Freitag, Januar 23, 2026
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Im Zeichen des Ehrenamtes

Neujahrsempfang der Stadt Gelnhausen – Bürgerpreis CIVICUM in drei Kategorien vergeben
Mit einer launigen Rede, in der er auch die bekannten „Geduldsprojekte“ der Barbarossastadt nicht unerwähnt ließ, stimmte Gelnhausens Bürgermeister Christian Litzinger die Stadtgesellschaft beim Neujahrsempfang im Barbarossasaal des Main-Kinzig-Forums auf das neue Jahr ein. Im Anschluss auf seinen Rückblick und Ausblicke auf die Zukunft verlieh der Rathauschef den Bürgerpreis CIVICUM in drei Kategorien an Isabell Leske, den LebMalClub und den Arbeitskreis Ökumene der evangelischen Kirchengemeinde Meerholz-Hailer.

Zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Ehrenamt und der Stadtgesellschaft waren der Einladung gefolgt und nutzten die Gelegenheit, Christian Litzinger und seine Frau Christiane am Saaleingang persönlich zu begrüßen und aus den Händen von Schornsteinfegerin Andrea Putz einen Glückscent entgegenzunehmen. Auch Landrat Thorsten Stolz zählte zu den Gästen dieser kurzweiligen und unterhaltsamen Veranstaltung.

Mit Hintergrundmusik stimmte das Lounge-Duo „Shake“ auf den Abend ein, bevor Bürgermeister Christian Litzinger auf viele Projekte des Jahres 2025 zurückblickte und die kommenden Herausforderungen skizzierte. Dazu zählten finanzielle Belastungen wie steigende Ausgaben und Umlagen sowie hohe Defizite – etwa im Bereich der Kinderbetreuung. Er verschwieg auch nicht, dass hohe Investitionen nötig seien, „weil man in den vergangenen Jahren überwiegend von der Substanz gelebt hat.“ So seien 2025 Maßnahmen umgesetzt worden, „die teilweise seit den 1980er Jahren auf ihre Realisierung gewartet haben.“ Zur Sprache brachte der Rathauschef auch die Langzeitprojekte Stadthalle und Entwicklung des ehemaligen Joh-Areals. „Wir sind auf einem guten Weg“, versicherte Litzinger, der Bebauungsplan für das ehemalige Kaufhaus-Gelände befinde sich in der finalen Offenlage und die Baumaßnahmen sollen noch 2026 starten. Die Stadthallensanierung sei im Gange und auch aufgrund der Bindung an Fördermittel sei der straffe Zeitplan auf eine Wiedereröffnung 2028 ausgelegt. Zum Abschluss seiner Rede wies der Bürgermeister noch auf zahlreiche geplante Aktivitäten zum Todestag von Grimmelshausen hin, der sich 2026 zum 350. Male jährt.

Anschließend wurden Bürgerinnen und Bürger geehrt, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich engagieren und die sich 2025 um das Gemeinwohl verdient gemacht haben. Der Bürgerpreis CIVICUM wird in drei Kategorien vergeben und ist mit jeweils 500 Euro dotiert. Neben einer Urkunde erhalten die Geehrten auch eine gläserne Trophäe.

Als „Junge Heldin 2025“ wurde Isabell Leske geehrt. Sie arbeitet schon seit 2019 als Ehrenamtliche in der Kinderarbeit der Evangelischen Kirchengemeinden Haitz und Gelnhausen mit. Zudem hat sie zahlreiche überregionale Angebote der Jugendarbeit begleitet und zwei Jugendfreizeiten geleitet. Nach dem Abitur beschloss sie, ein freiwilliges Jahrespraktikum bei der Evangelischen Jugend der Evangelischen Kirchengemeinde Gelnhausen zu absolvieren und in der Schulseelsorge des Grimmelshausen-Gymnasiums mitzuarbeiten. In dieser Zeit hat sie drei Kindergruppen und zwei Jugendgruppen im Team geleitet, in den Teams der Stadtferien, der Konfirmandenarbeit und im Taizé-Team mitgearbeitet. Außerdem betreute Isabell Leske die „Ansprechbar“ am GGG und engagierte sich bei den Klassengemeinschaftstagen. Innerhalb eines Jahres kamen so etwa 1700 Stunden ehrenamtliche Arbeit zusammen. Um in dieser Zeit finanziell über die Runden zu kommen, hat die Preisträgerin in der Betreuung der Philipp-Reis-Schule gearbeitet.
Bürgermeister Christian Litzinger würdigte dieses starke Engagement als selbstlos und vorbildlich. Isabell Leske dankte ihrer Familie für die Unterstützung und das Aufladen ihrer „Social Battery“. Sie widmete den Preis auch ihrem Vorbild, dem Jugenddiakon Hartmut Winkler, der Isabell Leske für den Preis vorgeschlagen hatte.

