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StartRegion 1Nidderau„Ihre Firma war eine Lebensaufgabe“

„Ihre Firma war eine Lebensaufgabe“

Landrat Thorsten Stolz gratuliert Renate und Lothar Flehmer zur Diamanthochzeit

Ob es wohl am Hochzeitstag von Renate und Lothar Flehmer vor sechzig Jahren auch so heiß war wie in diesen Tagen? Eher nicht. Die Wetteraufzeichnungen sprechen für einen deutlich kühleren Mai 1966. Bei der Diamanthochzeit des Heldenberger Ehepaars ist das anders. Die Sonne brennt vom Himmel, als Landrat Thorsten Stolz und Nidderaus Bürgermeister Andreas Bär den beiden einen Gratulationsbesuch abstatten. Im Mittelpunkt der kleinen Feier standen Erinnerungen an sechs gemeinsame Jahrzehnte.

Zur diamantenen Hochzeit von Renate und Lothar Flehmer überbrachten Landrat und Bürgermeister die Glückwünsche des Main-Kinzig-Kreises und der Stadt Nidderau. Mitgebracht hatten sie Präsente und viele anerkennende Worte für ein Ehepaar, das nicht nur privat, sondern auch beruflich gemeinsam Geschichte geschrieben hat.

„Wenn man hört, was Renate und Lothar Flehmer gemeinsam aufgebaut haben, spürt man schnell, wie eng hier Familie, Handwerk und Zusammenhalt miteinander verbunden sind“, sagte Landrat Thorsten Stolz beim Gratulationsbesuch. „Hut ab: Die Flehmers sind ein wunderbares Beispiel für ein Ehepaar, das gemeinsam eine Familie und ein mittelständisches Unternehmen erfolgreich aufgebaut hat““, sagte Bürgermeister Andreas Bär bei seinem Besuch. Über Jahrzehnte hätten die Flehmers das Handwerk in der Region geprägt.

Kennengelernt haben sich das Heldenberger Mädchen und der junge Mann aus Schleswig-Holstein Anfang der 1960er-Jahre auf einer Faschingsveranstaltung. „Fasching und Kerb, das waren früher die Heiratsmärkte in den Dörfern“, erinnerte denn auch Landrat Thorsten Stolz. Am letzten Samstag im Mai 1966 feierten die beiden ihre kirchliche Hochzeit. Lange Flitterwochen gab es allerdings nicht: Bereits am darauffolgenden Montag musste Lothar Flehmer als Reservist für zwei Wochen zu einer Wehrübung.

Geboren wurde Lothar Flehmer in Stettin, aufgewachsen ist er nach dem Krieg in der Nähe von Ratzeburg. Nach seiner Ausbildung zum Maurer kam er Anfang der 1960er Jahre nach Heldenbergen. Dort machte er später seinen Meister im Fliesenlegerhandwerk und wagte 1974 den Schritt in die Selbständigkeit.

Gemeinsam bauten die beiden die Firma auf – er draußen bei den Kunden und auf den Baustellen, sie im Büro. Rechnungen, Buchhaltung, Steuer, Organisation: Renate Flehmer hielt dem Betrieb den Rücken frei. Nach der Schule hatte sie in Friedberg eine kaufmännische Ausbildung absolviert und in Hanau gearbeitet. „Ein Handwerker kann nicht beides machen: die Arbeit draußen und das Büro“, sagte Renate Flehmer. „Er wollte nie in Rente. Noch ein Jahr und noch ein Jahr und noch eins.“

Der Erfolg gab ihnen recht. In Hochzeiten beschäftigte der Betrieb 29 Mitarbeitende. Arbeiten der Firma Flehmer finden sich an vielen Stellen in Frankfurt, etwa an der Bockenheimer Warte oder im Exotarium des Frankfurter Zoos. Auch im Main-Kinzig-Kreis hinterließ der Familienbetrieb seine Spuren. „Es gibt wahrscheinlich keine Schule im Main-Kinzig-Kreis, an der Lothar Flehmer oder seine Mitarbeitenden keine Fliesenlegerarbeiten gemacht haben“, heißt es im Familienkreis. „Aufträge sind immer da, wenn man gute Arbeit macht und zuverlässig ist“, sagte Lothar Flehmer. „Wir haben eigentlich nie Werbung gemacht“, ergänzte seine Frau.

Auch die nächste Generation blieb dem Handwerk treu. Sohn Carsten, geboren 1973 – im selben Jahr, in dem die Familie ihr Haus in Heldenbergen baute, an dem vieles in Eigenleistung entstand –, machte ebenfalls den Fliesenlegermeister und führt den Betrieb seit der Übergabe im Jahr 2023 weiter. Heute beschäftigt die Firma noch einen Mitarbeiter. Tochter Kerstin ist ebenfalls gelernte Fliesenlegerin. Sie arbeitete sogar noch bis zum achten Schwangerschaftsmonat auf Baustellen mit und war unter anderem an den Arbeiten an der Hundertwasser-Kita in Frankfurt-Heddernheim beteiligt.

Neben Familie und Firma gehörten Marathonläufe zu Lothar Flehmers Hobbys. Beide engagieren sich weiterhin ehrenamtlich: Neun Jahre lang waren sie beim Deutschen Roten Kreuz aktiv und übernahmen Sanitätsdienste bei Festen und Veranstaltungen. Danach blieben sie dem DRK über Jahrzehnte als passive Mitglieder verbunden – insgesamt seit etwa 50 Jahren. Viel Zeit zum Reisen blieb dem Jubelpaar neben Arbeit und Familie kaum. „Wir sind wenig verreist. Waren mal in Finnland, an der Ostsee, in Norwegen und viel in Bayern“, berichtete Renate Flehmer. Heute freuen sich die beiden vor allem über ihre große Familie, zu der vier Enkelkinder und bald auch das dritte Urenkelkind gehören.

Zum Abschluss fand Landrat Thorsten Stolz sehr persönliche Worte für das Jubelpaar: „Ihre Firma war eine Lebensaufgabe. Das große verbindende Element, um das sich Arbeit, Freizeit, Kindererziehung, Freundschaften und Familie gruppierten. So lange mit einem Menschen verbunden zu sein und sich verbunden zu fühlen, ist ein großes Geschenk. Ich wünsche Renate und Lothar Flehmer, dass sie noch viele gemeinsame Jahre in Gesundheit miteinander verbringen können.“

Quelle: Main-Kinzig-Kreis

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