das eine Frage verantwortungsvoller Stadtentwicklung“.
Gleichzeitig brauche Wächtersbach Wohnraum – insbesondere für Menschen mit schmaleren Budgets, so die Grünen weiter.
„Deshalb setzen sich die Grünen Wächtersbach für Strategien gegen Leerstand ein und für die Entwicklung am Langenselbolder Weg mit einer ausgewogenen Mischung aus Reihen- und Mehrfamilienhäusern. Sozial tragfähig, städtebaulich sinnvoll und langfristig finanzierbar“, ergänzt Stadtverordneter Florian Hix.
Doch neben Sachpolitik gehöre für die Partei auch Haltung zur politischen Verantwortung, so Hix weiter. „Am 19. Februar haben die Grünen Wächtersbach an der Mahnwache vor dem Rathaus teilgenommen, um an das rassistische Attentat von Hanau zu erinnern. Der Einsatz gegen Rechtsextremismus und menschenfeindliche Ideologien ist Teil demokratischer Grundhaltung“, betont er.
Während der Mahnwache habe ein Stadtrat nach der Magistratssitzung das Rathausgelände mit seinem Fahrzeug verlassen und sei durch die versammelte Gruppe gefahren, sodass Teilnehmende zur Seite treten mussten.
„Ein Gedenken braucht Respekt“, stellt Clemens Niekrawitz fest .
„Der Dietrichsberg, der Umgang mit der Klimaveränderung und der Kampf gegen Rechts zeigen, warum mindestens drei grüne Sitze im Stadtparlament wichtig sind. Unterschiedliche Stimmen sorgen dafür, dass Argumente gründlich geprüft, Folgen bedacht und Alternativen sichtbar werden. Sie sorgen dafür, dass Haushaltszahlen nicht durchgewinkt werden, dass Verträge hinterfragt werden und dass ökologische und soziale Aspekte in Entscheidungen einfließen“, erklärt Eva Bonin.
Abschließend formulieren die Grünen Wächtersbach ihr Ziel:
„Wir wollen eine Stadt, die in zehn oder zwanzig Jahren ebenso lebensfähig und finanziell tragfähig ist wie heute. Dafür arbeiteten wir Grüne während der vergangenen Jahre erfolgreich im Parlament, in den Ausschüssen und im Gespräch vor Ort. Und möchten das auch in Zukunft weiterhin tun.“
Quelle: Redaktion MKK Echo