Als „Alltagshelden“ zeichnete die Stadt den LebMalClub aus, ein Kooperationsprojekt der Lebenshilfe Gelnhausen und des Malteser Hilfsdienstes. Seit rund 20 Jahren treffen sich Menschen mit Behinderung regelmäßig in den Räumen der Lebenshilfe in Altenhaßlau zu gemeinsamen Aktivitäten. Das Angebot umfasst Spielen, Basteln, Kegeln, Schwimmen, Singen, Kino- und Discobesuche, Karnevalsaktivitäten, Sommerfeste, Bratwurstfeste, Feuerwehrbesuche, gemeinsames Pizzabacken und vieles mehr. Bürgermeister Christian Litzinger lobte das Projekt als „Meilenstein für gelebte Inklusion im Alltag und eine tolle Ergänzung zum bestehenden Angebot in unserer Stadt.“ Der LebMalClub wurde vom Geschichtsverein Gelnhausen vorgeschlagen.

Im Namen aller Beteiligten bedankte sich Norbert Böttge von der Lebenshilfe Gelnhausen für die Auszeichnung. „In dieser Kombination ist das Gemeinschaftsprojekt LebMalClub einmalig. Wir haben uns sehr gefreut, dass der Geschichtsverein dieses Projekt vorgeschlagen hat. Das ist eine besondere Wertschätzung für alle, die sich dafür engagieren und fast täglich seit über zwei Jahrzehnten mit Menschen mit Behinderung arbeiten“, sagte er.

Seit 1997 bietet der Arbeitskreis Ökumene der Evangelischen Kirchengemeinde Hailer mit großem Erfolg ein Kleiderbörsen-Projekt an, dessen Erlös regelmäßig in internationale Bildungsprojekte fließt und zudem noch hilft, die Kleidermüllberge der Welt ein wenig kleiner zu halten. Für dieses Projekt sowie verschiedene Initiativen und Aktivitäten, wie zum Beispiel ökumenische Begegnungen, wurde der Arbeitskreis in der Kategorie „Ehrenwerk“ ausgezeichnet.

Wie der Gelnhäuser Rathauschef ausführte, versteht sich der Arbeitskreis als eine ökumenische Arbeitsgruppe, die sich von dem Motto „Global denken – lokal handeln“ leiten lässt. Die bekannteste Aktivität ist die Kleiderbörse im Herbst, mit der der Arbeitskreis einen Beitrag zur Nachhaltigkeit und zur Begegnung leistet. Vor über 20 Jahren gegründet, ist die jährliche Kleiderbörse dank der Hilfsbereitschaft und Unterstützung eines immer größer gewordenen Freundes- und Helferkreises ein Verkaufs-Event und ein Treffpunkt für ein Schwätzchen zwischendurch geworden. Im Vorfeld der Kleiderbörse werden immense Mengen an Kleidung bewegt, sortiert, etikettiert und – wie im vergangenen Jahr – etwa 8000 Teile verkauft. Der Rest wird an Projektpartner wie die Malteser Hasselroth, den Stadtladen Gelnhausen, das Tierheim Gelnhausen (überwiegend Abgabe von Decken), die Brockensammlung Bethel oder Global Aid Network weitergegeben.
Mit dem Erlös unterstützt der Ökumenekreis seit fast drei Jahrzehnten Bildungsprojekte unter anderem in Syrien, im Libanon, Afghanistan, El Salvador, Malawi, Simbabwe, Gambia, Kenia, Kerala in Indien, der Ukraine und Bildungsprojekte vor Ort.

Stellvertretend für den Arbeitskreis bedankte sich Heidrun Slowik, die von Pfarrer Henning Porrmann und etlichen Aktiven auf die Bühne begleitet wurde, für die Auszeichnung. „Aber wir sind nur ein Teil des Teams. Normalerweise sind wir bis zu 40 Leute“, sagte sie.

Zum Abschluss bedankte sich Bürgermeister Christian Litzinger bei Annette Bönisch vom Team des Fachbereichs Kultur & Tourismus der Stadt Gelnhausen, die die Veranstaltung federführend organisiert hatte. Dann bestand bei Lounge-Musik, Getränken und Gelnhäuser Stangen noch die Möglichkeit, auf das neue Jahr anzustoßen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Für die Bewirtung sorgte in diesem Jahr der Verein „KunstWerk“.

Quelle: Redaktion MKK Echo

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