Die SPD Gelnhausen kritisiert, dass der Magistrat einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 1. Oktober 2025 bislang nicht umgesetzt hat. Der von der SPD eingebrachte Antrag sah vor, das Hochwasserschutzkonzept der Lotz AG aus dem Jahr 2006 im vierten Quartal 2025 öffentlich vorzustellen und zudem einen Sachstandsbericht zur Hochwassersituation in der Südstadt vorzulegen. Beides ist bis heute nicht erfolgt.
„Es liegt ein eindeutiger Beschluss vor, doch der Magistrat bleibt untätig”, erklärt Ortsvorsteherin Victoria Schmidt (Gelnhausen-Mitte). „Die Verwaltung ist verpflichtet, die Stadtverordnetenversammlung und die Öffentlichkeit umfassend zu informieren – insbesondere bei einem Thema, das unmittelbar die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger betrifft.”
Der SPD-Antrag forderte konkret, die öffentliche Vorstellung des ursprünglichen Hochwasserschutzkonzepts der Lotz AG von 2006; die Darstellung aller seitdem erfolgten Aktualisierungen und bereits umgesetzten Maßnahmen; ein Maßnahmen-Controlling mit Bewertung der Wirksamkeit; sowie einen Sachstandsbericht zur Südstadt, insbesondere zum ehemaligen Joh-Gelände und zu den anstehenden Infrastrukturmaßnahmen der Deutschen Bahn.
„Keiner dieser Punkte wurde erfüllt”, stellt SPD-Fraktionsvorsitzender Rudi Michl fest. „Weder hat der Bürgermeister das Konzept vorgestellt, noch wurde ein Sachstandsbericht vorgelegt.”
Die Situation ist auch deshalb kritisch, weil sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren deutlich verändert haben. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat das geplante Rückhaltebecken im Oberlauf der Kinzig aufgrund von Hangrutschungsgefahr verworfen. Die ursprünglich erwartete Absenkung der Hochwasserwelle um rund 20 Zentimeter entfällt damit – ein erheblicher Verlust an Schutzwirkung für Gelnhausen.
Hinzu kommt die besondere geologische Lage der Stadt. Große Teile Gelnhausens liegen nicht auf gewachsenem Fels, sondern auf einer abgerutschten Geröllstruktur. Bei langanhaltendem Regen, Starkniederschlägen oder schneller Schneeschmelze im Vogelsberg kann sich der Untergrund stärker bewegen als in anderen Kommunen. „Das ist keine Dramatisierung, sondern eine bekannte geologische Ausgangslage”, so Victoria Schmidt. „Gerade deshalb brauchen wir Transparenz darüber, welche Schutzmaßnahmen bestehen und ob sie den aktuellen Risiken noch gerecht werden.”
Die SPD erinnert daran, dass unter Bürgermeister Thorsten Stolz zwischen 2007 und 2017 wichtige erste Maßnahmen umgesetzt wurden, darunter die Ertüchtigung von Dämmen an den Beruflichen Schulen und am Schandelbach, die Ausbaggerung der Kinzig sowie die Freilegung von Flutmulden. Wie der Stand der weiteren Umsetzung ist, bleibt jedoch unklar.
Vor dem Hintergrund des Klimawandels, zunehmender Extremniederschläge und der geplanten Bauvorhaben in der Südstadt gewinnt das Thema zusätzlich an Dringlichkeit. Jüngst hat auch der Main-Kinzig-Kreis in einer groß angelegten Katastrophenschutzübung ein Szenario mit langanhaltendem Dauerregen und einem extremen Hochwasserereignis im Kinzigtal durchgespielt. „Diese Übung zeigt, wie real solche Lagen inzwischen eingeschätzt werden”, erklärt die SPD. „Umso unverständlicher ist es, dass in Gelnhausen ein beschlossenes Hochwasserschutzthema nicht öffentlich behandelt wird.”
„Das nächste größere Hochwasser ist keine theoretische Größe, sondern eine Frage des Zeitpunkts”, erklärt Victoria Schmidt abschließend. „Wir erwarten, dass der Magistrat den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung unverzüglich umsetzt und für Transparenz sorgt.”
Sollte dies weiterhin nicht geschehen, kündigt die SPD Gelnhausen an, das Thema erneut auf die Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung zu setzen.
Text: SPD Gelnhausen
Quelle: Redaktion MKK Echo

