„Ah, das ist ja die dritte Jutta heute!“ Jutta lächelt Jutta an. Unterschrift, Widmung, ein Selfie. Die Schlange vor dem mit Büchern gefüllten Tisch nimmt nicht ab. „Wie viel Zeit haben wir denn noch? Aber ach, die ratschen ja alle noch“, sagt die Hauptdarstellerin des Abends und signiert weiter Buch für Buch. Die Pause dehnt sich. Niemand murrt. Jutta Speidel ruht in sich selbst. Die 24. Buchmesse Main-Kinzig in Nidderau erlebt in der voll besetzten, weiblich dominierten KuS-Halle einen gelungenen Auftakt.
Als eine der „bekanntesten, vielseitigsten und beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands“, hatte Erster Stadtrat Rainer Vogel sie angekündigt. Jutta Speidel, seit 50 Jahren auf der Bühne und vor der Kamera, mit dem Film „Fleisch“ berühmt geworden, mit Rollen in „Forsthaus Falkenau“, „Alle meine Töchter“ und „Um Himmels Willen“ zur deutschen TV-Legende avanciert. In Nidderau liest sie aus ihrem neuen Buch „Amaryllis“. „Das bin ich, Valerie“, stellt sie ihre Protagonistin vor. Valerie ist ihr Alter Ego, ebenfalls 1954 geboren. Ein Kind mit wilder Phantasie und großen Träumen. Sie will Clownin werden. Aber Clowns-Rollen werden immer mit Männern besetzt.
Speidel zeichnet die Stationen von Valeries Leben bis ins Jahr 2024 nach, ihren Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit. Letztlich gelingt es ihr, weil ihre große Liebe, der weltbekannte Artist Lorenzo, gesundheitsbedingt passen muss, beim großen Zirkusfestival in Monte Carlo in die Rolle des gefeierten Clowns zu schlüpfen. „Ich bin Clownin“, stellt Valerie am Ende fest. Ihr Humor und ihre Naivität haben sie vor dem Untergang beschützt. „Amaryllis“ ist eine Tour de Force, ein Leben lang offen für neue Wege zu sein.
Speidels Vorlesung wird getragen von ihrer Stimme, akzentuiert, bewegt, euphorisch, mühelos changierend zwischen Schwyzer Deutsch, Allgäuer Dialekt, italienisch und englisch. Zu einem besonderen Format wird der Abend, weil die Schauspielerin das Format einer musikalischen Lesung wählt. Peter Rodekuhr begleitet am Klavier. Ihre Tochter Antonia Feuerstein, eine ausgebildete Opernsängerin, streut hochtönig Lieder ein. Standing Ovations beenden den Abend.
Erster Stadtrat Vogel hatte zu Beginn für die Buchmesse und das Buch an sich geworben. Das Schreiben sei ein schöpferischer Gesamtprozess. Um in diese vielseitigen Welten eindringen zu können, benötige man nur etwas Licht, aber kein Update, keine App. Die Buchmesse Main-Kinzig in Nidderau bleibe etwas ganz Besonderes, eine Veranstaltung mit ungebrochener Attraktivität, sagte Vogel. Gleiches gilt für die Eröffnungsveranstaltung: In der Vergangenheit sorgten unter anderen Lars Reichow, Ingo Appelt, Rufus Beck, Christian Ehring, Jan Costin Wagner, Susanne Fröhlich und Henni Nachtsheim für voll besetzte Reihen.
Magistrat der Stadt Nidderau

Quelle: Stadt Nidderau

