Dienstag, August 4, 2026
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Gegendarstellung der Energiegenossenschaft Main-Kinzigtal eGWindkraft in Bad Orb – Fakten statt Fehlinformation

Mit Interesse und Verwunderung haben wir den Pressebeitrag „Windkraft in Bad
Orb – teuer, fragwürdig und unpassend“ gelesen. Die dort von der örtlichen CDU
geäußerten Bedenken verdienen eine sachliche Diskussion. Allerdings enthält
der Text zahlreiche Aussagen, die falsch sind, verkürzt dargestellt werden und
wesentliche Zusammenhänge außer Acht lassen. Sie stehen darüber hinaus im
Widerspruch zu den Zielen der unionsgeführten Bundesregierung, die gerade die
gesetzliche Grundlage für einen massiven Ausbau der Windenergie in
Deutschland in den kommenden Jahren auf den Weg gebracht hat.
Als Energiegenossenschaft Main-Kinzigtal eG setzen wir uns seit über 16 Jahren
für eine regionale, bürgernahe und wirtschaftlich tragfähige Energiewende ein.
Dabei stehen für uns Transparenz, Faktenbezug und die Beteiligung der
Menschen vor Ort im Mittelpunkt.
Zunächst möchten wir auf einen wesentlichen Sachverhalt hinweisen: Die
geplanten Windenergieanlagen sollen zwar teilweise auf Bad Orber Gemarkung
und auch auf der Gemarkung Jossgrund errichtet werden. Eigentümer der
Flächen ist jedoch das Land Hessen bzw. der Landesbetrieb Hessen Forst.
Es handelt sich daher nicht um einen Windpark der Stadt Bad Orb oder auf Bad
Orber Stadtgebiet, sondern um ein Projekt auf Landesflächen innerhalb eines
ausgewiesenen Windvorranggebietes. Aus diesem Grund beeinträchtigt das
Projekt auch nicht andere Planungen der Stadt Bad Orb auf ihrem eigenen
Stadtgebiet.
Bad Orb kommt lediglich aufgrund der räumlichen Nähe in den Genuss der
gesetzlich vorgesehenen Kommunalbeteiligung von 0,2 Cent je erzeugter
Kilowattstunde, da sich die Stadtveranwortlichen entschieden haben, keine
eigenen Flächen für die Nutzung der Windkraft zur Verfügung zu stellen.
Dass die örtliche CDU nun aber meint, dass die daraus entstehenden
kommunalen Einnahmen von jährlich etwa 240.000, – € (und das mindestens 20
Jahre lang!), die zum überwiegenden Teil der Stadt Bad Orb zukommen werden angesichts der extrem schwierigen Finanzsituation der Kommunen und der
relativ hohen Verschuldung von Bad Orb nicht der Rede wert seien, hat uns
ehrlich gesagt erschreckt.
Und die finanzielle Teilhabe der Kommunen stellt dabei lediglich einen kleinen
Teil der regionalen Wertschöpfung dar. Hinzu kommen mögliche
Gewerbesteuereinnahmen, Pachteinnahmen (von Bad Orb nicht gewünscht),
Aufträge für regionale Unternehmen sowie die Möglichkeit einer direkten
Bürgerbeteiligung, z.B. über die Energiegenossenschaft Main-Kinzigtal eG.
Vollkommen falsch ist in diesem Kontext die Behauptung, der Rückbau alter
Windenergieanlagen werde vom Steuerzahler finanziert. Das ist leider beim
milliardenschweren Abbau alter Atomkraftwerke der Fall, nicht aber bei
Windparks. Hier muss der Projektinitiator finanzielle Sicherheitsleistungen und
angemessene Rückbaubürgschaften bei einer Bank hinterlegen, ohne die es
keine Genehmigung für den Windpark gibt. Für die dafür von der CDU in den
Raum gestellten Kosten von 2 Millionen € pro Anlage gibt es ebenfalls keine
Belege.
Auch wer den Eindruck erweckt, Bad Orb werde von den Windenergieanlagen
„überbaut“ oder in seiner Lebensqualität eingeschränkt, vermittelt ein
unzutreffendes Bild. Tatsächlich liegen die geplanten Standorte mehr als 3
Kilometer Luftlinie von der Bad Orber Innenstadt entfernt.
Diese geografische Einordnung ist für eine sachliche Bewertung von zentraler
Bedeutung, um die Diskussion auf Grundlage der tatsächlichen Gegebenheiten
und nicht aufgrund eines falschen Eindrucks von “massiven Belastungen” zu
führen.
Um es einfach zu sagen: Ein Windpark, der Trinkwasser verunreinigen würde,
der die Natur oder den Wald zerstört oder die Gesundheit von Menschen
aufgrund von Lärm oder anderer Emissionen beeinträchtigt, wird nicht
genehmigt. Geregelt ist dies im Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG), der
Grundlage für das Genehmigungsverfahren.
Auch das Prädikat „Heilbad“ und der Ausbau erneuerbarer Energien schließen
sich nicht grundsätzlich aus. Zahlreiche Kur- und Tourismusregionen zeigen,
dass sich Erholung und Energiewende miteinander vereinbaren lassen. Im
Gegenteil: Urlauber und insbesondere Wellness-Gäste erwarten heute ein
überzeugendes Konzept für einen nachhaltigen Tourismus – und dafür ist eine
klimafreundliche Energieversorgung ein zentraler Baustein. Interessant ist in
diesem Zusammenhang, dass die Nachbarkommune Bad Soden-Salmünster in
vergleichbarer Situation ganz andere Entscheidungen getroffen hat.

Der Hitzesommer 2026 mit riesigen Waldbränden und Milliardenschäden in ganz
Europa und bis heute 10.000 Hitzetoten allein in Deutschland sollte ein letzter
Weckruf sein. Gerade der Spessart leidet längst für jeden erkennbar unter den
Folgen des Klimawandels. Wer den Wald und damit die Basis für ein langfristig
lebenswertes Main-Kinzigtal erhalten möchte, muss auch einen Beitrag zum
Klimaschutz leisten.
Die Energiegenossenschaft Main-Kinzigtal eG respektiert unterschiedliche
Meinungen und die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger. Gleichzeitig appellieren
wir daran, die Diskussion auf der Grundlage überprüfbarer Fakten zu führen. Wir
stehen jederzeit für einen offenen, sachlichen und faktenbasierten Dialog zur
Verfügung.

Quelle: Energiegenossenschaft Main-Kinzigtal eG

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