Für Fachkräfte und Nachwuchs: Vortrag und Austausch im Congress Park Hanau
Wie gelingt ein gutes Miteinander verschiedener Generationen in der Kindertagesbetreuung – und welche Herausforderungen bringt der gesellschaftliche Wandel mit sich? Mit diesen Fragen hat sich eine weitere Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Kita Hanau denkt nach…” jetzt beschäftigt, zu der der städtische Eigenbetrieb Hanau Kindertagesbetreuung (EB Kita) in den Congress Park Hanau eingeladen hatte.
Rund 500 pädagogische Fachkräfte städtischer Kitas, Kitas freier Träger, Einrichtungen aus der Region, Studierende und Auszubildende aus dem Bereich sowie Mitarbeitende aus der Familienbetreuung nutzten die Gelegenheit, sich mit aktuellen Erkenntnissen aus der Generationenforschung auseinanderzusetzen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Den Auftakt und die Begrüßung des Nachmittags übernahmen Hanaus Bürgermeister und Sozialdezernent Dr. Maximilian Bieri sowie Astrid Weiermann, Leiterin des Eigenbetriebs Hanau Kindertagesbetreuung. Da der Referent aufgrund eines Staus verspätet eintraf, nutzten beide die zusätzliche Zeit zunächst für einen intensiven Austausch mit dem Publikum. So wurde unter anderem nach der Dauer der Tätigkeit in den Kitas gefragt – mit einem bemerkenswerten Ergebnis: Neben vielen jüngeren Fachkräften meldeten sich auch zahlreiche Mitarbeitende mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung, die dafür spontan großen Applaus aus dem Saal als Zeichen der Wertschätzung erhielten. Auch die Ausbildungsbeauftragten der Kitas wurden mit Beifall bedacht.
„Die Veranstaltungsreihe ‚Kita Hanau denkt nach…‘ bietet eine wertvolle Gelegenheit, innezuhalten, gemeinsam zu reflektieren und neue Perspektiven für die pädagogische Arbeit zu entwickeln“, betonte Bürgermeister und Sozialdezernent Dr. Maximilian Bieri im Rahmen der Veranstaltung. „Dass hier so viele Fachkräfte, Auszubildende und Studierende zusammenkommen, zeigt, wie groß das Interesse ist, sich mit den Herausforderungen unserer Zeit auseinanderzusetzen und voneinander zu lernen. Gerade mit Blick auf den gesellschaftlichen Wandel und die unterschiedlichen Erwartungen der Generationen ist dieser Austausch wichtiger denn je.“
Astrid Weiermann dankte den Teilnehmenden für die große Resonanz auf die Veranstaltung. „Wir sind jedes Mal aufs Neue beeindruckt, wie viele Rückmeldungen und wie viel Interesse es an diesem Format gibt“, sagte die Leiterin des Eigenbetriebs. „Es zeigt, dass der Beruf der Erzieherin und des Erziehers nach wie vor eine große Attraktivität besitzt und dass die Fachkräfte bereit sind, sich intensiv mit neuen Entwicklungen und Fragestellungen auseinanderzusetzen.“ Die Reihe „Kita Hanau denkt nach…“ verstehe sich bewusst als Raum für Reflexion und fachlichen Austausch jenseits des Kita-Alltags.
Vortrag von Generationenforscher Dr. Rüdiger Maas
Den fachlichen Impuls des Abends lieferte der Generationenforscher Dr. Rüdiger Maas. Der Psychologe, der das Institut für Generationenforschung in Augsburg mitgegründet hat und als gefragter Experte regelmäßig in Medien auftritt, widmete sich in seinem Vortrag den Veränderungen im Zusammenleben der Generationen und deren Auswirkungen auf Erziehung und pädagogische Arbeit.
Mit einer Mischung aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und humorvollen Beispielen zeigte Maas auf, wie sehr gesellschaftliche Entwicklungen das Verhalten und die Erwartungen verschiedener Altersgruppen prägen. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Rolle digitaler Medien und sozialer Netzwerke. Zugleich räumte Maas mit verbreiteten Vorurteilen gegenüber jüngeren Generationen auf – etwa der Annahme, sie verfügten automatisch über besonders ausgeprägte digitale Kompetenzen.
Auch auf die zunehmende Verunsicherung vieler junger Menschen ging der Generationenforscher ein. Diese sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass gesellschaftliche Orientierungspunkte weniger eindeutig geworden seien. Gerade deshalb sei es wichtig, bereits in der Kita Brücken zwischen den Generationen zu bauen, so eine zentrale Botschaft seines Vortrags. Dabei gehe es nicht darum, sich der jüngeren Generation anzubiedern, sondern den sozialen und demografischen Wandel sowie die digitale Lebenswelt der Kinder ernst zu nehmen und pädagogisch einzuordnen.
Im Anschluss nutzten Teilnehmende die Gelegenheit, sich über Erfahrungen in ihren Arbeitsalltag auszutauschen. Stehtische im Foyer luden zum Networking ein, zudem konnten die Gäste ihre Eindrücke und Anregungen auf vorbereiteten Feedbackkarten festhalten.
Für den Eigenbetrieb Hanau Kindertagesbetreuung ist die positive Resonanz ein deutliches Signal, die Veranstaltungsreihe weiterzuführen. „Die große Beteiligung zeigt, wie wichtig solche Gelegenheiten zum Austausch und zur fachlichen Weiterentwicklung sind“, sagte Astrid Weiermann. „Wenn wir die Qualität unserer pädagogischen Arbeit weiter stärken wollen, müssen wir uns immer wieder Zeit nehmen, gemeinsam nachzudenken, neue Impulse aufzunehmen und den Blick auch über den Kita-Alltag hinaus zu richten.“
Hintergrund: Städtischer Eigenbetrieb Hanau Kindertagesbetreuung
Gegründet wurde der Eigenbetrieb im Jahr 2005 mit 23 städtischen Einrichtungen, 23 Einrichtungen in freier Trägerschaft und etwa 400 Mitarbeitenden. Heute zählen 30 städtische Kitas mit rund 700 Mitarbeitenden sowie 90 Tagespflegepersonen und 28 Einrichtungen in freier Trägerschaft zur „Kita Hanau“-Familie. Mehrere tausend Kinder werden täglich betreut – Tendenz steigend. Dementsprechend wird stetig am Ausbau der Betreuungskapazitäten gearbeitet: Seit Ende 2022 wurden im Rahmen des Ausbauprogramms insgesamt rund 628 neue Plätze geschaffen, darunter im Neubau der Kita Pioneer, in der Einrichtung am Campo Pond, durch Umstrukturierungen in bestehenden Kitas sowie durch die Reaktivierung inaktiver Gruppen. Durch weitere Maßnahmen, darunter Öffnungen bislang inaktiver und Ausbau bestehender Gruppen, dem Neubau der Kita „Am Hochgericht“, einem Anbau in Mittelbuchen sowie neuen Kooperationen mit freien Trägern, wird die Stadt bis 2030 weitere Betreuungsplätze schaffen.
Pressekontakt:
Stadt Hanau, Julia Oppenländer
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Quelle: Stadt Hanau

