Frach mich nett würde wahrscheinlich der Stadthof antworten. Aber man sollte sich
trotzdem fragen, ob es dem „Zukunftsprojekt“ langfristig gut geht. Denn für die einen
ist der umgewandelte ehemalige Kaufhof ein Hoffnungsträger, der ein
Strukturproblem löst, für andere ein kommunales Kaufhaus, also so etwas wie ein
kommunales (volkseigenes) Kaufhaus oder ein VEB Stadthof, der sich nicht
wirtschaftlich rechnet und für Dritte ein provinzieller Palazzo Prozzo, der von
ambitionierten Kommunalpolitkern als Prestigeobjekt verwendet wird und viel Geld
kostet. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwie in der Mitte. Auch wenn manche
gerne auf den Einzelhandelscharakter hinweisen, könnte es ohnedies kein
kommunales Kaufhaus sein, da das nach der HGO nicht zulässig wäre. Deshalb wurde
ein multifunktionales Konzept gewählt, u.a. mit Kulturangeboten, Sportangeboten und
eben Einkaufen. In dieser Hinsicht ist es aber kein innovatives Konzept, da solche
Häuser schon existieren.
Auch wenn solche Konzepte nicht der strengen Kommunalaufsicht unterliegen, sollte
man sich über die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit einer staatlichen (städtischen)
Investition Gedanken machen. Das Gebäude wurde für 25 Mio. € gekauft wovon –
wenn man die Bodenrichtwertkarte zugrunde legt – lediglich 5 Mio. € auf den
Grundstückswert entfallen. Weiterhin wurde oder werden wohl noch mindestens 40
Mio. € für Umbau und Sanierung aufgewendet. Bei einer geschätzten
Investitionssumme von 65 Mio. € fallen natürlich spätere Kosten an. Bei einem
Gebäude, dass 1957 gebaut wurde, sollte man mit 4% Erhaltungskosten – also 2,6 Mio.
€ – rechnen. Dazu kommen noch umfassende Verwaltungs- und Betriebskosten, die
u.a. für die 39 Mitarbeiter oder Strom benötigt werden. Wenn man hierfür pauschal
2% der Investitionssumme ansetzen würde, käme noch einmal 1,3 Mio. € hinzu. Da das
Gebäude auch noch finanziert werden muss, fallen noch Kreditkosten an. Selbst wenn
die Stadt sehr günstige Konditionen erhält, sollte man mit 3% rechnen. Insgesamt
kommt schon bei dieser vereinfachten Rechnung auf eine jährliche Belastung von 5,85
Mio. € oder knapp ½ Mio. € monatlich. Diese müsste über Einnahmen kompensiert
werden, wenn man den gesetzlichen Richtlinien zur Wirtschaftlichkeit von
Beteiligungen gemäß HGO § 121 genüge leisten wollte. Sehr wahrscheinlich wird man
den Stadthof nicht wirtschaftlich gestalten können, somit bleibt er ein weiterer
Zuschussbetrieb mit hohem wirtschaftlichen Risiko, das in diesem Fall die Stadt Hanau
übernimmt. Denn im Vergleich zum Brüder-Grimm Forum oder City Center, bei denen
die Stadt auch als Ankermieter erheblich zur Finanzierung beiträgt, trägt beim Stadthof
die Stadt Hanau das langfristige Risiko als Betreiber wohl alleine. Natürlich ist es
kurzfristig eine spektakuläre Lösung, da ein Leerstand für die Stadt imageschädlich
wäre. Langfristig ist es aber eine teure Lösung, da eine Stadt in der Größe Hanaus den
Strukturwandel im Handel mit diesem Vorgehen nicht aufhalten kann. Staatliche
Rettungsinvestitionen in Wirtschaftsbereichen entfachen meistens nur ein Strohfeuer.
Am Ende müssen die Bürger Hanaus (Grundsteuer) oder Hessens (kommunaler
Finanzausgleich) die Zeche zahlen. Ob der Stadthof das Schicksal des Berliners Palazzo
Prozzo teilt, bleibt abzuwarten, aber ohne eigene Wirtschaftlichkeit wird der
Hoffnungsträger wahrscheinlich keine Zukunft haben.
Prof-Dr. Ralf-Rainer Piesold
Stadtrat a.D.
ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter
Quelle: Redaktion MKK Echo