Maintal. Nasse Wände, aufgebrochene Privaträume und unzuverlässige Absprachen: Bei der Sanierung der Gebäude der Nassauischen Heimstätte in Maintal-Bischofsheim läuft vieles schief. Die über 200 Mietparteien fühlen sich allein gelassen. Jetzt werden sie von der Partei Die Linke unterstützt.
„Was die Menschen hier aushalten müssen, ist wirklich eine Zumutung“, sagt Oliver Körting von den Linken. Der Sprecherinnenrat um Jeannette Gremmel, Jan Fiedler und Oliver Körting hat sich in den vergangenen Wochen selbst ein Bild von den Zuständen auf der Baustelle und in den Wohnungen machen können.
In den Straßenzügen Goethestraße, Gerhart-Hauptmann-Straße und Schillerstraße steht eine Reihe von Häusern, die der Nassauischen Heimstätte gehören und nun sukzessive durch die Firma Renowate energetisch saniert werden sollen. Insgesamt sind über 200 Mietparteien betroffen. „Es gibt viele Menschen, die hier seit Jahrzehnten wohnen“, so Körting . „Eine Mieterin, mit der wir gesprochen haben, wohnt seit 60 Jahren hier. Aber inzwischen denken selbst diese Menschen darüber nach, wo sie sonst hin können.“
Vom Immobilienkonzern im Stich gelassen
„Eigentlich standen wir der Sanierung positiv gegenüber“, sagt Doro S., selbst Mieterin in der Siedlung. Ihren kompletten Namen möchte sie lieber nicht gedruckt lesen. Zu groß ist die Sorge vor persönlichen Folgen vonseiten der Nassauischen und der Renowate. Inzwischen seien alle nur noch entnervt, sagt Doro S.. „Uns wurde zum Beispiel versprochen, dass wir Fenster in der gleichen Größe kriegen. Aber wir haben nachgemessen: 31% weniger Glas. Da ist die Wohnung viel dunkler.“ Dann sei das Haus zwar besser isoliert, aber man müsse auch tagsüber das Licht anmachen.
Doch das ist nur eines von vielen Problemen. Denn in der Bauzeit fallen immer wieder Mängel auf. „Wir haben tropfnasses Dämmmaterial eingebaut bekommen“, sagt Doro S.. Das sei dann dennoch einfach verputzt worden. „Ich wohne seit 40 Jahren hier und hatte nie Feuchtigkeitsprobleme in meiner Wohnung, aber jetzt schon.“ Sie fühlt sich von der Nassauischen und der Renowate im Stich gelassen. „Wir werden nicht ernst genommen und immer vertröstet. Termine werden nicht eingehalten. Und wir müssen uns inzwischen ständig unbezahlten Urlaub nehmen, um dann zuhause zu sitzen und zu hoffen, dass jemand kommt.“
„Wir haben hier engagierte Menschen, die in sozialen, systemrelevanten Berufen arbeiten“, sagt Oliver Körting von der Linken und fordert: „Gerade von einer Firma, die unter mehrheitlicher Beteiligung vom Land betrieben wird, erwarte ich mehr: bessere Kommunikation, bessere Umsetzung – und nicht zuletzt das nötige Fingerspitzengefühl.“
„Flächendeckender Missstand“
Eine weitere Mieterin musste gar ihre Wohnung nach Wasserschaden verlassen, der während der Arbeiten entstand. Methap A. kritisiert die sehr lange Reaktionszeit: „Ich habe von Oktober bis Dezember in der schimmeligen Wohnung gelebt. Ich war komplett im Stich gelassen.“
Methap A. wohnt im obersten Stockwerk – das Dach darüber wurde auch neu gedämmt. „Da kommt man schnell auf den Verdacht, dass auch hier unsauber gearbeitet wurde“, sagt Oliver Körting. „Die Erlebnisse von Methap und Doro sind absolut kein Einzelfall. Wir haben hier mit sehr
vielen Menschen gesprochen, uns die Wohnungen zeigen lassen und können sagen: Hier ist flächendeckender Missstand zu sehen.“
Die Lebensqualität leidet
Menschen können seit Monaten den Rollladen nicht herunterlassen oder ihre Balkone nutzen. Die Türen sind sichtbar erheblich schmaler als zuvor. Durch die Dämmung müssen Wände aufgestemmt werden, damit diese schmalen Türen überhaupt noch zu öffnen sind. „Aber mit Rollator oder der Wäschewanne kommt man durch diese Türen nicht mehr durch“, so Oliver Körting.
„Hier werden nicht nur keine Barrieren abgebaut sondern neue geschaffen und die Lebensqualität der Menschen erheblich beschnitten.“ Auch der kleine Lastenaufzug, der gerade älteren Menschen hilft, ist nicht funktionsfähig. In manchen Häusern geht das Treppenhauslicht nicht. Oft sei kurzfristig viele Stunden kein Strom mehr da.
„Das geht gar nicht“
Mit der Sanierung von Dach, Keller und Außenfassade geht derweil auch viel Arbeit für die Mieter einher. „Einige Menschen haben unter viel Zeit- und Kraftaufwand die Dachboden- und Kellerräume ordentlich für die Handwerker vorbereitet“, berichtet Oliver Körting von seinen Gesprächen, „nur um dann einige Tage später festzustellen, dass die Arbeiten zwar durchgeführt wurden, aber die Räume aufgebrochen und Kisten geöffnet wurden. Privaträume aufbrechen – das geht gar nicht.“
Andere Mieter, darunter auch Doro S., haben die Räume sicherheitshalber leer geräumt und alles in der Wohnung eingelagert. „Ich habe alle meine Sachen von Balkon, Dachboden und Keller hier in den Zimmern. Heißt: Weniger Wohnraum, Baulärm, Mängel an allen Ecken und trotzdem gleiche Miete.“ Ihr erscheint das nicht fair.
Viele Mieter sind mit den Nerven am Ende. Sie haben Angst sich gegen ihren Vermieter, die Nassauische Heimstätte, zu äußern. Gleichzeitig gibt es bereits eine Ankündigung für eine saftige Mieterhöhung. „Da kommen knapp 20% Mietsteigerung auf die Menschen zu. Manche haben uns ganz offen gesagt, dass sie sich das nicht leisten können“, so Oliver Körting von der Linken. „Wir organisieren daher eine Mieterinnenversammlung für die gut 200 Mietparteien. Denn zusammen braucht man keine Angst zu haben.“
Auch Probleme in Dörnigheim bei der Nassauischen
Inzwischen hätten auch Mieter aus der Waldsiedlung in Dörnigheim mit der Partei Kontakt aufgenommen, weil sie über Missstände klagen, sagen die Parteisprecher. Weitere 70 Mietparteien. Immobilienfirma auch dort: die Nassauische Heimstätte.
In Bischofsheim sind aktuell 94 Wohnungen mitten in der Sanierung. Die nächsten Gebäude werden vorbereitet. „Und wir bereiten uns auch vor“, sagt Doro S.. Zusammen mit der Linken wollen sie sich in der Siedlung stärker vernetzen und dafür Sorgen, dass das Baustellenchaos ein Ende findet. Denn aktuell ist auch der Zeitplan in Verzug.
Ansprechpersonen:
Die Linke Sprecher*innenrat Maintal
· Jan Fiedler
· Jeannette Gremmel
· Oliver Körting

Quelle: Redaktion MKK Echo

