Fünf Tage lang stand die Kopernikusschule Freigericht ganz im Zeichen europäischer Zusammenarbeit und historischer Erinnerung. Im Rahmen des Erasmus+-Projekts „Remembrance: Erinnerungskultur – Die Vergangenheit erinnern, um die Zukunft zu gestalten“ begrüßte die Schule Gäste des Lycée Les Iris Bordeaux aus Frankreich sowie des Södra Latins Gymnasium aus Stockholm.
Während der Projektwoche beschäftigten sich die Jugendlichen intensiv mit Aspekten der deutschen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg und mit verschiedenen Formen der Erinnerungskultur. Ziel war es, zu verstehen, wie Gesellschaften mit ihrer Vergangenheit umgehen und wie Erinnern zur Versöhnung und zum demokratischen Zusammenleben beitragen kann. Ein wichtiger Bestandteil des Programms war die Auseinandersetzung mit lokalen Erinnerungsorten. So analysierten die Schülerinnen und Schüler Denkmäler im Freigerichter Ortsteil Somborn und erhielten eine historische Stadtführung durch Gelnhausen. Dabei erfuhren sie mehr über die regionale Geschichte und diskutierten, wie lokale Gedenkstätten historische Ereignisse sichtbar machen.
Auch über die Region hinaus besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bedeutende Orte der deutschen Erinnerungskultur. Im Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main nahmen sie am Workshop „Flucht und Migration: das Beispiel Fritz Bauer“ teil. Zudem standen eine Führung durch die Norbert-Wollheim-Gedenkstätte sowie durch das IG-Farben-Haus auf dem Programm. Ein besonders eindrucksvolles Projekt beschäftigte sich mit der Lebensgeschichte eines jüdischen Mannes, der nach dem Zweiten Weltkrieg als amerikanischer Soldat in seinem ehemaligen Heimatdorf stationiert war. Grundlage bildete ein biografisches Videointerview. Die Schülerinnen und Schüler entwickelten darauf aufbauend moderne und kreative Ansätze für eine zeitgemäße Form des Gedenkens, die auch zukünftigen Generationen helfen soll, sich an diese Geschichte zu erinnern.
Ein weiterer Höhepunkt war ein Workshop in Point Alpha, einer ehemaligen Beobachtungsstation an der innerdeutschen Grenze. Dort setzten sich die Jugendlichen mit den amerikanisch-deutschen Beziehungen während des Kalten Krieges auseinander und erfuhren mehr über die politische Bedeutung dieses historischen Ortes.
Neben der inhaltlichen Arbeit spielte auch der interkulturelle Austausch eine große Rolle. Die Gäste aus Frankreich und Schweden waren während der Woche in Familien der deutschen Schülerinnen und Schüler untergebracht. So entstanden viele persönliche Begegnungen und neue Freundschaften. Den Abschluss bildete ein Präsentationsnachmittag mit Buffet und Zertifikatsverleihung durch den Schulleiter Christian Leinweber. Dabei stellten die internationalen Projektgruppen ihre Ergebnisse vor und reflektierten die Eindrücke der gemeinsamen Woche.
Organisiert wurde das Erasmus+-Projekt von Nicole Knappe-Credé, Marie-Luise Campen-Schreiner, Sebastian Ullrich und Helena Ziegler. Das Projekt zeigte eindrucksvoll, wie internationale Zusammenarbeit und historisches Lernen miteinander verbunden werden können – ganz im Sinne des Leitgedankens: aus der Vergangenheit lernen, um die Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Quelle: Thorsten Weitzel

