Main-Kinzig-Kreis. – Milde Winter und steigende Temperaturen führen dazu, dass Zecken inzwischen nahezu ganzjährig aktiv sind. Darauf weist das Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr des Main-Kinzig-Kreises hin. Bereits ab Temperaturen von etwa sieben Grad Celsius beginnen die Spinnentiere mit der Suche nach einer Blutmahlzeit. Eine klassische „Zeckenpause“ im Winter gibt es daher immer seltener.
Das Robert-Koch-Institut hat kürzlich die Liste der FSME-Risikogebiete in Deutschland veröffentlicht. Diese zeigt, dass sich die Risikogebiete in Deutschland weiter ausdehnen. „Die Dynamik verdeutlicht, dass die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis kein rein saisonales Problem mehr ist“, erklärt Dr. Wolfgang Lenz, Leiter des Amtes für Gesundheit und Gefahrenabwehr des Main-Kinzig-Kreises. Die Regionen südlich des Mains zählen bereits seit vielen Jahren zu den FSME-Risikogebieten. Menschen, die dort wohnen, arbeiten oder sich regelmäßig im Freien aufhalten, tragen ein erhöhtes Risiko für einen Zeckenstich.
FSME wird durch Viren übertragen, die das zentrale Nervensystem befallen können. Die Erkrankung beginnt häufig mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Schwindel sowie Erbrechen. Nach einer kurzen fieberfreien Phase kann es in schweren Fällen zu einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung kommen. Mögliche Langzeitfolgen sind anhaltende Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen oder Lähmungserscheinungen. Besonders bei älteren Menschen besteht das Risiko bleibender Schäden, während Kinder die Erkrankung meist besser überstehen.
Da es gegen FSME keine ursächliche Therapie gibt, kommt der Prävention besondere Bedeutung zu. Das Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr empfiehlt daher die FSME-Impfung für Personen in Risikogebieten, die ein erhöhtes Expositionsrisiko haben. „Die Impfung ist der wirksamste Schutz vor einer Infektion“, betont Dr. Wolfgang Lenz. „Wir raten dazu, den eigenen Impfschutz überprüfen zu lassen und fehlende Impfungen oder Auffrischungen rechtzeitig nachzuholen. Nach jedem Zeckenstich sollte auch der Tetanus-Impfschutz überprüft werden.“
Im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen sowie im Haus der Gesundheit in Hanau werden für Kinder und Erwachsene alle Impfungen angeboten, die gemäß den aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts vorgesehen sind, dazu zählt auch die FSME-Impfung. Das Angebot richtet sich vor allem an Menschen ohne Zugang zu einer hausärztlichen Versorgung oder ohne Krankenversicherung. Für notwendige Impfungen sollte in erster Linie die Hausarztpraxis aufgesucht werden.
Weitaus häufiger als FSME wird durch Zeckenstiche die Borreliose übertragen. Je nach Region ist bis zu ein Drittel der Zecken mit Borrelien infiziert. Typisch ist eine ringförmige Hautrötung um die Einstichstelle. Hinzu können Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen kommen. Unbehandelt drohen Spätfolgen wie Gelenk-, Herzmuskel- oder Nervenentzündungen. Einen Impfschutz gegen Borreliose gibt es bislang nicht. Wird die Erkrankung jedoch frühzeitig erkannt, lässt sie sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln.
Klimawandel begünstigt neue Zeckenarten
Durch den Klimawandel breiten sich zudem neue Zeckenarten in Deutschland aus, darunter die Hyalomma-Zecke oder die Auwaldzecke. Für den Umgang mit einem Stich gelten jedoch die gleichen Empfehlungen wie beim Gemeinen Holzbock, der hierzulande am häufigsten vorkommt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt folgende Maßnahmen:
Ø Unterholz und hohes Gras möglichst meiden und auf festen Wegen bleiben;
Ø lange Kleidung und festes Schuhwerk tragen;
Ø helle Kleidung wählen, um Zecken leichter zu entdecken;
Ø nach Aufenthalten im Freien den Körper gründlich absuchen – besonders Kopf und Hals, Achseln, Leistenbereich und Kniekehlen;
Ø Mittel zur Zeckenabwehr (sogenannte Repellentien) können zeitlich begrenzten Schutz bieten.
Kommt es dennoch zu einem Stich, sollte die Zecke möglichst rasch entfernt werden:
mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte nah an der Haut greifen und langsam herausziehen. Die Zecke darf nicht gequetscht werden, zudem dürfen keine Hausmittel wie Öl, Klebstoff oder Nagellack zum Einsatz kommen. Im Anschluss ist die Einstichstelle zu desinfizieren. Bei anhaltender oder sich ausbreitender Rötung, Schwellung, Schmerzen oder Symptomen wie Fieber und Kopfschmerzen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Weitere Informationen erhalten Bürgerinnen und Bürger beim Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr unter der Telefonnummer 06051 8511650, in der Hausarztpraxis sowie auf den Internetseiten des Robert-Koch-Instituts und dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit.
Quelle: Redaktion MKK Echo

