StartRegion 4GelnhausenMinijobs: Zwischen Flexibilität und Fehlanreiz

Minijobs: Zwischen Flexibilität und Fehlanreiz

Wie entwickelt sich die Veranstaltungsbranche nach den schwierigen Corona-Jahren? Und welche Auswirkungen könnten die geplanten Änderungen bei Rente und Minijobs auf Unternehmen haben, die besonders auf flexible Arbeitszeitmodelle angewiesen sind? Darüber hat sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Wiegelmann bei einem Besuch der KS-Showtechnik GmbH in Gelnhausen mit Geschäftsführer Bernd Schreiber ausgetauscht.

Das Unternehmen vermietet und verkauft Medientechnik und betreibt mit dem „Warehouse Seven“ eine eigene Veranstaltungshalle, die bis zu 750 Gästen Platz bietet. Der Standort wurde 2021 errichtet und 2022 bezogen. Er bietet Raum für Lager, Technik und Veranstaltungen, von Konzerten über private Feiern bis hin zu Firmenevents.

Die Corona-Pandemie sei für die Veranstaltungsbranche ein schwerer Einschnitt gewesen, berichtete Schreiber. Seitdem habe sein Unternehmen sein Angebot stetig weiterentwickelt; zuletzt seien Konzerte wieder stärker in den Fokus gerückt – auch, weil bei vielen Unternehmen Einsparungen im Event- und Marketingbereich vorgenommen werden. Zudem habe er sein Angebot um einen Gastronomiebereich erweitert, der in Eigenregie betrieben werde, um die Wertschöpfung im Unternehmen zu halten. „Man muss kreativ bleiben und sich auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen“, so seine zentrale Erfahrung aus den vergangenen Jahren.

KS-Showtechnik beschäftigt 22 Mitarbeiter, darunter 11 Minijobber. Zum Team gehören unter anderem Studenten und ältere Beschäftigte. Schreiber machte deutlich, dass Unternehmen wie KS-Showtechnik auf flexible Beschäftigungsmodelle und verlässliche Minijobber angewiesen sind, um auf wechselnde Anforderungen im Veranstaltungsgeschäft reagieren zu können. Gerade in einer Branche mit unregelmäßigen Einsatzzeiten seien solche Modelle von großer Bedeutung.

Die Bundesregierung plant im Zuge der Rentenreform Veränderungen im Bereich von Minijobs, die nach jetzigem Stand künftig auf Schüler und Studenten beschränkt sein sollen. Damit sollen Fehlanreize beseitigt werden, die dazu führen, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit in einem regulären Beschäftigungsverhältnis reduzieren, um zusätzlich im Rahmen eines Minijobs tätig zu sein – ohne die Zahlung von Sozialabgaben.

Wiegelmann betonte, dass es bei den diskutierten Neuerungen nicht darum gehe, flexible Beschäftigung grundsätzlich infrage zu stellen. Vielmehr müssten die Regelungen so gestaltet werden, dass sich reguläre Arbeit und zusätzliche Leistung lohnten und die sozialen Sicherungssysteme langfristig zukunftssicher blieben. Ein Baustein hierfür sei die bereits in Kraft getretene Aktivrente, die Rentnern einen Steuerfreibetrag in Höhe von 2000 Euro im Monat ermöglicht.

Er hob zudem hervor, dass die anstehenden Reformen bei Rente, Gesundheit und Pflege zusammengedacht werden müssten. Die Alterssicherungskommission habe 33 Maßnahmen vorgelegt, die ineinandergreifen sollten. „Wenn wir einzelne Bausteine herauslösen oder verwässern, gefährden wir das Gesamtziel“, warnte der Bundestagsabgeordnete. Entscheidend sei, die Sozialversicherungssysteme langfristig zu stabilisieren und zugleich die Lohnnebenkosten zu begrenzen.

„Wir müssen die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sich Arbeit und Leistung lohnen“, so Wiegelmann weiter. Der Staat dürfe keine Fehlanreize setzen, die Menschen davon abhielten, mehr zu arbeiten. Zugleich müsse er die Realität mittelständischer Unternehmen berücksichtigen, die auf flexible Beschäftigte angewiesen seien. Die Herausforderung bestehe darin, beides miteinander zu verbinden: notwendige Flexibilität für Betriebe und eine solide Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme.

Wiegelmann dankte Bernd Schreiber für die offenen Einblicke und das sachliche, konstruktive Gespräch. Die geschilderten Erfahrungen aus der Unternehmerpraxis will er mit in die politische Diskussion nach Berlin nehmen.

Quelle: Team Wiegelmann

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