Die SPD Gelnhausen weist die jüngste Stellungnahme von Bürgermeister Litzinger zum Hochwasserschutz entschieden zurück: Die offenbar viele Jahre vernachlässigten Maßnahmen zum Hochwasserschutz sind dringlich vorzunehmen.
Besonders im letzten Absatz seiner Antwort auf eine Anfrage der SPD-Fraktion, in dem Bürgermeister Christian Litzinger (CDU) den Haushaltsstreit bemüht, wird nach Auffassung der SPD deutlich, wie wenig belastbar seine Argumentation in der Sache ist. Der Versuch, fehlende Haushaltsbeschlüsse als Ursache für ausbleibende Hochwasserschutzmaßnahmen darzustellen, greift fachlich nicht – und politisch ist er allzu durchsichtig.
Litzinger behauptet dabei, fehlende Haushaltsbeschlüsse würden die Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen verzögern. Das ist fachlich falsch und politisch durchsichtig. Denn: Es existiert weder ein Beschluss zu konkreten Hochwasserschutzmaßnahmen, noch liegt nach Kenntnis der SPD ein einziger Antrag bei der Oberen Wasserbehörde vor – es sei denn, der Bürgermeister hat wieder ohne Beschlüsse gearbeitet. Ohne genehmigungsfähige Planung, ohne wasserrechtlichen Antrag, ohne Förderzusage des Landes – und ohne irgendeine vorbereitende Beschlusslage – kann kein Haushalt der Welt etwas beschleunigen.
Tatsächlich beginnt die Verwaltung offenbar erst jetzt – nach erneuter Nachfrage der SPD – damit, das Hochwasserschutzkonzept aus dem Jahr 2006 wieder aufzuarbeiten. Am 1. Oktober 2025 hatte die Stadtverordnetenversammlung auf Initiative der SPD klar beschlossen, dieses Konzept vorzulegen und einen aktuellen Sachstandsbericht zu erstellen. Geschehen ist seitdem nichts. Vier Monate später wird nun angekündigt, die Unterlagen „aufzuarbeiten”. Das ist kein Fortschritt, sondern das verspätete Nachholen einer beschlossenen Pflicht.
Selbst wenn die Verwaltung heute ernsthaft mit einer Maßnahmenplanung beginnen würde, gilt: Von der ersten fachlichen Planung bis zur wasserrechtlichen Genehmigung vergehen erfahrungsgemäß zwei bis drei Jahre – wenn alles zügig läuft. Erst danach kann gebaut werden. Erst danach werden entsprechende Haushaltsmittel wirksam benötigt. Bis dahin müsste selbst Bürgermeister Litzinger in der Lage sein, einen genehmigungsfähigen Haushalt vorzulegen. Diese Verantwortung kann er nicht auf die Fraktionen abwälzen.
Besonders befremdlich ist zudem der Versuch, die neue Flutmulde an der Westspange als Beispiel für aktive Hochwasserschutzmaßnahmen zu präsentieren. Fachlich handelt es sich dabei um eine Kompensationsmaßnahme für durch den Bahnausbau verlorengegangenen Retentionsraum. Sie ersetzt zerstörten Rückhalteraum – sie schafft keinen zusätzlichen Schutz. Dass dieser Zusammenhang in der Stellungnahme unerwähnt bleibt, irritiert.
Im Lichte dieser Argumentation fühlt man sich an einen Satz aus der Spätantike erinnert, der dem Philosophen Boethius zugeschrieben wird: „Si tacuisses, philosophus mansisses” – „Hättest du geschwiegen, wärst du ein Philosoph geblieben.” Die zeitliche Distanz von anderthalb Jahrtausenden ändert nichts an seiner Aktualität: Manchmal offenbart erst das Reden die Schwäche einer Position. Auch im kommunalpolitischen Alltag der Gegenwart gilt, dass Ausführungen, die einer fachlichen Überprüfung nicht standhalten, mehr Fragen aufwerfen als klären.
Die SPD Gelnhausen bleibt dabei: Hochwasserschutz ist eine ernste Aufgabe. Wir erwarten eine vollständige, transparente und fachlich belastbare Darstellung des bestehenden Konzepts, eine klare Priorisierung möglicher Maßnahmen, eine realistische Zeitplanung und eine ehrliche Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit. Verantwortung zu übernehmen heißt, Probleme strukturiert zu lösen – nicht, die Schuld für Verzögerungen anderen zuzuschieben.
Quelle: Redaktion MKK Echo

