„Behauptung 36 – Positionen ostdeutscher Malerei“ zum Tag der Deutschen Einheit, der bereits 36 Jahre in Einheit gefeiert werden kann.
In deutschen Familien, die zwischen 1949 und 1989 die DDR verlassen haben, sei es durch Flucht, Ausbürgerung oder mit der seltenen Hilfe eines Ausreiseantrages oder durch Ankauf durch die Bundesrepublik Deutschland, wird es ein großes Thema gewesen sein, ob es jemals eine „Deutsche Einheit“ geben wird. Viele sehnten sich diese Einheit herbei, nicht nur Familien, die im Westen lebten, sondern auch jene, die im Osten unter der Zwangsherrschaft des SED-Staates litten, das Land nicht verlassen konnten und in Freiheit leben wollten.
Es wird heftige und intensive Diskussionen gegeben haben zwischen Eltern, den Kindern, den Verwandten, Arbeitskollegen und den Freunden, ob und wann sie kommen möge – die Einheit. Die einen waren sicher, sie wird kommen, das wurde immer betont. Die Anderen waren skeptischer oder glaubten überhaupt nicht daran. Die CDU hielt immer an dem Ziel der „Deutschen Einheit“ fest. Die anderen westdeutschen Parteien gaben das Ziel auf oder stellten sich diesem nicht mehr. Manche wollten sie sogar verhindern. Für die SED, die Staatspartei der DDR war dies wie für die Sowjetunion ein „No Go“. Erst als Michail Gorbatschow in Moskau regierte, änderte sich dies. Jedoch nicht in der SED. Lange wurde in den Familien bis 1989 das Gebiet der DDR noch „SBZ- Sowjetische Besatzungszone“ oder kurz „Zone“ genannt.
Plötzlich war sie da, unvermittelt, überraschend ausgelöst von den Demonstrationen, Protestmärschen der Menschen in Ostdeutschland und von einem Zettel den Günter Schabowski, der die neuen Reiseregelungen für die DDR in einer internationalen Pressekonferenz verkündete, falsch zitierte, offensichtlich hatte er die Reiseregelung, die er verkünden sollte, nicht vollständig gelesen, denn er sagte, auf Nachfrage eines Journalisten: „Das tritt nach meiner Kenntnis …ist das sofort, unverzüglich!“
Nach diesem Satz liefen die Menschen zu den Grenzübergängen, die Grenzer waren von der Situation überfordert und öffneten die Schlagbäume an der Grenze. Es begann in der Bornholmer Straße, am Brandenburger Tor waren allerdings Truppen zusammengezogen worden, Wasserwerfer wurden eingesetzt, der Platz gewaltsam geräumt. Aber die Worte gingen wie ein Lauffeuer durch das Land. Es scheint in der Bornholmer Straße, Berlin, seinen Anfang genommen zu haben.
Jede „GÜST“ (Grenzübergangsstelle), jeder Grenzübergang folgte dem nächsten mit der Öffnung. Die Mauer war gefallen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989. Deutschland lag sich in West und in Ost in den Armen. Freude taumelte. Am 1. Juli 1990 trat die Währungs-. Wirtschafts- und Sozialunion in Kraft und die D-Mark galt seitdem auch auf dem DDR-Gebiet. Am 3. Oktober 1989 wurde die „Deutsche Einheit“ auf der Grundlage des Einigungsvertrages rechtlich vollzogen, die neu gegründeten Bundesländer: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen traten der Bundesrepublik bei. Welch eine Freude für alle hunderttausende feierten am Brandenburger Tor und Millionen Menschen in Deutschland. Fast jeder weiß noch heute, wo er am Tag des Mauerfalls war und wie er sich fühlte.
Die Ostdeutschen haben diese Einheit sich und Deutschland geschenkt, durch ihr Aufbegehren, durch ihren Freiheitswillen.
Heute 36 Jahre später, Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert seit vier Jahren unvermindert an. Man mag sich nicht ausmalen, was mit Deutschland geschehen wäre, was Putin 1989 mit den Ost- und Westdeutschen, mit Deutschland gemacht hätte, wenn er damals an der Macht gewesen wäre.
Die Wahlergebnisse der letzten Zeit sind zur Kenntnis zu nehmen. Viele Menschen in Deutschland haben ihre Wahlstimme Parteien gegeben, die die schrecklichen Zeiten der deutschen Geschichte leugnen, die Opfer des Nationalsozialismus verhöhnen, Antisemitismus zulassen, das Existenzrecht Israels bedrohen, Clan-Kriminalität verharmlosen und Mitbürger mit ausländischen Wurzeln ausweisen wollen. Deutsche haben die Verpflichtung zusammen-zustehen und dürfen das Geschenk der Einheit, das die Ostdeutschen machten, nicht verspielen, in dem zugelassen wird, dass Demokratie und Freiheit von jenen bedroht werden, die ein Interesse daran haben, unser Gesellschaftssystem, der Sozialen Marktwirtschaft zu zerstören oder zu schwächen. Es erfordert einen langen und intensiven Diskurs auf demokratischen Weg.
Die Freude den Tag der Deutschen Einheit in Freiheit zu feiern und zu erinnern, bietet die Ausstellung „Behauptung 36 – Positionen ostdeutscher Malerei“. In der Ausstellung können den künstlerischen Positionen der beteiligten Künstlern Elke Albrecht, Julia Tomasi Mütz, Jost Heyder und Mathias Perlet erlebt und sinnlich nachvollzogen werden. Sie alle wurden in der DDR geboren, an den bedeutenden Ausbildungsstellen Leipzig, Dresden, Halle oder Berlin ausgebildet und haben ihren Lebensmittelpunkt noch immer in den östlichen Bundesländern. Egbert V.F.Erbe 3. Oktober 2026
„Behauptung 36 – Positionen ostdeutscher Malerei“ Villa Bergstraße 50, 63517 Rodenbach OT Oberrodenbach Öffnungszeiten: FR 2.10. – SO 4.10. & FR 9.10. – SO 11.10.2026 jeweils 13.00 – 18.00 Uhr, Eintritt frei
Quelle: Egbert V.F. Erbe

