In diesen Tagen wurden auch in den regionalen Medien Artikel über Lebenswege und Werke verfolgter Musiker in der NS-Zeit veröffentlicht. Auf der Website der Universität Hamburg sind sie als “Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit” abrufbar.
Zu diesen Musikern gehörte auch Erich Frost. Ab 1919 studierte Frost in Leipzig Musik. Als Zeuge Jehovas war er im KZ Sachsenhausen eingesperrt. Unter Lebensgefahr komponierte er dort ein Lied unter dem Titel „Vorwärts, ihr Zeugen!“. Es sollte den inhaftierten Glaubensangehörigen Mut machen. Zu seinem Arbeitskommando gehörten 40 Zeugen Jehovas, die täglich etwa eine halbe Stunde zu einer Kläranlage außerhalb des KZ Sachsenhausen marschieren mussten. Auf einem solchen Marsch kam ihm eines Morgens der Gedanke: „Es wird Zeit, zu der Melodie ein paar Strophen zu schreiben, damit man sie auch singen kann“. Bei passender Gelegenheit trug er jeweils einem Glaubensbruder eine Strophe vor, die sie dann auswendig lernten. Abends im Lager trugen sie ihm dann die vier Strophen vor. Mit Hilfe eines älteren Glaubensbruders wurde das Lied in einem Kaninchenstall versteckt. Von da aus gelangte es in die Schweiz und dann nach Brooklyn in die Vereinigten Staaten.
Noch heute ist es Teil des Liederbuches der Zeugen Jehovas. Am 24. Juni 2026 wurde es auch bei der Übergabezeremonie des Mahnmals für die im NS-Regime verfolgten Zeugen Jehovas durch die Bundesregierung den Anwesenden vorgespielt.
Quelle: Hans-Joachim Schalies

