Mittwoch, Februar 18, 2026
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Vergessenes Erbe: Rodenbachs preußisches Dienstgehöft im Lochseif

Die Spuren der preußischen Geschichte sind in Rodenbach bis heute sichtbar – doch die SPD-geführte Gemeindeverwaltung hat in den letzten Jahren nichts unternommen, um sie zu bewahren. Besonders deutlich wird dies am Beispiel des Preußischen Revierförster-Dienstgehöfts im Lochseif. Dieses Anwesen ist weit mehr als ein altes Forsthaus: Es ist ein Symbol der politischen und gesellschaftlichen Umbrüche, die mit der Eingliederung Kurhessens in den preußischen Staat nach 1866 einhergingen.

Preußen stellte die Verwaltung auf ein völlig neues Fundament. Dazu gehörte auch die Forstpolitik, die mit ihren streng gegliederten Strukturen für Effizienz, Kontrolle und nachhaltige Nutzung der Wälder sorgen sollte. In dieser Zeit entstanden Dienstsitze, die nicht nur den Förstern Wohn- und Arbeitsstätte boten, sondern auch sichtbare Zeichen preußischer Ordnung im ländlichen Raum waren. Das Lochseif-Gehöft verkörpert diesen Geist: ein funktionales, aber zugleich repräsentatives Gebäude, das die Präsenz des Staates auch in der Peripherie dokumentierte.

Dass ein Dorf wie Rodenbach ein solches Gehöft vorweisen kann, hebt es historisch hervor. Hier wurde deutlich, dass Rodenbach Teil einer größeren politischen Landschaft war, die vom Königreich Preußen dominiert wurde. Dieses Erbe macht das Anwesen zu einem kulturhistorischen Schatz, der nicht nur lokal, sondern auch landesgeschichtlich Bedeutung hat.

Doch trotz dieser Einordnung bleibt das Gehöft unbeachtet. Fotos des Anwesens belegen eindrücklich den Zustand: Das Gebäude steht da, ohne dass erkennbar wäre, dass die Gemeinde Schritte zum Schutz oder zur öffentlichen Würdigung eingeleitet hat. Weder im Jubiläumsjahr noch in der laufenden Kulturpolitik findet das Lochseif-Gehöft einen Platz.

So entsteht ein bedrückender Widerspruch: Während vielerorts preußische Bauten sorgfältig restauriert und als identitätsstiftende Orte genutzt werden, lässt Rodenbach seine eigene Perle preußischer Kulturgeschichte gezielt verfallen, um Sanierungskosten zu sparen. Das Schweigen der Verwaltung gefährdet nicht nur den baulichen Bestand, sondern auch das Bewusstsein für die Epoche, die das Gesicht der Gemeinde nachhaltig geprägt hat.

Aus diesen genannten Gründen hat die FDP-Rodenbach die Rettung und Entwicklung eines langfristigen Erhaltungs- und Nutzungskonzepts mit Priorisierung nach Dringlichkeit einschließlich einer Erarbeitung von Finanzierungsmöglichkeiten in das Wahlprogramm zur Kommunalwahl 2026 aufgenommen.

Quelle: Marc Höricht

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