Immer wieder sind es gezielt manipulierte
Fahrzeuge, die nicht nur durch unnötigen Lärm auffallen, sondern auch erhebliche
Risiken für die Verkehrssicherheit mit sich bringen. Technische Veränderungen,
die zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führen, manipulierte Abgasanlagen oder
leistungssteigernde Umbauten sorgen dafür, dass Fahrzeuge nicht mehr den
gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Solche Verstöße sind kein Kavaliersdelikt:
Sie beeinträchtigen die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, erschweren die
Arbeit der Kontrollbehörden und führen immer wieder zu gefährlichen Situationen
im Straßenverkehr. Genau deshalb haben die Verkehrsspezialisten des Sachgebiets
“Tuner, Raser und Poser” (TRuP) am Mittwochnachmittag erneut gezielte Kontrollen
durchgeführt – und wurden dabei gleich mehrfach fündig.
Gegen 15.45 Uhr fiel einer zivilen Streife der TRuP auf der Bundesstraße 448 bei
Obertshausen in Höhe des Tannenmühlkreisels ein Honda Civic auf. Bereits während
der Nachfahrt konnten die Beamten die deutlich wahrnehmbaren Abgasgeräusche des
Fahrzeugs hören. Wenige Augenblicke später wurde der Honda jedoch plötzlich
ungewöhnlich leise – aus Richtung der Klappen-Abgasanlage waren plötzlich
keinerlei Abgasgeräusche mehr festzustellen.
Die Beamten stoppten den Wagen und kontrollierten den 54-jährigen Fahrer aus
Hainburg. Auf das auffällige Geräuschverhalten angesprochen, räumte dieser
sofort ein, eine unzulässige Fernbedienung zur Steuerung der Abgasklappen
eingebaut zu haben. Da durch diese Manipulation die Betriebserlaubnis des Honda
Civic erloschen war, stellten die Beamten das Fahrzeug sicher. Es wird nun einem
Sachverständigen zur Begutachtung vorgeführt. Den Fahrer erwartet ein Bußgeld in
Höhe von 90 Euro sowie die Kosten des Verfahrens.
Nur rund anderthalb Stunden später, gegen 17.10 Uhr, geriet auf dem Offenbacher
Spessartring eine Harley-Davidson in den Fokus der Spezialisten. Auch dieses
Motorrad fiel durch ein auffällig lautes Abgasgeräusch auf. Bei der
anschließenden Kontrolle erklärte der 59-jährige Fahrer aus Offenbach, die
Steuerung der Abgasklappen seiner Zubehör-Abgasanlage sei defekt. Er sei gerade
auf dem Weg zu einem Bekannten, um den Defekt beheben zu lassen.
Die Geschichte hielt einer genaueren Überprüfung jedoch nicht stand. Auf dem
Gelände des nahegelegenen Polizeipräsidiums stellten die Beamten fest, dass die
Steuerung der Abgasklappen offenbar wie von selbst wieder funktionierte und sich
die Klappen problemlos öffnen und schließen ließen. Eine anschließende
Standgeräuschmessung ergab einen Wert von 98,8 Dezibel – erlaubt gewesen wären
lediglich 88 Dezibel. Zudem schlossen die Abgasklappen während der Messung
nicht, wie gesetzlich vorgeschrieben. Auch bei diesem Fahrzeug war die
Betriebserlaubnis erloschen. Die Harley-Davidson wurde ebenso sichergestellt und
wird einem amtlich anerkannten Sachverständigen vorgeführt. Den Fahrer erwarten
ebenfalls ein Bußgeld in Höhe von 90 Euro sowie die Kosten des Gutachtens.
Und zuletzt eine Feststellung nach dem Motto “Man sieht sich immer zweimal…”:
Nach der Sicherstellung des Motorrads bemerkten die Beamten nämlich auf der
Mühlheimer Straße in Offenbach ein Fahrrad mit Elektromotor. Auffällig war, dass
sich das Zweirad mit mehr als 40 km/h fortbewegte, ohne dass der Fahrer dabei in
die Pedale trat. Den Tuning-Experten war das Gefährt bereits vor mehreren Wochen
aufgefallen. Damals hatte sich der Fahrer jedoch durch Flucht einer Kontrolle
entziehen können.
Diesmal gelang es den Beamten jedoch, das Zweirad anzuhalten und zu
kontrollieren. Dabei entdeckten sie einen Gasgriff am Lenker, mit dem das
Fahrzeug selbstständig beschleunigt werden konnte. Auf Nachfrage räumte der
38-jährige Fahrer aus Mühlheim ein, dass auf dem vermeintlichen E-Bike eine
manipulierte Software installiert worden war. Das Zweirad wurde sichergestellt
und wird nun begutachtet, um unter anderem die tatsächliche
Höchstgeschwindigkeit zu ermitteln.
Während der Kontrolle ergaben sich zudem Hinweise darauf, dass der Mann unter
dem Einfluss von Betäubungsmitteln stehen könnte. Ein freiwillig durchgeführter
Urintest reagierte positiv auf THC. Daraufhin wurde eine Blutentnahme
durchgeführt. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurde der Mann
entlassen. Auf den 38-Jährigen kommen nun mehrere Straf- und
Ordnungswidrigkeitenverfahren zu. Er muss sich unter anderem wegen des Verdachts
des Fahrens ohne Fahrerlaubnis, eines Verstoßes gegen das
Pflichtversicherungsgesetz sowie wegen Fahrens unter dem Einfluss von
Betäubungsmitteln verantworten.
Bildquelle: Polizeipräsidium Südosthessen (es zeigt das angehaltene und danach
sichergestellte Fahrrad mit Elektromotor)
Quelle: Polizeipräsidium Südosthessen

