Am 11. April 1945 wurden die Häftlinge aus dem Konzentrationslager Buchenwald befreit. Die Befreiung aus den anderen Lagern erfolgte ebenfalls kurz danach.
Zu den Häftlingen in Buchenwald gehörten auch fast 650 Zeugen Jehovas. Darunter waren auch einige aus der Region des Main-Kinzig-Kreises. SS-Obersturmbannführer Rödl versuchte auf sie Druck auszuüben indem er erklärte: „Wenn einer sich weigert gegen Frankreich oder England zu kämpfen, dann müsst ihr sterben!“. Das Ergebnis: Kein einziger Zeuge gab nach, obwohl sie von zwei SS-Kompanien in voller Ausrüstung umgeben waren.
Danach wurden sie sehr schlecht behandelt, aber die Androhung des Offiziers wurde nicht wahr gemacht. Die Zeugen weigerten sich auch, irgendetwas zu tun, wodurch sie den Krieg unterstützt oder einem Mithäftling geschadet hätten. Ihre Einstellung war nicht: Um jeden Preis das eigene Leben retten. Stattdessen bekundeten sie aufopferungsvolle Liebe zueinander.
Der Journalist Edgar Kupfer-Koberwitz, selbst KZ-Häftling, schrieb über ein Gespräch mit einem jungen Mann über die Bibelforscher: „Sie trugen alles Brot zusammen, das sie hatten, nahmen die Hälfte davon und legten die andere Hälfte ihren Brüdern hin, ihren Glaubensbrüdern…Bevor sie aßen beteten sie, und nachher hatten alle glückliche Gesichter. Da habe ich mir gedacht: Das sind die wahren Christen. So habe ich sie mir vorgestellt. Warum können wir Juden nicht so sein?“.
Zu den Häftlingen, die aus den Lagern befreit wurden gehörten auch Zeugen Jehovas aus der Region. Damals waren sie auch noch als Bibelforscher bekannt. Überliefert sind die Namen folgender Häftlinge:
Ernst Schwalm aus Bad Soden-Salmünster. Er war insgesamt in sieben Konzentrationslagern inhaftiert, darunter Buchenwald, Majdanek, Lublin, Auschwitz, Mauthausen und Melk am Ebensee. Er überlebte die Haft und übte dann seinen Beruf als Heilpraktiker in Bad Soden-Salmünster und in Büdingen wieder aus.
Nikolaus Kuprian aus Hutten war Häftling in Buchenwald, Lichtenburg und Ravensbrück, wo er am 26. September 1942 ermordet wurde. Auch Friedrich Melchior Lins stammte aus Hutten. Er kam als Häftling in das Lager in Buchenwald. Dort wurde er am 18. April 1939 nach Hutten entlassen. Er musste sich aber auf Anordnung der Gestapo Berlin an jedem dritten Werktag bei der zuständigen Ortspolizeibehörde melden.
Aus Wolferborn ist Wilhelmine Hoffmann bekannt. Sie erlitt die Haft in Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück. Ihr Ehemann Josef Hoffmann wurde nach Dachau und von da aus nach Mauthausen verlegt. Beide überlebten die Haft und wurden schließlich befreit.
Karl Finkernagel aus Altenstadt kam in das Konzentrationslager Buchenwald. Dort verstarb aufgrund der Haftfolgen am 24. August 1937.
Schließlich ist noch Wilhelm Hassler aus Nieder-Mockstadt zu erwähnen. Er wurde in die Lager in Dachau, Mauthausen und Gusen eingeliefert. Seine Befreiung erlebte er am 5. Mai 1945.
Nach einem einstimmigen Beschluss des Deutschen Bundestages wird am 24. Juni 2026 ein Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas im Berliner Tiergarten eingeweiht.
Quelle: Hans-Joachim Schalies

